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Salzachbrücke

„App“ in die Parklücke!

„Harry, hol schon mal den Wagen!“ Wo Derrick noch den Kollegen brauchte, reicht inzwischen smarte Elektronik. Denn einen kleinen Teilbereich der großen Vision des autonom fahrenden Fahrzeugs gibt"s heute schon im Serienauto: Parken per Fernsteuerung.

Abstandswarner, Rückfahrkameras und Co. helfen dem Autofahrer ja schon seit Jahren, die immer unübersichtlicher werdenden Karosserien moderner Autos remplerfrei in schmale Parkbuchten zu steuern.
Wer heute parken lernt, muss sich mehr am Piepsen des Rückfahrwarners orientieren können als das Auto in seinen äußeren Dimensionen richtig einschätzen zu lernen. Nun gehen große Autohersteller wie Daimler, BMW und Volvo wieder einen Schritt weiter.

Verlernen wir jetzt das Einparken?
Oder: Kann man etwas verlernen, das man nie richtig konnte? Wenn sich das Auto selbständig einparken kann und der Fahrer (fast) nichts mehr dazu beitragen muss, mag ein spontaner Gedanke sein: „Endlich was für Frauen!“ – aber die Sonderausstattung „Park-Assistent“ punktet tatsächlich in erster Linie beim männlichen Geschlecht.
Möglicherweise erinnert es ans kindliche Spielen mit dem ferngesteuerten Auto, denn genau das ist es – nur in größer. Die Automobil-Zulieferer befassen sich intensiv mit dem automatisierten Einparken, so etwa Continental, Bosch, ZF oder Valeo. Die Systeme haben Namen wie „Remote Park Assist System“ und reagieren beispielsweise auf Fernbedienung mit dem Funkschlüssel.

Harry, steig" schon mal aus…
Aber auch das Parken per App ist möglich: Der Fahrer „zeigt“ seinem Auto die Parklücke und muss dazu in gewissem Abstand und mit geringer Geschwindigkeit daran vorbeifahren. Dann zückt er sein Smartphone, aktiviert die App und braucht nur noch eine Taste gedrückt zu halten oder Kreisbewegungen auf dem Display auszuführen – so erkennt die App die „Anwesenheit“ des Fahrers. Hört dieser damit auf, stoppt das Auto sofort den Parkvorgang.
Wenn die Parklücke besonders eng oder der Fahrer besonders lässig ist, kann er zuerst aussteigen und das Ganze aus bis zu drei Metern Bluetooth-Entfernung beobachten – und natürlich per App den Vorgang am Laufen halten.
Der Fahrer – oder nennen wir ihn dabei eher „User“ – ist nach wie vor voll in der Verantwortung. Denn Voraussetzung für das „Ok“ der Autoversicherer war im Vorfeld, dass ein Mensch das System überwacht und in jedem Augenblick eingreifen kann.

Hand in Hand: Das elektronische Team
Voraussetzung für den Park-Assistenten in seiner vollautomatischen Variante ist übrigens eine ganze Armada an vernetzten Systemen. Denn die Technik kann inzwischen deutlich mehr als der Mensch selbst: um die Ecke schauen, den toten Winkel beobachten, für ein heranspringendes Kind bremsen.
Zusammenarbeiten müssen für das App-Parken unter anderem der Spurhalteassistent, der Notbremsassistent und der Totwinkel-Assistent. Dabei mit an Bord: Ultraschallsensorik, Nah- und Fernbereichsradar, Kamerasysteme. Mit diesen vernetzten Systemen „sieht“ das Auto Infrastruktur oder andere Verkehrsteilnehmer, die sich auf Kollisionskurs befinden. Hochauflösende 360°-Kameras, Radar- und Sensorsysteme sowie GPS-Daten sorgen für den Rundum-Blick.
Dank dieses Teams an zusammenarbeitender Technik kann inzwischen eine Kollision zu 100 % ausgeschlossen werden, betonen Zulieferer und Autohersteller. Denn das Auto erkennt sogar Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel und bremst ab, bevor es gefährlich wird.

Schon wieder was, was keiner braucht?
Studien zeigen übrigens, dass vor allem in Großstädten allein die Suche nach einem Parkplatz fast 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrsaufkommens ausmacht – das ist viel; Testparken und Lücke für zu klein befinden inklusive.
Statt Autos komplett aus der Innenstadt zu sperren, könnte beispielsweise die Funktion des Parkplatzfindens hilfreich sein: Dabei korrespondiert die entsprechende App oder sogar das Fahrzeug selbst mit der Infrastruktur – und das Auto „weiß“ auch sofort, ob es in die gefundene Parklücke passt oder nicht. Verschiedene Pilotprojekte in größeren Städten laufen seit einiger Zeit.
Einschränkend wirkt übrigens sicherlich für viele Neuwagenkäufer, dass die Systeme nur in Zusammenarbeit mit gewissen technischen Grundvoraussetzungen funktionieren: Wer etwa nur auf Schaltgetriebe steht, hat Pech. Denn naturgemäß muss das Auto mit entsprechenden Funktionalitäten ausgestattet sein, damit es überhaupt in der Lage ist, sich selber einzuparken.

Noch kein Ende in Sicht
Dazu gehört eine elektrohydraulische Lenkung, denn das Steuergerät sendet seine Lenksignale an die Elektromotoren, die sich um die Richtungsänderung kümmern.
Auch die Bremsen verzögern heute nicht mehr rein mechanisch oder hydraulisch, sondern besitzen kleine Elektromotoren, die sozusagen per Kabel auf die Befehle des Steuergeräts reagieren – Stichwort Notbremsassistent.
Ebenso lässt sich die Idee vom selbstparkenden Auto nur mit Automatikgetriebe in die Realität umsetzen, sonst wäre ja noch ein zusätzlicher Kupplungs- und Gangschalt-Assistent nötig – dieser Gedanke ist zwar reichlich absurd, aber wer weiß, was sich die Ingenieure noch einfallen lassen?
Denn das App-Parken ist noch längst nicht das Ende der technischen Möglichkeiten: Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas wurde bereits Anfang dieses Jahres das Einparken per Gesten gezeigt – nach einem Wink mit der Smart-Watch hat dort ein Elektroauto selbständig ein- und wieder ausgeparkt.
In den nächsten Jahren können sich Derrick, Harry und Co. sogar selber „nach Hause telefonieren“: Denn bald soll das Homezone-Parking serienreif werden, bei dem das Auto den direkten Weg auf den heimischen Parkplatz oder in die Garage lernt, in die es sich automatisch selbst einparkt – Smartphone-Kontrolle durch den Bediener vorausgesetzt.♦
 
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