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Salzachbrücke

Können wir uns jung und fit essen?

Kann man sich „jung essen“, wie es uns manche Diäten weismachen wollen? Oder kann man durch geeignetes Essen sich länger jung und fit erhalten? Nicht alles, was gemeinhin als „gesund“ gilt, verträgt man im Alter. Zu schwer verdaulich, zu ballaststoffreich, zu fett, zu schwer zu kauen ...

Sylvia Nachtmann

Wo wohnen die ältesten Menschen? In Japan? Im Kaukasus? Auf Kreta? Ist ihre Ernährung das Geheimnis des hohen Alters in erstaunlicher Frische? Zahlreiche Diätvorschläge (millionenhaft) wollen das lüften und wir wollen nacheifern.

Fisch, Kefir, Knoblauch, Rohkost & Co
In Japan kommen nebst Reis viel Fisch und Meeresfrüchte auf den Tisch, Seetang, Algen und diverse Pilze, Gemüse, Soja und Tofu. Fleisch und Kuhmilch waren in alten Zeiten in Japan verpönt und werden auch heute noch wenig geschätzt. Japaner weisen eine hohe Rate von Lactose-Unverträglichkeit auf. Eine besondere Rolle spielt das Walfleisch, wenn auch rückläufig. Internationale Walfangverbote werden selbstbewusst umgangen, trotz Protesten aus aller Welt.
Im Kaukasus stehen reichlich Joghurt, Kefir und Buttermilch auf den Speiseplänen. Der Anteil an gesättigten Fettsäuren ist niedrig, der tägliche Fettkonsum übersteigt selten 50 Gramm. Außerdem essen Kaukasier viel Obst, frisch oder getrocknet sowie Gemüse und Getreide, vor allem Gerste. Und auffallend viel Knoblauch.
Gar nicht so weit entfernt von uns, auf Kreta, erreichen überdurchschnittlich viele Leute ein Methusalem-Alter, zumindest war es bis in die 80er Jahre so – weniger Herzinfarkte, weniger Alzheimer. Von ihren Essgewohnheiten abgeleitet wird die Kreta- oder Mittelmeer-Diät empfohlen: Kein rotes Fleisch, aber Gemüse und Salat, Obst, Knoblauch, Fisch, Olivenöl und täglich ein wenig Rotwein. Klingt lecker und Studien belegen den Zusammenhang zwischen Essgewohnheiten und Sterblichkeit der Inselbewohner. Inzwischen nehmen auch auf Kreta Zivilisationskrankheiten und Übergewicht zu.

Nicht alles ist für alle gleich gesund
Allerdings hat die Übertragung von Studienerkenntnissen über Essgewohnheiten ferner Völker auf uns Mitteleuropäer einen Haken. Teils sind wir epigenetisch auf Kost aus fremden Ländern gar nicht ausgerüstet. So etwa sind Sojaprodukte für Europäerinnen in Diskussion geraten, die auf den Hormonspiegel von Asiatinnen wirksamer sind und besser vertragen werden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und im Ayurveda wird die Ernährung den Lebensrhythmen, den Tages- und Jahreszeiten und dem Alter angepasst. Mit der Ablehnung von dauerhafter Rohkost widersprechen sie westlichen Rohkost-Befürwortern. Interessant: In der TCM wird Nahrungsmittel aus der Region zur jeweiligen Jahreszeit der Vorzug gegeben – übereinstimmend mit der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM), die Methoden wie jene von Pfarrer Kneipp, F.X. Mayr-Medizin oder klassische Homöopathie sowie Kräuterwissen à la Hildegard von Bingen einschließt.

Langlebige Völker verzichten auf Völlerei
Ein voller Bauch studiert nicht gerne, so lautet eine alte Weisheit. Wir alle haben ihre Richtigkeit selbst erlebt. Und die Völlerei ist eine der Sieben Todsünden. Langlebige Völker aller Weltgegenden haben einiges gemeinsam: Sie essen nicht übermäßig viel, ein großer Teil ihrer Grundnahrungsmittel ist selbst angebaut, geerntet und verarbeitet, ohne künstliche Zusatzstoffe. Bewegung in frischer Luft ist naturgegeben und Fastenzeiten haben Tradition. All dies können wir getrost nachahmen, inklusive guter Laune. Wenn wir auch noch viel, aber nicht zu viel Wasser trinken, am besten mineralstoffarmes, tun wir uns gewiss etwas Gutes, vielleicht sogar etwas gegen das Altern. Jedenfalls fühlen wir uns rundum wohler und jünger.

Übersäuerung, Allergien, Unverträglichkeiten
Allgemein gültige Diäten und für alle Menschen stimmige Rezepte gibt es nicht. Wir sollten am eigenen Leben erfahren, was für uns persönlich passt. Es kann angeraten sein, uns auf Übersäuerung sowie Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten testen zu lassen und eine individuelle Ernährungsberatung anzunehmen, und uns vorübergehend oder ständig darauf einzustellen. So können wir Folgen unserer jahrelangen Essgewohnheiten abbauen und mit einem Neubeginn in die nächsten Jahre starten.

Bewusstsein für das „Richtige“ entwickeln
Die Beschäftigung mit Ernährung und Reaktionen von Körper und Psyche auf unsere Nahrungsaufnahme, ob positiv oder negativ, kann unsere Sinne schärfen, so dass wir allmählich spüren, was für uns wirklich richtig ist – ohne uns in die Tasche zu lügen, etwa so: Ach, jetzt braucht mein Körper dringend eine Schokolade, oder: herrlich entspannend, jetzt eine Zigarette zu rauchen ... Es ist wichtig, sich ehrlich frei und unbeeinflusst zu machen von der Vielzahl wechselnder Ernährungs-Tipps. Da verflüchtigt sich auch manche überlieferte Meinung. Zum Beispiel ist Brot und vor allem Vollkornbrot nicht für jeden das Non plus Ultra, Verzehr von Rohkost nach 15 Uhr belastend, für manche ist es besser, öfters am Tag kleinere Portionen zu essen als nur drei Mahlzeiten täglich ...
Gut kauen, bewusst essen, sich Zeit nehmen, das sollten wir uns angewöhnen – warum nicht verbunden mit dankbarer Wertschätzung unserer Lebens-Mittel?
 
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