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Salzachbrücke

Energie ist Allgemeingut

Sylvia Nachtmann

Wie halten Sie es mit dem Energiesparen? Reden wir mal vom elektrischen Strom. Bis jetzt hatten wir noch keine Engpässe, zumindest bekamen wir nichts davon mit. Großflächig ausgefallen ist er noch nicht. Und wir sind überzeugt, dass er für uns alle da ist, weil wir ihn doch alle brauchen.

FÜR SICH SELBST UND FÜR UNS ALLE
Vor einigen Jahren schon sagte Bundeskanzlerin Merkel sinngemäß, würden alle Stand-By-Zustände unserer normalen Alltagsgeräte auf Null geschaltet, könnte die Produktion eines Atomkraftwerkes eingespart werden! Wie bitte? Ja bitte – weiterdenken! Wenn wir Strom sparen, tun wir nicht nur unserem geliebten Geldbörsel etwas Gutes, sondern wir tragen bei, zu weniger Strom-Gesamtverbrauch und weniger erforderlicher Stromproduktion, egal woher Strom, dieses unbekannte Wesen, kommt.
Von weniger Produktion hören die Kraftwerksbetreiber und Aktionäre natürlich nicht so gerne. Aber wir Durchschnittsleute machen uns natürlich Gedanken und wollen, dass das Allgemeingut Strom stets ausreichend vorhanden ist, aus möglichst sauberen Quellen, klar.

HABEN SIE STROMSPARTIPPS?
Stromspartipps schauen häufig so aus: Schmeißen Sie Ihre alten Elektrogeräte raus und kaufen Sie neue! Soll man wirklich alles, was noch gut funktioniert, entsorgen? Oder wäre gerade durch Entsorgung und Neuherstellung von Geräten die Energiebilanz erst recht negativ gekippt? Davor warnen Experten. Wenn es künftig nur noch energieverbrauchsmäßig reduzierte Staubsauger und danach E-Herde „light“ geben wird, heißt das noch lange nicht, seine treuen Dinger gleich zu ­ver­tschüssen.
Wenn man sich umhört, hat jeder seine eigenen Stromspar-Gewohnheiten. Der eine knipst fast schon zwanghaft jeden Lichtschalter sofort wieder aus, andere haben alle Glühbirnenvorräte alter Güte längst in den Müll geschubst und quecksilberhaltigen neuen Leuchtelementen den Vortritt gelassen. Manch modern sich einschätzende Hausfrau trocknet ihre Wäsche ausschließlich im Wäschetrockner, auch wenn im Garten ein sonniges Lüfterl weht. Der Geschirrspüler wird großzügig mit Teilen bestückt, die kaum oder gar nicht verwendet wurden, Waschmaschinen laufen mit fast leerer Trommel ... Was sich im Bereich maskuliner Stromverbrauchs-Usancen tut, wird auf ähnlicher Schiene liegen – zwischen knauserig und verschwenderisch.

ÄRGERT SIE STROMVERSCHWENDUNG IM ÖFFENTLICHEN RAUM?
Puh, diese Hitze! Man reißt sich in S-Bahn und Bussen das Wintergewand vom Leib, weil aus allen Rohren geheizt wird oder sollen wir uns an die hohen Grade gewöhnen? Heikle Frage: Müssen öffentliche Ämter mit Parteienverkehr wirklich auf geschätzte 25 Grad  temperiert werden, dass man es als vorbeikommende Person im Mantel kaum aushält?
Müssen Bankangestellte im Blüschen arbeiten oder könnten sie nicht einen hübschen aber locker wärmenden Pulli überziehen? Muss es Bürokräften erlaubt sein, selbst im Winter ihre Nabeltattoos zu präsentieren? Erlebnis im vorigen Winter: Mein Besuch eines namhaften Supermarktes in Salzburg, in Winterstiefeln, Mantel, Schal, Haube. Die Hitze schleudert mich beinahe zurück. Ich frage einen Mitarbeiter gleich im Eingangsbereich, ob ich hier wieder umdrehen und rausgehen dürfe wegen der Hitze, „ausnahmsweise“, sagt er – selbst im dünnen weißen Hemd, die Ärmel hochgekrempelt.
Im Winter zu heiß – im Sommer zu kühl durch schlecht eingestellte Klimaanlagen. Hauptsache, wir schlagen dem Wetter ein Schnippchen (und à la longue auch dem Klima).
Nach so viel böser Provokation noch eine knifflige Frage: Muss jedes mehr oder weniger wichtige Bauwerk und jeder Kirchturm nächtens stundenlang beleuchtet sein? Und, pardon, wie sieht es mit überschwänglicher Weihnachts-Illumination aus?
 
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