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Salzachbrücke

Der Sonnen entgegen – wenn der Mensch nach Höherem strebt...

Ob Neubau oder Altbestand, in vielen Gebäuden stellt sich mit der Zeit die Frage, ob denn der Raum zwischen dem obersten Geschoß und dem Dach nicht sinnvoll, reizvoll oder gar gewinnbringend zu nutzen wäre; sei es aus Eigenbedarf für wachsende Familien, für einen geplanten Rückzug der Eltern ins großzügige Penthouse oder bloß um separate Wohneinheiten auf Reserve oder unmittelbar zur Vermietung zu schaffen. Zu diesen herkömmlichen Beweggründen gesellen sich da und dort auch ausgefallene Motive für die Nutzung des Dachgeschosses: Der spät erfüllte Jugendtraum vom endlosen Platz für Carrerabahn-Anlage und Modelleisenbahn-Landschaft, die zum lichtstrebende Muse bildender Künstler oder die Suche rücksichtsvoller Musiker nach räumlicher Abgeschiedenheit können etwa solche Gründe sein.
Ist die Wohnfläche des Einfamilienhauses auch durch Vorgaben der Wohnbauförderung beschränkt, so haben doch viele beim Neubau wohlweislich vorgesorgt, um nach Ablauf der „Sperrfrist“ gen Himmel zu erweitern. Sei es durch bloß flächige Auskleidung des zuvor rohen Dachstuhles mittels Gipskartonplatten, sei es durch das Aufweiten bestehender Dachluken zu ausladenden Dachflächenfenstern, Aufsetzen von Gaupen für großzügige Raumnischen oder gar Einschneiden einer Dachterrasse in die Dachfläche. Die radikalste Variante ist freilich das Anheben des gesamten Daches, um ein knappes Stockwerk mit höchstens angedeuteten Schrägen im Innenraum zu gewinnen.

Bau recht!
Sobald das Projekt steht, ist bei der zuständigen Baubehörde abzuklären, welche Maßnahmen einer Melde- oder Bewilligungspflicht unterliegen. Die Bestimmungen hinsichtlich Dachfenstern, Treppenaufgang, Raumhöhe oder Ausweitung der Gesamtwohnfläche können von Land zu Land variieren. Es empfiehlt sich mit einer aussagekräftigen Skizze beim Bauamt vorzusprechen. So können teure Fehlplanungen vermieden und auch nützliche Hinweise mitgenommen werden. Vor allem das Vernachlässigen feuerpolizeilicher Bestimmungen kann böse Überraschungen und teure Nachbesserungen wie selbst schließende Türen oder brandhemmende Beschichtungen für Zwischendecken nach sich ziehen.
Stellen wir uns also einmal ein Einfamilienhäuschen vor mit einem hübschen Kaltdach über dem bis dato bloß von verstaubten Dachziegeln, alten Fliesen und einem halben Sack Mörtel bevölkerten Boden: Der heranwachsende Nachwuchs breitet sich raumgreifend im bisherigen Wohnbereich aus; die Eltern planen nun für sich selbst ein helles Atelier im Juchhe als Arbeits- und Rückzugsraum. Ein paar geschickte Hände sind im Haus selbst verfügbar und einige Praktiker finden sich unter den Freunden der Familie. Nun geht es an die ersten Vorüberlegungen, welche Arbeitsschritte in diesem Projekt auf sie zu kommen:
• Durchbruch für den Aufgang vergrößern und Treppe errichten
• Dach öffnen für zwei Dachflächenfenster und Fenster einsetzen
• Stromanschlüsse und allfällige weitere Leitungen verlegen
• Heizung nach oben verlegen und Heizkörper anschließen
• Dämmen und Verkleiden der Dachinnenflächen
• Boden legen
• Abschluss- und Trennwände einziehen und streichen

