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Salzachbrücke

Schlank mit Rohkost – oder bekommt man ein Bäuchlein?

Rohkost – darunter verstehen wir pflanzliche Lebensmittel, die keiner Erhitzung ausgesetzt waren. Sie zählen zu unserer „normalen“ Ernährung. Ganz selbstverständlich essen wir Salate, frisches Obst und rohes Gemüse, trinken Smoothies. Derartiges kühlt von innen und schmeckt uns deshalb gerade im Sommer so gut. Im weiteren Sinn zählen auch Honig und kaltgepresste Öle sowie kaltgeräucherte Fleisch- und Fischspezialitäten zur Rohkost.

Überzeugte Rohköstler pfeifen auf Gekochtes
Leute, die sich ausschließlich von Rohkost ernähren, setzen auf all die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme, die beim Kochen zerstört würden – angeblich. Dass „echte Rohköstler“ gesünder sind als ausgewogen Essende, sei mal dahingestellt.
Andere behaupten: Bei schonendem Kochen und Garen bleiben die meisten wertvollen Inhaltsstoffe erhalten, überwiegend inklusive Vitamine. Das hitzeempfindlichste Vitamin C ist generell empfindlich, es verliert sich auch durch Licht- und Sauerstoffeinfluss. Daher: Frisch sollen sie sein, die pflanzlichen Vitaminquellen.

Manch rohes Gemüse gesundheitsschädlich
In den letzten Jahren tauchten Meldungen über Gewichtszunahme, Verdauungsstörungen und Hautprobleme auf, deren Ursache mit der Aufnahme von Lektin, einem pflanzlichen Protein, begründet wird. Lektine kommen in vielen Pflanzen vor, hauptsächlich in rohen Hülsenfrüchten und rohen Kartoffeln. Durch Kochen oder Garen wird Lektin umgewandelt und vertschüsst sich somit.
Manche rohe Bohnen, etwa Feuerbohnen, können schon in geringer Stückzahl zu Vergiftungserscheinungen und schlimmsten Falles sogar zum Tod führen. Deshalb darauf achten, dass kleine Kinder keine rohen Bohnen in den Mund stecken! Entwarnung bei Erbsen: obwohl Hülsenfrüchte, enthalten sie keine Lektine und können frisch vom Strauch genascht werden.

Gekochte Tomaten sind gesünder
Auch rohe Tomaten enthalten Lektine, die beim Erhitzen verschwinden – das gesunde und eventuell sogar gegen Krebs schützende Lycopin, der rote Farbstoff der Tomaten, geht beim Kochen nicht verloren, im Gegenteil, sein Anteil erhöht sich dabei sogar. Also: Gekochte Tomaten sind gesünder als rohe. Die grünen Stängel-Ansatzstellen der Tomaten soll man immer herausschneiden. Auch Kartoffeln, ebenso ein Nachtschattengewächs wie die Tomate (und übrigens auch die hochgiftige Tollkirsche, aber die steht ohnehin nicht zur Debatte), auch Aubergine, Paprika und Chili enthalten Lektine sowie weitere Problemsubstanzen.

Risiko Nachtschattengewächse
Bei einer Anfälligkeit gegen Nachtschattenpflanzen vermutet man eine Reihe gesundheitlicher Auswirkungen, durchwegs als Folgen von hervorgerufenen Darmerkrankungen: Arthritis, Akne, Osteoporose, Gelenksteifigkeit, Wetterfühligkeit, Schlaflosigkeit, Blasenentzündungen. In solchen Fällen sollte man auch so vertraute Nachtschattengewächse wie Kartoffel, Tomate & Co vom Speisezettel streichen – was übrigens auch im Ayurveda geraten wird. Es gibt genügend andere Gemüsesorten.
Und die Traditionelle Chinesische Medizin TCM ist der Meinung, dass die reichlich vorhandenen Vitalstoffe der Rohkost vom Organismus gar nicht richtig aufgenommen werden, zu aufwändig sei der Energieaufwand. Hier wird zwecks leichterer Verdauung auf Garen und Dünsten von Gemüse gesetzt.

Rohkost am Abend?
Wer über eine generell robuste Verdauung verfügt, kann getrost auch am Abend rohen Salat essen. Bei Verdauungsproblemen ist Vorsicht oder erst mal Selbstbeobachtung angesagt: Belasten mich Rohkost und ein voller Magen abends/nachts? Treten Beschwerden, etwa Blähungen auf? Am besten, man testet es selber aus.
Entsprechend einer gängigen Theorie, bleibe auf Grund der abendlich langsameren Verdauung pflanzliche Rohkost im Magen liegen und beginne im Bauch zu gären. Dies führe zu Gewichtszunahme und vor allem zu einem Bäuchlein. Entwarnung: Diese Behauptung gilt inzwischen als wissenschaftlich nicht erwiesen. Aber das Gegenteil ist auch nicht bewiesen.

Und noch einmal: Lektine
Im Vorjahr kam ein Buch auf den Markt, in dem Lektine als „die größte Gefahr der amerikanischen Ernährung“ tituliert werden. In „The Plant Paradox“ ortet der Arzt Stephen R. Grundy versteckte Gefahren durch Lektine, die nicht nur zu Blähungen, Durchfall und Sodbrennen, sondern auch zu Glieder- und Kopfschmerzen führen. Hauptbösewichte: Tomaten, Kartoffeln, Auberginen. Auch Vollkornbrot. Er handelte nach eigenem Erleben – Übergewicht trotz ausgewogener Ernährung und Sport. Irgendwie kam er zur Idee, Nachtschattengewächse und „Gemüse mit vielen Samen“, nämlich auch Gurken und Kürbis zu meiden und siehe da, es purzelten 30 Kilo und die Cholesterinwerte besserten sich. Gleiches sollen seine Patienten berichten.
Als wache Geister können wir uns mit unterschiedlichsten und widersprüchlichen Ansichten gedanklich befassen.
Aber das ist sicher: Einseitigkeit, Fanatismus und Junk-Food tun uns nicht gut.
 
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