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Salzachbrücke

Mach keinen Mist!

Langweilig wird es ihnen nicht, denn auch in diesem Jahr haben die Mitarbeiter der Asfinag beim Frühjahrsputz, also der ersten Großreinigung nach Eis und Schnee, fast 1.500 Müllsäcke in nur einer der vier Autobahnmeistereien Liefering, Golling, Flachau und St. Michael gefüllt.
Ein kleiner Größenvergleich hilft die Dimensionen einzuschätzen: So liegt beispielsweise der Durchschnittswert für jährlich anfallenden Haushaltsmüll pro Kopf links und rechts der Salzach bei bis zu 150 Kilo. Fast 3.500 Mal so viel Gewicht bringt der großteils per Hand aufgesammelte Müll auf die Waage, den Unbekannte jedes Jahr entlang der Salzburger Autobahnen (f)liegen lassen.
Hand aufs Herz: Ist Ihnen auch schon einmal „aus Versehen“ ein Kaugummipapierl aus dem Fenster geflattert oder dem Beifahrer die fast leere Limodose, vom kühlenden Windstrom erfasst, davongeflogen? Kann ja mal passieren… nein?

„Müllverbot“ in Nachbarländern?
Wenn Sie es nicht waren, fragen wir mal weiter: Wer war es denn dann? Und: Haben die heimlichen Müllmacher zu Hause keine Abfalltonnen? Gibt es gar irgendwo noch Länder, in denen Müll machen gesetzlich verboten ist und mit drakonischen Strafen belegt wird? Welche Beweggründe stecken dahinter, wenn Menschen die Hinterlassenschaften ihres Konsumverhaltens entlang von Schnellstraßen entsorgen?
Die pure Gedankenlosigkeit kann es nicht sein – jedes Kind weiß schließlich, dass es leuchtorange angezogene Spezialisten gibt, die täglich dafür sorgen, dass das Zeug, das üblicherweise in den Mülltonnen landet, fein säuberlich abtransportiert wird. Fragt man nach, wie es die Asfinag neulich bei 500 regelmäßigen Autobahn- und Schnellstraßennutzern getan hat, so ärgern sich laut dieser Ifes-Umfrage 98 Prozent über Müll auf der Fahrbahn.
Selbst getan hat es eigenartigerweise dann noch fast niemand – nur 16 Prozent der Befragten haben zugegeben, schon mal einen Zigarettenstummel während der Fahrt aus dem Fenster geworfen zu haben. Interessanterweise haben fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer dieses Verhalten schon einmal bei anderen beobachtet.
Fast niemand, nämlich nur ein Prozent, hat zugegeben, in der Vergangenheit Verpackungen oder Getränkedosen aus dem Autofenster „entsorgt“ zu haben – und, wie zu erwarten war, hat rund ein Drittel der Befragten dies wiederum bei Vorausfahrenden beobachtet.

„Schwarzer Peter“ für alle
Um mehr Bewusstsein für diese offensichtlich großteils unbewusst ablaufenden Handlungen geht es deshalb auch bei der Plakat-Aktion der Asfinag. Denn wird der Müll nicht regelmäßig abgesammelt, so sieht es nicht nur bald aus wie im Schweinestall, sondern die Hinterlassenschaften verschmutzen auch noch die Umwelt – den „Schwarzen Peter“ hat letzten Endes also jeder einzelne von uns.
Neben der Autobahn hört die Welt ja nicht auf, auch wenn sie rasend schnell vorbeizieht. Wildtiere können sich an Glasscherben oder Dosenresten verletzen, aber auch weidende Kühe fressen die Plastikfetzen und sonstigen Müllreste teilweise mit. Was ja nicht weiter schlimm ist, denn wer hat keine spezielle Vorliebe für Rehbraten in Alukruste oder Frischmilch mit Nikotinnote? Ganz abgesehen davon, dass zum Beispiel Reste aus Ölbehältern ins Grundwasser gelangen, in dem wir das Schmieröl anschließend fein verdünnt gustieren dürfen.

Müll in die Tonnen
„Es ist ja nicht nur ein Ärgernis für andere Verkehrsteilnehmer und ein Kostenfaktor für uns, sondern das kann auch zu einem Sicherheitsrisiko werden“, verdeutlicht Asfinag-Geschäftsführer Josef Fiala. Denn Müll, der neben oder auf der Fahrbahn liegt, kann zu unkontrollierten Reaktionen führen, zu Ausweichmanövern und auch zu Unfällen – ganz abgesehen von der noch brennenden Zigarettenkippe, die dem nachfolgenden Fahrer durch den Sog in den Innenraum geraten kann.
Freilich ist die Asfinag unter anderem zuständig für das Sauberhalten der Autobahnen – dass die Mitarbeiter jedoch jedes Jahr rund 130 Tonnen Müll per Hand neben den Fahrstreifen aufsammeln müssen, kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Allein in Salzburg sind für diese nicht ungefährliche Tätigkeit rund 90 Mitarbeiter im Einsatz.
Wem das immer noch zu abstrakt ist: Das Volumen dieser 130 Tonnen handverlesenen Mülls beträgt 4.000 Kubik, das entspricht etwa 57 Lkw-Ladungen.

Hirn einschalten...
Rechnet man die Menge des unsachgemäß abgelagerten Mülls entlang der Autobahnen mit der auf Parkplätzen und Rastplätzen anfallenden zusammen, ergibt sich österreichweit ein gigantischer Müllberg von fast 6.300 Tonnen. Der größte Teil des Abfalls wird ordnungsgemäß in den dafür vorgesehenen Müllcontainern entsorgt, oft aber werden Park- und Rastplätze auch dazu umfunktioniert, sich von Haus- oder Sperrmüll zu entledigen. So finden sich dort mitunter auch alte Autos, Fahrräder, Kühlschränke, Türen, Bänke oder Bauschutt wieder. Der Asfinag entstehen für das Sammeln und Entsorgen österreichweit jedes Jahr nahezu 8,6 Mio. Euro an Kosten.
Wobei die Situation an sich absurd ist: An den Park- und Rastplätzen entlang der Schnellstraßen stehen Mülleimer zur freien Verfügung – sie werden in der Hauptreisezeit außerdem öfter geleert als sonst. Freilich passen halbe Schrottautos, Reifen, Matratzen oder Großverpackungen nicht in diese Eimer. Dass jedoch gerade in unseren Breiten, in denen mülltrenntechnisch ja inzwischen fast kein Wunsch mehr offen bleibt, immer noch Derartiges am Straßenrand herumliegen kann, stimmt schon nachdenklich.
 
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