Schön weit aufmachen!
Wer das Haus selbst gebaut hat, wird in aller Regel schon zu diesem Zeitpunkt mit einem entsprechend großen Durchlass auf den Boden für einen späteren Ausbau vorgesorgt haben. Oft aber muss man sich vom obersten Stockwerk über Klapptreppe oder Leiter durch eine enge Öffnung im Plafond zwängen. In diesen Fällen sollte man die Chance nutzen, die optimale Position des neuen Stiegenaufganges komplett neu zu planen. Wenn schon Maurerarbeiten nötig sind, dann macht es keinen allzu großen Unterschied mehr, ein völlig neues Loch auszubrechen.
Wer sicher gehen will, dass ihm nicht in Gestalt der durchlöcherten Zwischendecke der Himmel auf den Kopf fällt, wer außerdem nicht gerade verliebt ist in richtig laute, kräftezehrende und vor allem extrem staubige Arbeit, der holt sich für diesen Arbeitsschritt einen Profi mit entsprechender Ausrüstung ins Haus. Auch für die Einpassung des neuen Stiegenaufganges kann es nicht schaden, wenn von vornherein die entsprechende Erfahrung mit von der Partie ist.
Für den Aufgang selbst kommen meist hölzerne Raumspartreppen zum Einsatz, die entweder besonders schmal angelegt oder durch abwechselnd versetzt vorspringende Tritte jeweils nur mit bestimmter Schrittfolge begehbar sind. Ausladende Stiegen, auf denen zwei Personen bequem aneinander vorbei können, findet man zumal bei nachträglichen Dachausbauten kaum. Dennoch sollten bei der Wahl der Stiege nicht bloß die Ausmaße allfälliger Einrichtungsgegenstände für das Dachgeschoß, sondern vor allem auch ein möglicher Rettungseinsatz mit Liegendtransport mitgedacht werden.

Mehr Licht!
Der Einbau von Fenstern zur Ausleuchtung des neu zu erschließenden Wohnraums mit Tageslicht steht meist am Beginn des Ausbaues unterm Dach. Die Zeiten, da man sich nur zwischen den preiswerten und lichtspendenden Dachflächenfenstern und dem raumschaffenden Aufbau von Gaupen entscheiden konnte, sind allerdings längst vorbei.
Allein im Bereich der Dachflächenfenster reicht die Palette von der klassischen Kipp- bzw. Wippfunktion einfacher, in die Dachschräge eingelassener Fenster über teils raffinierte Schiebetechniken für Fenster und Terrassentüren bis zu zweigeteilten Dachfenstern, deren unteres Drittel sich zusammen mit seitlich aufgespannten Gittern zu einem kleinen Geländer und das obere zum Glasdach über dieser Miniterrasse ausklappen lassen; andere Konstruktionen bilden von vorneherein eine kleine Dachterrasse hinter der bis zum Boden reichenden Verglasung.
Auch bei den Gaupen hat die Technik nicht Halt gemacht. Aufsatzfertige Metallgehäuse ersparen beim nachträglichen Einbau die aufwändige Einpassung einer Holzkonstruktion in den bestehenden Dachstuhl. Der absolute Lichtfänger ist eine rundum Glas-Gaupe mit lediglich schmalen Metallrahmen. Überspannt man dazu noch den Giebel streckenweise mit Glasflächen, lebt man darunter gleichsam unmittelbar mit den Elementen, mit Sonnen-, Mond- und Sternenlicht, mit Regen, Schnee und Eis, mit Sturmwind, Blitz und Donner.

Das funkt!
Damit sie zwar einwandfrei funktionieren, aber bitte keinesfalls tatsächlich Funken sprühen oder Wasser lassen, sollten elektrische wie auch Heizungs-Installationen unbedingt und ausschließlich von Fachkräften vorgenommen werden. Nicht bloß unliebsamen und oft tragischen Unfällen oder Bränden kann durch das vorschriftsmäßige Verlegen der Leitungen und die fachgerechte Montage von Schaltern und Steckdosen bis hin zum Heizkörper vorgebeugt werden; auch die Versicherungsleistung für Schäden nach solchen Unglücksfällen sowie die strafrechtliche Verantwortung hängt ganz wesentlich von der Frage ab, ob bei der Bauausführung grob fahrlässig vorgegangen – also gepfuscht wurde.
Jedenfalls sollten Installationsarbeiten so rechtzeitig angesetzt und alle Leitungen verlegt werden, dass frisch verbaute Wand- und Bodenflächen nicht unnötig wieder geöffnet werden müssen.

