. .
Salzachbrücke

Darmbakterien und ihr Einfluss auf Gehirn und Psyche

Wenn’s Orscherl brummt, is da Mag’n g’sund ... wenn das alles wäre! Der Darm, dieses „unterschätzte Organ“ spielt in unser Leben weit mehr hinein als wir und mit uns die hohe Wissenschaft dachten.
Seit einigen Jahren rücken Ansichten, die davor „nur“ von Heilpraktikern vertreten und bisweilen als esoterisch bezeichnet wurden, in den Focus moderner Forschungen.
Ein Kilo von 1000 verschiedenen Bakterienarten, längst nicht alle erforscht, bildet die Darmflora, auch Mikrobiota bezeichnet. Dass unser Gedärm von 100 Billionen von Bakterien bevölkert ist und auch sein muss, ist seit Langem bekannt. Welche Rolle dieses Milieu im Darm spielt, wird nun immer intensiver erforscht. Unter Mikrobiom versteht man die Gesamtheit der uns besiedelnden Mikroorganismen, als intenstinale Mikrobiota wird die Summe der Bakterien und Mikroorganismen bezeichnet, die im Darm angesiedelt ist.

Alzheimer, Diabetes, Depressionen, Allergien – verursacht im Darm?
Die Darmflora ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von gefährlichen Keimen und Giften oder die Stärkung des Immunsystems. Jeder Mensch besitzt eine individuelle Lebensgemeinschaft von Mikroben, die schützende Funktionen hat – aber auch krank machen kann.
Eine ganze Reihe von Krankheiten, deren Ursachen man bisher nicht ausmachen konnte, meint man nun in der Darmbesiedelung verursacht zu sehen. Mikrobiomforscher vermuten Zusammenhänge von sehr unterschiedlichen Krankheiten mit einer „bakteriellen Dysbalance“ im Darm, sprich: ist die Darmflora nicht „in Ordnung“, werden wir krank. Die Aufzählung mutet abenteuerlich an, kommt aber aus kompetenten Mündern und reicht von Übergewicht, Alzheimer, ADHS, Diabetes und Depressionen bis zu Autismus, Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten.

Die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse
Revolutionäre Erkenntnisse der Mikrobiomforschung gehen davon aus: Es gibt eine Darm-Hirn-Achse, eine wechselseitige Kommunikation zwischen Magen-Darm-Trakt und Gehirn. Der Darm hat sein eigenes Nervensystem, man spricht sogar von einem eigenen „Darm-Hirn“, das zwar nicht denken kann, aber die gleichen Botenstoffe wie unser Kopf-Gehirn verwendet.
Durchfälle, Verstopfung, Blähungen verorten wir selbstverständlich im Darm. Aber Depressionen? Angstzustände? Stressanfälligkeit? Parkinson? Multiple Sklerose? Tatsächlich werden nun Zusammenhänge zwischen der Mikrobiota und genau diesen Erkrankungen erforscht. Auch eine Verknüpfung von Darmbakterien und Zuständen nach Schlaganfällen wird beleuchtet, ebenso wie verfrühte Alterung, Arthritis oder Asthma.

Antibiotika, Probiotika, Präbiotika
Antibiotika vernichten nicht nur krankmachende, sondern auch gesundheitsfördernde Darmbakterien. Die „guten“ Bakterien der Darmflora konkurrieren im Darm mit „schlechten“ Keimen. Auch Stress kann die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft im Darm beeinflussen. Hingegen fördert ausgewogene Ernährung ein gesundes Darmleben. Nachhelfen kann man mit Probiotika, die lebende Mikroorganismen enthalten, etwa Laktobazillen, Bifidobakterien oder bestimmte Hefepilze, die die Bakteriengemeinschaft im Darm positiv ergänzen.
Präbiotika schaffen im Darm Voraussetzungen für die Vermehrung nützlicher Darmbakterien – Präbiotika kommen in Zwiebeln, Knoblauch, Chicorée und Hülsenfrüchten vor. Mit Pro- und Präbiotika kann man nicht nur dem Darm Gutes
tun.
Kombinationspräparate aus Pro- und Präbiotika sind unter dem Synonym „Synbiotika“ in Apotheken erhältlich, die je nach Bakterienzusammensetzungen unterschiedliche Dysbalancen der Darmflora regulieren und somit auf verschiedene Krankheitszustände einwirken können.
Geforscht wird auch an Fäkaltransplantationen, bei denen das Mikrobiom eines gesunden Spenders auf eine Person übertragen wird, die zum Beispiel an MS erkrankt ist. Ziemlich umstritten, aber bei Patienten mit schweren Darminfektionen soll dieses Verfahren bereits Erfolge gezeigt haben.

Mutige und ängstliche Mäuse im Tierversuch
Der Einfluss der Darmbakterien auf die Hirnchemie und damit auf das Verhalten scheint nach internationalen Studien offensichtlich. Selbst Lebensmut und Zaghaftigkeit haben mit der Darmflora zu tun, wie in Tierversuchen mit Mäusen beobachtet wurde. Mutigere Mäuschen mit bakterieller Darmbesiedelung wiesen eine höhere Konzentration des Neurotransmitters Noradrenalin auf. Ähnliches wurde in klinischen Tests mit Menschen beobachtet.
Chronisches Erschöpfungssyndrom, Reizdarm, Angst und Depressionen treten oft gemeinsam auf. In Studien mit Gaben von Probiotika wurden Erfolge zu 40 Prozent berichtet.
Eine alte Weisheit lautet: Die Gesundheit steckt im Darm. Oder anders rum: Der Tod steckt im Darm. Also sollten wir dem Darm die Aufmerksamkeit schenken, die ihm gebührt!

Darm-Freunde
Probiotika gelten als „spezielle Bakterienkulturen“. Diese Bakterien überstehen den Magen und sollen im Darm gesundheitsfördernde Wirkungen entfalten. Es handelt sich um Zubereitungen, die lebensfähige Bakterienkulturen enthalten.
Am bekanntesten sind probiotische Joghurtsorten, deren über Jahre werbewirksam beworbene Gesundheitsförderung und Immunkraftstärkung umstritten ist und nicht mehr beworben werden darf. Jede Kultur, so Giulia Enders, hat ihre eigenen fermentierten Lebensmittel – bei uns ist es das Sauerkraut, in Japan zum Beispiel Miso.

Präbiotika sind „Nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die ihren Wirt günstig beeinflussen, indem sie das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen und somit die Gesundheit des Wirts verbessern“ (Gibson und Roberfroid, 1995). Natürlich enthalten sind sie in Zwiebeln, Knoblauch, Chicoree und Schwarzwurzeln sowie Topinambur und Hülsenfrüchten, etwa Linsen. Sie gelten als Nahrungsgrundlage für bereits im Darm befindliche Mikroorganismen wie Laktobazillen und Bifidobakterien und können auf diese Weise gezielt die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. (Wikipedia)

Synbiotika sind apothekenpflichtige Präparate, die Pro- und Präbiotika in sich vereinen, teils mit gezielter Wirkung auf Dysbalancen des Mikrobioms, je nach Symptomen (Stress, Übergewicht u.a.).

 
Werbung