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Salzachbrücke

Klaub’s auf, nimm’s mit!

Gewiss handelt es sich „nur“ um eine Minderheit, der wir vermüllte Landschaften, Plätze und Straßen zu „verdanken“ haben, meint Ingrid Aichinger aus St. Pantaleon. Aus steigender Verzweiflung über zunehmende Vermüllung gründete sie die Aktion „Klaub’s auf, nimm’s mit“ und hat über Facebook zahlreiche Followers, international.
Und es bleibt nicht nur bei digitalen Likes. Viele Leute bücken sich, heben Dosen, Flaschen, Papiere auf und tragen den Mist dorthin, wo er hingehört. Und, so die Psychotherapeutin Aichinger: „Der Ärger verwandelt sich in ein positives Gefühl, etwas Vernünftiges getan zu haben.“ Ein Doppeleffekt also – Müll weg und mit sich selbst zufrieden sein.

Müll zieht weiteren Müll an
Es ist ganz wichtig, auch einzelne Wegwerfdinger aufzuklauben, denn Fakt ist: Müll zieht weiteren Müll an! Und überall dort, wo Ingrid Aichinger und ihre MitstreiterInnen aktiv sind (teils ausgerüstet mit Wegwerfhandschuhen, manches ist ja wirklich grauslich), bleibt weniger Müll liegen. Also: Es nützt! Es ist nicht vergeblich! Man kann etwas tun!

Vermüllung als Vorstufe allgemeiner Verwahrlosung?
Zahlreiche internationale Untersuchungen legen nahe, dass Vermüllung in Folge bis zu echter Verwahrlosung führt, die sich nicht nur auf die Umgebung beschränkt, sondern auch Inneres beeinflusst und widerspiegelt. „Littering“ ist international verbreitet und geht rasch Hand in Hand mit Kleinkriminalität. Zusammen mit Vandalismus ergibt sich hiermit ein Riesenproblem von Großstädten.
Im relativ Kleinen stoßt es auch uns in der gepflegten und geordneten Heimat sauer auf. Seien wir uns nicht zu gut, uns zu bücken, den Dreck von den wenigen Schweinen aufzuheben (liebe Tiere, verzeiht den Vergleich!), sprechen wir Leute an. Und sollten wir mal einen Täter in flagranti beim Wegschmeißen ertappen, sagen wir etwas! Vermüllen ist strafbar, Geldstrafen drohen. Lassen solche Leute in der Schweiz ihren Unrat fallen, könnte dieses Delikt sogar mit Haft geahndet werden. Die Schweiz ist eben ein sauberes Land!

Verwahrloste Straßen, verwahrloste Sitten
Auch Kirchham im Salzkammergut möchte sauber sein und bleiben. Mit der Aktion der Gelben Pfeile im vergangenen Frühjahr erregte die kleine Gemeinde in der Nähe von Gmunden große Aufmerksamkeit – ebenfalls international. Entlang der Landstraße wurde jede Dose, jedes Sackerl, jedes Stück mit einem großen gelben Pfeil markiert. Es entstand ein Wald aus Pfeilen.

Imagegewinn für Gemeinde Kirchham
Gemeindeamtsleiter Alois Jungwirth: „Die Aktion war ein voller Erfolg. Wir bekamen nur positive Rückmeldungen aus ganz Österreich. Es gab sowohl Fernsehbeiträge als auch zahlreiche Zeitungsberichte, wo ebenfalls überall positiv berichtet wurde. Das stellt sicher einen Imagegewinn für unsere Gemeinde dar und trug zu einer Steigerung unseres Bekanntheitsgrades bei, was uns natürlich sehr freut.“ Zur Nachahmung empfohlen! „Die gelben Pfeile hat inzwischen der Bezirksabfallverband Gmunden erworben. Im kommenden Jahr sollen diese Pfeile dann auch in Nachbargemeinden bzw. im Bezirk Gmunden zum Einsatz kommen.“
Darüber hinaus wurde Kirchham mit dieser Aktion unter die acht besten Projekte im Rahmen der Aktion „Sauberste Region Österreichs“ (Altstoff Recycling Austria AG und Wirtschaftskammer Österreich) gereiht und hat gute Chancen auf einen vorderen Platz.

Helfen wir zusammen!
Straßenmüll kränkt nicht nur unser Auge. In die Wiese geworfener Unrat macht Landwirten und deren Nutztieren ernsthaft zu schaffen.
Auch wer nicht nur rücksichtslos veranlagt ist, sondern aus psychischen Gründen mit Lust an Provokation und einem Hang zu deviantem (abweichendem) Verhalten mit seinem Dreck in Stadt und Land „markieren“ möchte, um sich dabei „stark“ zu fühlen, verdient unser Verständnis keineswegs. Rund um „G’stätten“ sinkt die Hemmschwelle, neuen Müll dazuzuwerfen, Normen werden verletzt ...

4.000 Giftstoffe im Zigarettenstummel – also Sondermüll
Eine europaweite Studie aus dem Jahr 2003 kam zum Ergebnis, dass in den Städten Zigarettenstummel mit fast 60 Prozent die am meisten weggeworfenen Gegenstände sind – der Abbau dauert Jahre!
„Bis zu 4.000 schädliche Stoffe sind in einer Zigarettenkippe zu finden. Sie machen die kleinen Zigarettenreste zu Sondermüll, der keineswegs harmlos ist“, so heißt es beim Naturschutzbund. An zweiter Stelle folgen Kunststoffe (11,6 %), danach organische Abfälle (9,8 %), Papier und Karton (8,8 %), Glas (7,3 %), Verpackungen (5,8 %) und schließlich Metall (3,9 %).
Weitere Infos: www.facebook.com/Aufklauben-plus

Übrigens: Die Gemeinde Kirchham hat den Wettbewerb der ARA Austria gewonnen und darf sich ab sofort als „Sauberste Region Österreichs 2016“ bezeichnen.
Sylvia Nachtmann
 
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