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Salzachbrücke

Jung, dynamisch, leistungsstark? Oder ständig müde und kraftlos?

„Diese Müdigkeit ist eine Qual“, berichtet eine Betroffene, „ich muss mich zu jedem Schritt zwingen, fast müsste ich Bein für Bein mit den Händen erst hoch heben.“ Wenn das Gehen schon solche Überwindung kostet, schaut es mit allen sonstigen körperlichen Arbeiten nicht anders aus, und leider sind bei solcher Erschöpfung und dem Gefühl des Ausgelaugtseins auch Konzentration und Denkvermögen geschwächt.

IST ES EINE „ECHTE“ KRANKHEIT?
Wie bei allen Krankheiten dreht sich alles um das Hauptproblem: in diesem Fall um die lähmende Dauermüdigkeit. Und Chronische Müdigkeit bzw. Chronisches Erschöpfungssyndrom kann eine – von der WHO klassifizierte – neurologische Erkrankung sein. Bekannt unter CFS (Chronic Fatigue Syndrom) wird heute der Fachbegriff Myalgische Enzephalomyelitis (ME) vorgezogen und kurz als CFS/ME gefasst.

SCHWER VERSTÄNDLICH
CFS/ME ist für Arbeitskollegen und Familie schwer nachzuvollziehen. Wie man hört, stehen auch Ärzte dieser komplexen und irgendwie diffusen Erkrankung ratlos bis ablehnend gegenüber und verordnen gerne Psychopharmaka. Beliebt ist auch die Diagnose Burn out. Wobei sich verständlicherweise, wie bei allen chronischen Erkrankungen, eine Depression zum Gesamtbild schlagen kann. Schließlich ist es, so die vorhin erwähnte Patientin, deprimierend und zum Verzweifeln, die Tage (und das Leben) so ungenützt und abgeschlafft verstreichen zu sehen.

KRANKHEIT ENTWICKELT SICH SCHLAGARTIG
Für die Diagnose von CFS/ME sind folgende Kriterien zu beachten:
• Die unerklärte, anhaltende oder wiederkehrende Müdigkeit ist völlig neu aufgetreten (meist im Alter zwischen 25 und 45 Jahren) und nicht von Geburt an vorhanden.
• Die bleierne Erschöpfung hat nichts mit besonderer Anstrengung zu tun.
• Aktivitäten und Leistungsfähigkeit sind deutlich verringert.
• Diese Müdigkeit hält bereits seit mindestens sechs Monaten an.
Hinzu kommen Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme,
Hals-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme.
Da derartige Symptome auch bei zahlreichen anderen Krankheiten auftreten, muss eine Ausschlussdiagnose durchgeführt werden. Auszuschließen sind: Fatigue (begleitend bei Krebs und Multipler Sklerose), Burn out, Aids, Anämie, Diabetes Mellitus, Fibromyalgie, psychische Erkrankungen wie Depression oder ­Angst­erkrankungen, Schlafapnoe (Schnarchen mit Atemaussetzern), Schilddrüsenstörungen – um nur einige anzuführen.

URSACHEN UNBEKANNT
CFS/ME ist eine organische, pathophysiologische Multisystemerkrankung unbekannter Ursache, Betroffene sind aus scheinbar unerklärlichen Gründen mit ihren Kräften am Ende. Ein Auslöser kann Stress sein. Interessant ist, dass beim Großteil der Erkrankten eine Infektion mit Viren der Herpes-Gruppe vorausgegangen ist – zum Beispiel das Eppstein-Barr-Virus, Verursacher des Peiffer’schen Drüsenfiebers.
Der Verlust mentaler, psychischer und physischer Leistungsfähigkeit beruht also auf biochemischen Abweichungen im Energie­stoffwechsel. Das Krankheitsbild wird in mehrere Stufen unterteilt, von leichten Beschwerden bis hin zu schweren Symptomen bei allen Anstrengungen und auch in Ruhe – kein Verlassen des Hauses, die meiste Zeit bettlägerig; kognitive Symptome verhindern die Konzentration. Schlimmsten Falles führt CFS/ME zu ständiger Bettlägerigkeit und zur Unfähigkeit, sich selbst zu versorgen.

MAN KANN UND DARF NICHTS ERZWINGEN
In den USA ist CFS/ME besser bekannt und beobachtet, es liegen Zahlen vor. Rechnet man diese auf Deutschland hoch, sollen hier rund 300.000 Personen erkrankt sein, EU-weit 1,6 Millionen. Alle ethnischen Gruppierungen können betroffen sein, wobei Frauen überwiegen.
Das Positive: Man stirbt nicht daran. Dennoch: Es gibt keine ursächliche Behandlung gegen CFS/ME. Einzig empfohlen werden individuell konzipierte Supplement-Therapien mit Nahrungsergänzungsstoffen. Allerdings können gefährliche Folgeerkrankungen auftreten wie Herzprobleme, Schilddrüsenerkrankungen (insbesondere Hashimoto-Thyreoditis), Rheuma und Krebs. Und man sollte CFS/ME-Patienten keinesfalls antreiben, ihre Herzfrequenz bis zu den altersentsprechenden Standardwerten zu steigern. Also muss auch der Patient selbst Verständnis für seine Einschränkungen aufbringen und darf sich nicht zu höheren Leistungen zwingen.
„Wenn das meine Familie und mein Bekanntenkreis auch so sehen könnten, wäre es mir leichter“, sagt die resignierende Betroffene, die sich selbst nicht mehr wiedererkennt – war sie doch früher sportlich, vielseitig aktiv und so richtig tough und tüchtig.
Die heimtückische Erkrankung macht natürlich auch vor Prominenten nicht halt. Doch auf Grund der meist ungenauen Diagnosen werden CFS/ME und Burn out oder andere Erschöpfungskrankheiten vermixt.

RECHTZEITIG ERKENNEN UND CHRONIFIZIERUNG STOPPEN?
Hat ein Patient das Glück, dass die Krankheit im Anfangsstadium erkannt wird, kann er versuchen, den Übergang ins chronische Stadium zu stoppen. Unter dem Österreichischen Gesundheitsportal http://gesund.co.at/ wird dazu empfohlen:
• richtiger Schlaf (gut gebettet, in gesund temperierten und gelüfteten Räumen, optimierte Schlaflänge)

• Verzicht auf Alkohol und Nikotin
• gesunde Ernährung (eventuell Nahrungsergänzung durch Bioenergetika/Tonika)

• Gymnastik, Sport
• richtige Atmung, gute Umgebungsluft (zuhause und an der Arbeitsstätte)

• genug Sonnenlicht (auch im Winter)
• Erlernen von Entspannungsmethoden
• Stressverminderung (beruflich, in der Partnerschaft und/oder familiär; oft nur mit psychologischer Fachbetreuung erreichbar)

CFS/ME und TCM
Um chronische Erschöpfung beizeiten als ernst zu nehmende Krankheit zu erkennen, muss man darüber Bescheid wissen, sich selbst gut beobachten und sollte einen aufgeschlossenen Arzt, Naturheilmediziner oder Heilpraktiker finden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das Erschöpfungssyndrom gesamtheitlich betrachtet und bietet daher andere, vielleicht hilfreiche Zugänge. Krankhaft Erschöpfte sind jedoch kaum in der Lage, sich ohne Hilfe auf Therapeuten-Odyssee zu begeben.

Sylvia Nachtmann
 
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