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Salzachbrücke

Viszerale Osteopathie

Während sich Parietale Osteopathie mit Faszien, Muskeln, Knochen und Gelenken befasst, wird die Cranio-Sacral-Therapie kurz auch „Schädel-Kreuzbein-Therapie“ genannt. Zusätzlich wurde die Viszerale Osteopathie entwickelt, die sich die zahlreichen Verbindungen von Organen, Knochen und Gelenken zu Nutze macht.

Sylvia Nachtmann

Dass der Mensch nicht nur aus Einzelteilen besteht, stiftet oftmals Verwirrung. Denn eine Schmerzursache muss nicht genau dort verankert sein, wo der Schmerz sich äußert – ein Phänomen, das seit Langem bekannt ist. So entstanden über klassische manuelle Therapieformen hinaus die Zweige der Osteopathie, um körperliche Zusammenhänge in Einklang und Balance zu bringen.

Faszinierende Logik des Körperbaus
Jakob Schulmayr, Diplom-Sportwissenschaftler und Heilpraktiker für Osteopathie im Physiohaus Freilassing demonstriert, mit welch sanften osteopathischen Handgriffen ganze „Organketten“ und einzelne Organe zentriert werden können. Als zuschauender Laie sieht man – ehrlich gesagt – nicht, was da im Körper vor sich geht. Erst wenn Schulmayr zusammen mit der Therapeutin Margit Zuck körperliche Zusammenhänge erklärt, öffnet sich ein Blick in die faszinierende Logik des Körperbaus, die stark von Wechselwirkungen bestimmt wird.

Alles ist direkt oder indirekt miteinander verbunden
Margit Zuck: „Um dieses Zusammenwirken zu verstehen, muss man wissen, dass Organe immer eine direkte oder indirekte Anhaftung über Bänder und Faszien am Knochengerüst haben.“ Dadurch erklärt sich die Wechselwirkung zwischen Organ und Skelett – „ändert sich die Spannkraft oder Position eines Organs, setzt sich die Veränderung an entsprechenden Knochen und Gelenken fort.“
Organe sind von Faszien, glitschigen Häuten, umgeben und darüber hinaus an bestimmten Stellen befestigt. Kommt es durch Entzündungen, Operationen, Unfälle und Erschütterungen oder andauernde Fehlhaltungen zu Verklebungen solcher Häute, kann das „System“ nicht mehr gleiten, Verspannungen sind die Folge und der Schmerz zeigt sich an anderer Stelle, nämlich an der Aufhängung der Faszien, an Knochen und Gelenken.
Es gibt zahlreiche Beispiele für Wechselwirkungen zwischen inneren Organen und Knochengerüst, ja sogar von Dauerstress und Körperschmerz.

Schulter und Leber – wie spielen sie zusammen?
Die „zentrale Kette“ (nach Philippe Druelle) verbindet, sehr vereinfacht angeführt, Schädelbasis, Speiseröhre, Herz, Zwölffingerdarm, Magen, Teile der Leber, Dickdarm, Beckenboden, Blase, Gebärmutter. So lassen sich teils therapieresistente Schmerzen erklären wie Schulterschmerz bei „beleidigter“ Leber (etwa nach einer Entzündung) oder verspanntem Zwerchfeld, Schmerzen an der Brustwirbelsäule bei belastetem Zwölffingerdarm. Dickdarm und Becken stehen über Faszien in Verbindung – ändert sich durch Störung am Dickdarm die Beckenposition, können sich Beschwerden in den Beinen bemerkbar machen. Manch organische Ursache äußert sich schmerzhaft an Wirbelsäule und Bewegungsapparat und umgekehrt können sich Störungen der Wirbelsäule auf Organe auswirken. Oft reicht eine kleine Verschiebung im Millimeterbereich; diese auszugleichen ist eine der Aufgaben der viszeralen Osteopathie.

Erleichterung für Mutter und Kind
Margit Zuck spricht auch das Wechselverhältnis zwischen Gebärmutter und Schädeldecke an – viele Frauen leiden während der Periode unter Kopfschmerzen. Eine Zentrierung der Gebärmutter kann Erleichterung schaffen, übrigens auch in der Schwangerschaft – zum Wohle von werdender Mutter und ihrem Kind. Das im Geburtsstress bedrängte vegetative Nervensystem kann Babys Verdauung beeinträchtigen, häufiges Spucken und Blähungen sind bekannte Folgen. Da kann Osteopathie den Neugeborenen rasche Hilfe bringen.
 
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