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Salzachbrücke

Trau keinem über 30!

Der Alterungsprozess – was wird nicht alles aufgeboten, um ihn einzubremsen, zu stoppen oder gar umzukehren!
Viel Geld kommt dafür in Umlauf. Und trotzdem: Das Alter wird siegen, das Ende ist vorprogrammiert.

 

Sylvia Nachtmann

 

Wer ist alt? Der Begriff dehnt sich mit den Jahren. „Trau keinem über 30“ lautete ein Slogan in den 1960er Jahren, ein Kind hält die mittdreißigjährige Nachbarin für eine „alte Frau, so wie du, Mami“, 50-Jährige bezeichnen alle Jüngeren für jung und 70-/80-Jährige wären gerne noch einmal so knackfrisch wie die 60-Jährigen ...

 

Der Traum vom Jungbrunnen

Mit 30 endet die Jugend, sagt man, das kann nachdenklich machen. Tja, so geht’s dahin, und es geht allen gleich. Immer schon war man auf der Suche nach einem „Jungbrunnen“.

Das Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren von 1546 zeigt es sehr anschaulich: Von links kommen alte bis uralte Frauen (warum keine Männer?) an ein Wasserbecken, in dessen Mitte ein Springbrunnen sprudelt. Nackt tauchen sie in das Wasser, plantschen immer fröhlicher und entsteigen rechts diesem Pool als schöne Jungfrauen, bereits erwartet von holden Herren ...

 

Lang leben, aber nicht alt werden

Schön wär’s! Anti-Aging-Methoden bieten sich als „Altershemmung“ an. Die Jahre können wir nicht reduzieren, doch das biologische Alter wollen wir runterdrücken, wollen bis hoch in die Jahrzehnte schmerzfrei, fit und agil sein und natürlich auch so aussehen. Das größte Kompliment für alle jenseits der Lebensmitte: „Man sieht jemandem das Alter nicht an“. Cremen, Skalpelle, alternativmedizinische Behandlungen, Wellness & Kuren, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel sollen helfen, der Zeit ein Schnippchen zu schlagen.

 

Gestiegene und wieder rückläufige Lebenserwartung

Lag die durchschnittliche Lebenserwartung vor 100 Jahren in unseren Breiten noch knapp unter 50 Jahren, so hat sie heute mit gut 80 Jahren einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Es gibt mehr 100-Jährige denn je. Wir werden also immer älter, gleichzeitig wird vor einer rückläufigen Lebenserwartung gesprochen, erstmalig in der Geschichte der Menschheit. Schuld daran: Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herzerkrankungen. Übergewichtige Kinder erwartet – statistisch – ein kürzeres Leben. „Fettleibigkeit bei Kindern beeinträchtigt die Lebenserwartung mehr als alle Krebsarten bei Kindern zusammen“, schreibt Dr. Mark Hyman in seinem Buch „Hoher Blutzucker“, Goldmann Verlag.
Wer ungesund lebt, unkontrolliert isst, sich die Nächte um die Ohren haut und Alk & Drugs in sich hineinschüttet und raucht, wird schneller altern. Äußerlich sichtbar an Haut und Körperform, aber auch innerlich leiden Gefäße und Organe einschließlich Gehirn.

 

Was beschleunigt den Alterungsprozess?

Lebenswandel und erbliche Faktoren bestimmen die Sichtbarkeit des Alterungsprozesses und das erreichbare Höchstalter.

In der Altersforschung kennt man mehrere Faktoren, die teilweise durch uns beeinflussbar, teilweise unentrinnbar sind. Hochbetagte Eltern und Großeltern deuten auf genetische Ursachen und statistisch höhere Lebenserwartung hin. Den Lebensstil können wir selbst bestimmen, Umwelteinflüsse nur bedingt. Lärm und Umweltgifte sowie psychische Belastungen jeder Art beschleunigen den Alterungsprozess.

Das Altern ist ein biochemischer Abnutzungsvorgang. Der eigene Stoffwechsel liefert ständig Abfallprodukte, die zellschädigenden „freien Radikale“ – die über Oxidation schaden und zur Entstehung von Krebskrankheiten, Arteriosklerose und Alzheimer beitragen sollen. UV- und Röntgenstrahlung verstärken die Entstehung von Freien Radikalen, wir nehmen sie auch mit der Nahrung und Atemluft auf.

Mit dem Älterwerden sinkt die Produktion mancher Hormone – das macht „alt“, sichtbar und gefühlt, und wird ebenfalls als Ursache von Demenz, Arthrose, Knochenschwund und Krebs gesehen.

Junges Herz und graue Haare

Die Alterungsmechanismen sind noch nicht gänzlich geklärt. Aber es ist unser Schicksal: Zellen altern. Sichtbare Hautalterung ist uns ins Gesicht geschrieben – sie setzt bereits unter 30 Jahren ein und entwickelt sich fort und fort ... Falten, Runzeln, Verlust von Elastizität und Spannkraft.

Im Durchschnitt beginnen die Haare von Europäern mit 34 Jahren zu ergrauen, plus/minus einige Jahre, sobald eingelagerte Pigmente durch farblose Luftbläschen ersetzt werden. Hilfe kommt durch Tönungen, Färbungen, Re-Pigmentierungs-Cremes, die das natürliche Melanin im Haar nachbilden oder Re-Naturierungs-Produkte, die auf das Haar aufgebracht werden und mit Luftsauerstoff reagieren.

 

Bewegung, Sport und Tanz

Körperliche Bewegung kann das Altern einbremsen, indem sie auf oben genannte Zivilisationskrankheiten wirkt, vorbeugend oder heilend. Strukturelle und chemische Veränderungen, verlangsamter Gehirnstoffwechsel, Verkalkung und geringere Sauerstoffversorgung können zur Abnahme mancher geistiger Fähigkeiten führen – Bewegung wirkt sich auch im alternden Gehirn positiv aus.

Ein kräftiges Immunsystem beugt Infekten und Entzündungen vor. Chronische Entzündungen, oft gar nicht wahrgenommen, werden als „Silent Inflammations“ betitelt und gelten als „Motor aller Alterskrankheiten“. Einer fehlerhaften Ernährung geschuldet, sollen sie zu schleichenden Vergiftungen führen.

Neben Bewegung gehört ausgewogene, natürliche und der Person angepasste Ernährung zu den effizienten Anti-Aging-Weisheiten. Aber auch wer ganz, ganz gesund lebt, wird von der Zeit eingeholt. Udo Jürgens trank keinen Alkohol, mied direkte Sonne, ging abends um neun Uhr zu Bett ... Und es gibt die sprichwörtlichen 90-Jährigen, die nach täglich 20 Zigaretten und Schnapserln friedlich entschlafen sind ...

 
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