Kalt-Warm
Die meist als Kaltdach ausgeführte Dachkonstruktion muss für eine Wohnraumausweitung nach oben in ein Warmdach umgewandelt werden, wobei Raumabschluss, Dämmung und Witterungsschutz direkt im Dach vereint werden. Ein ausgeklügeltes System mehrerer Stoffe und Lagen ist erforderlich, um Kälte und Hitze, Niederschlag und aufsteigende Feuchtigkeit sowie Wind und Eis jeweils auf der richtigen Seite des Daches zu halten. Wer nicht selbst entsprechend beschlagen ist, tut gut daran, sich fachmännisch beraten zu lassen, welche Schichten an Verschalung, Unterspannbahn, Dämmmaterial und Dampfsperre oder -bremse in welcher Stärke und Reihenfolge notwendig und sinnvoll sind.
Neben der Gefahr der undichten Dampfsperre gegen den Innenraum, welche zum Absaufen der Dämmung, zu großflächigen Wasserschäden oder zur Schimmelbildung führen kann, ist auch die schwierigere Wartung der Dachhaut ein Nachteil des Warmdaches. Um hier zumindest auf absehbare Zeit Ruhe zu haben, empfiehlt sich vor der Dämmung eine gründliche Sichtung des Zustandes der noch frei zugänglichen Ziegeldeckung samt Austausch verdächtiger Ziegel.
Im Wesentlichen bestimmt die geplante Raumnutzung Materialauswahl und Aufbau der gesamten Dämmschicht: Aufenthalts- und Schlafräume zeichnen sich beispielsweise durch hohe Dampfentwicklung aus, der hinter der Deckenverkleidung entsprechend zu begegnen ist. Mit etwas Glück rät die Spezialistin oder der Spezialist kapillaraktiven Dämmstoff aus Holz­weichfaser, und die Verlegearbeiten können ohne Ganzkörperschutz gegen die durchdringenden und gefühlte Ewigkeiten lang juckenden Fasern der Mineralwolle vonstatten gehen.

Die Verpackung macht’s!
Bei der Verkleidung der Dachschrägen direkt unterhalb der Dämmung kommen meist Gipskarton- oder Heraklitplatten zum Einsatz. Sauber verfugt und gestrichen lassen sich so mit wenig Aufwand glatte Wand- bzw. Deckenflächen erzielen. Für den rustikalen oder Landhaus-Stil werden die Sparren nicht verdeckt und die Flächen dazwischen mit Holz verkleidet. In diesem Fall sollte aber bereits bei der Dämmung die höhere Dampf-Durchlässigkeit berücksichtigt werden.
Für die weitere Raumgestaltung stehen mehrere Varianten zur Verfügung, die sinnvollerweise aber schon vor der Festlegung von Stiegenaufgang, Installationen und Fenstern weitgehend fertig geplant sein müssen. Ob der Winkel unter der Dachschräge voll genutzt oder eine Abschlusswand eingezogen wird; ob der Raum als echter Dachboden bis zur Firstpfette offen bleibt oder durch eine Zwischendecke eher Geschoßcharakter bekommen soll; ob die gesamte Fläche unter dem Dach als ein Raum genutzt oder durch Zwischenwände in einzelne Bereiche oder Zimmer geteilt werden soll: Die Umsetzung all dieser schon zu Beginn entschiedenen Pläne gehört schon zu den letzten Schritten im Dachausbau.
Vor dem Errichten von Zwischenwänden kommt allerdings noch der Boden an die Reihe. Die statische Tragfähigkeit wurde selbstverständlich schon in der Anfangsphase des Projektes von einem Baumeister geprüft und allfällige Dämmschichten aus Kaltdach-Zeiten entfernt. Da es nun eine Decke zwischen Wohngeschoßen ist, wird kein aufwändiger Unterbau mehr benötigt. Je nach Beschaffenheit des Estrichs können nach Geschmack und Budget Laminat oder Parkett im Klicksystem, für den Landhaus-Charakter eher Schiffboden oder Dielen, oder schlicht Teppich- oder ein anderer Bodenbelag verlegt werden.

Gemeinsam zum Erfolg!
Nach den letzten Montagearbeiten des Installateurs und einer gründlichen Endreinigung sollte der Dachboden bezugsfertig sein. Bei der Einweihungsfeier mit allen Helferinnen und Helfern werden sich die Bauherren angesichts des gemeinsam bewältigten Kraftaktes nicht lumpen lassen.
So wertvoll eigenes Geschick und hilfreiche Freunde auch sind: Als letzter Tipp sei jedem dringend angeraten, zu allen oben beschriebenen Arbeitsschritten Angebote der lokalen oder regionalen Handwerksbetriebe einzuholen. Oft stellt sich dann nach Abzug der Materialkosten da und dort heraus, dass die Mehrkosten für die Sicherheit einer fachlich fundierten Leistung so erschreckend hoch gar nicht sind. Und warum sollten sich nicht auch Mischformen vereinbaren lassen, bei denen etwa die Fachkräfte nur die kritischen Kernarbeiten übernehmen und die Heimwerker weniger gefährliche aber oft zeitaufwändige Zwischenschritte ausführen. Mit wohl überlegter Planung und etwas Phantasie und Geschick in der Organisation lässt sich mit dem Projekt „Dachausbau“ in vergleichsweise kurzer Zeit günstiger und schöner Wohnraum schaffen.
 
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