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Salzachbrücke

Gefahr für Mensch und Natur

Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung – und wir sind ja nicht aus Zucker. Deshalb sind wir nicht zimperlich, bewegen uns in der frischen Luft, brauchen nicht einmal Sonne zum Schifahren, laufen mit dem Hund durch Nebelschwaden, lassen uns den Wind um die Nase peitschen und sehen dabei immer noch hübsch verpackt aus! Denn Wetterklamotten von heute sind modisch gestylt, hübsch und natürlich außerordentlich funktionell, wasser- und winddicht und atmungsaktiv.

Mit Gift über Stock und Stein
Doch es gibt sehr wohl „falsche“ Kleidung, ohne dass man es ihr ansieht. Schon 2012 warnte Greenpeace vor Gift in Outdoorjacken. Und es wird nach wie vor gewarnt – auch anno 2016 wurden durch Untersuchungen im Auftrag von Greenpeace große Mengen giftiger chemischer Substanzen nachgewiesen, ja, man sprach von „Gefahr für Mensch und Natur“.
Das Deutsche Umweltbundesamt (UBA) hat ebenfalls getestet und ist derselben Meinung: „In allen 15 getesteten Jacken wurden PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) nachgewiesen, die durch Waschprozesse und Ausgasung in die Umwelt freigesetzt werden. Dort verbleiben sie eine lange Zeit, werden weltweit in der Umwelt verteilt und reichern sich in Organismen an.“

Hormonhaushalt und Immunsystem beeinflussend? Krebserregend?
Um die hohe und gewünschte Funktionalität zu erreichen, werden diverse Chemikalien eingesetzt, die im Verdacht stehen, Hormonhaushalt und Immunsystem zu stören und obendrein krebserregend zu sein. Genannt werden allen voran PFC, was dem Laien nichts sagt. Was uns aber beunruhigt.
Von Greenpeace wurden zuletzt 40 Produkte getestet – Jacken, Hosen, Schuhe, Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke, Handschuhe und auch ein Kletterseil – von namhaften Herstellern aus 19 Ländern. Das Ergebnis – niederschmetternd: Nur vier Artikel waren frei von PFC.
Das UBA wirft ein Schäuferl nach: „Schlimmer als die aus PFC bestehenden Imprägniermittel, die unter anderem in vielen Gore-Tex-Produkten stecken, sind Regenjacken mit Schadstoffen wie der giftigen PFOA, der Perfluoroktansäure.“ Diese verdunste allmählich und wirke direkt auf uns ein.

In Eisbären, Pinguinen und Menschen
Nicht nur für den einzelnen Menschen, der eingehüllt in giftige Dämpfe durchs Land zieht, sind diese Schadstoffe gefährlich. Sie reichern sich in der Natur an, verbleiben in Flüssen, Seen und im Grundwasser. Da sie weder in Kläranlagen noch auf natürliche Weise abgebaut werden, breiten sie sich aus. Über Trinkwasser, Nahrung und Luft werden sie von menschlichen und tierischen Organismen aufgenommen. Kaum zu glauben: ob in der Arktis oder in der Antarktis, in Körpern von Eisbären oder Pinguinen wurde PFC nachgewiesen. Man findet diese Chemikalien schon in der Tiefsee und in unserem Blut. Hat eine globale Vergiftung bereits eingesetzt?

Outdoor-Kleidung aller Preislagen betroffen
Ein höherer Preis sagt nichts über die Toxizität aus. Selbst bekannte Marken überschritten festgelegte Grenzwerte, wie sie in Norwegen existieren: Ein Schlafsack übertraf den dort gültigen Grenzwert um das Siebenfache. Greenpeace fordert die EU zur Erstellung von Grenzwerten von PFOA auf, da diese Säure als besonders gefährlich gilt.
Die wiederholten Bekanntmachungen von Testergebnissen, sei es von Greenpeace, sei es vom UBA, bewirken allmählich ein Umdenken, zum Nutzen der Konsumenten und zur Hebung des Images der Hersteller. Aber so einfach ist es nicht: Einige Produzenten verbannen zwar PFOA, verzichten aber nicht auf PFC. Sie verwenden Fluorchemikalien, die zwar nicht ganz so giftig sind, zumindest nach heutigen Erkenntnissen, allerdings in höheren Konzentrationen auftreten und sich obendrein leichter in der Umwelt verteilen.

Es gibt Alternativen ohne Gift
Erfreulich: Es tut sich etwas. Ein Greenpeace-Chemiker: „Marken wie Fjällräven, Paramo, Pyua, Rotauf und R’adys zeigen längst, dass Funktionskleidung auch für hohe Ansprüche frei von giftiger Chemie sein kann.“ Auch Wolfskin hat eine Jacke als PFC-frei deklariert. Ungiftige Jacken halten warm und trocken, ihr Nachteil: sie sind weniger schmutzabweisend.
Aber lieber ein Fleck auf der Jacke als Gift im Blut, oder?
Außerdem kann man überlegen: Brauche ich wirklich für meine Ansprüche eine Mount-Everest-taugliche, chemisch hoch ausstaffierte Ausrüstung?
 
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