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Salzachbrücke

Im Unterleib operiert – und mit Problemen alleingelassen

„Keep care for your inner organs“, lautet ein Slogan, der US-Girls in Chatforen zum Thema „Eierstock- und/oder Gebärmutterentfernungen bereits zu lesen bekommen. Ein derartiger offener Umgang mit dem Tabuthema wäre eines der Ziele von „Femica“, der vor einem Jahr in Salzburg gegründeten Selbsthilfegruppe – nach Vorbildern in Graz und Innsbruck. Und vor allem nach dem Vorbild Frankreichs, wo weniger operiert und eher Organ erhaltend vorgegangen wird und die Nachsorge auf endokrinologischer, sexualmedizinischer und psychologischer Ebene auf höherem Niveau zu stehen scheint.

 

„ICH FÜHLTE MICH NICHT ERNST GENOMMEN“

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Gründung einer Selbsthilfegruppe notwendig war. Monika Petschenig von Femica weiß aus eigener Betroffenheit über mögliche Leidenswege von Frauen nach einer Unterleibs-OP. Sie weiß auch, dass Patientinnen mit ihren Problemen weitgehend alleingelassen sind: „Auch ich fühlte mich von den Ärzten nicht ernst genommen, das war meine größte Verletzung.“ Sie ist Diplom-Krankenschwester, versteht die Fachsprache und kann sich ausdrücken, aber „wie geht es anderen Frauen, die das Tabuthema gar nicht artikulieren können?“, fragte sie sich. „Erst als ich in meiner Verzweiflung eine Gynäkologin fand, die sich endokrinologisch auskennt, fühlte ich mich ernst genommen.“

 

MÖGLICHST ORGAN ERHALTEND OPERIEREN

Hier ist nicht die Rede von Operationen im weiblichen Unterleib, die medizinisch absolut notwendig sind. Allerdings wird darüber hinaus sogar heute noch „vorbeugend“ manches gesunde „Teil“ entfernt. Unter der Devise „Was weg ist, kann nicht mehr erkranken“. Dabei wird übersehen, dass – so Femica – die inneren weiblichen Sexualorgane lebenslange Funktionen erfüllen, von Hormonproduktionen bis hin zur Erhaltung der „Ordnung“ im Bauch: Wird die Gebärmutter entfernt, kommt es zu Verlagerungen von Darm, Blase und Knochen.

Monika Petschenig: „Es ist nicht immer notwendig, ganze Organe oder Drüsen zu entfernen. Ein Teil der Gebärmutter oder eines Eierstockes, der noch Hormone produzieren kann, ist besser als nichts.“

 

KASTRATION VON FRAUEN

Die Entfernung der Gebärmutter führt häufig zu tiefer Trauer, Depressionen, sexueller Unlust, Inkontinenz, Darmproblemen und vorzeitiger Menopause.

Die Entfernung der Eierstöcke ist Kastration, was im deutschsprachigen Raum nicht gerne ausgesprochen wird. Dadurch wird die Tätigkeit der Keimdrüsen abrupt eingestellt, was sich auf das gesamte Hormon- und Nervensystem auswirkt.

Die Entfernung von Gebärmutter sowie Eierstöcken bewirkt eine „chirurgische Menopause“. Der Unterschied zum natürlichen Wechsel: dieser erstreckt sich über Jahre; Körper, Geist und Seele können sich allmählich und langsam umstellen.

Auch bei Erhalt der Eierstöcke kommt es laut Femica-Information nach einer Gebärmutter-OP bei bis zu 40 Prozent der Frauen zum teilweisen Verlust der Eierstockfunktionen, was einer Kastration gleichkommen kann.

 

SCHWERWIEGENDE FOLGEN WERDEN OFT VERHARMLOST

Gleichgültig, auf welche Art operiert wird, kommt es häufig zu Folgen wie Verlust der sexuellen Empfindungsfähigkeit, Müdig­keit, Verlust von Vitalität, Gelenksschmerzen, Herzbeschwerden, Schlafstörungen u.a.

Nicht jede Frau reagiert nach einer OP gleich, die Hormonprobleme können sich sehr unterschiedlich zeigen.

Femica geht es um eine umfangreiche Beratung vor einer Operation und eine bessere Behandlung von Frauen, vor allem wenn sie in ihrem Unwohlsein nach einem Eingriff stecken bleiben. „Im Fall eines unabwendbaren Organverlustes“, so Femica, „sollten Verlustgefühle und veränderte Sexualität der Frauen anerkannt werden. Das würde eine bessere Betreuung ermöglichen, die u. a. auch zu einer individuellen ,neuen Sexualität’  verhelfen könnte.“

Monika Petschenig hält nach einer Operation an den weiblichen Sexualorganen zusätzlich zur chirurgischen Nachbetreuung auch Angebote einer kostenlosen ganzheitlichen, endokrinologischen  und psychologischen Nachbetreuung für notwendig. In der Selbsthilfegruppe werden Frauen unterstützt und beraten. „Wir planen auch Foren im Internet, wo sich die Frauen anonym austauschen können, zum Beispiel Facebook.“ Es gibt noch viel zu tun.

 
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