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Salzachbrücke

Heimbüro im Trend

Dank moderner Informationstechnik und globaler Vernetzungen ist Arbeit von zu Hause aus gut zu erledigen. Zunehmend finden aus Ersparnisgründen sogar Büroauflösungen oder Verkleinerungen statt, sodass die Angestellten mit ihrem „Arbeits-Sack-und-Pack“ nach Hause ziehen. Ein Plätzchen muss sich finden, und sei es im Leerraum unter einer Treppe. Muss man bei der Konzeption eines Heimbüros etwas bedenken? Und wenn, dann was? Die SALZACHbrücke hörte sich um, bei Tischler und Schreiner, bei einem Architekten und im Möbelhandel.

GRÜNDLICH DURCHDACHTE PLANUNG UND „MULTIFUNKTIONSZIMMER“ Gabriele Oswald-Messner von der Schreinerei Messner in Fridolfing berichtet über die Herausforderung der gut durchdachten Planung eines Heimbüros, für das oft ein Bereich des Wohnzimmers nutzbar gemacht werden soll. „Der Platzverbrauch soll meistens so gering wie möglich sein, unter ästhetischer Vereinbarkeit von ‚Büro-Ecke’ und Wohnzimmer.“ Die Lichtverhältnisse sind ebenso zu berücksichtigen wie die Möglichkeit ungestörten Arbeitens. In der Tischlerei von Johann Spatzenegger aus St. Georgen/Eching werden zunehmend „Multifunktionszimmer“ geplant, die Büro, Stauraum und TV-bestückter Bügelraum in einem sind. Optimale Raumnutzung steht auch bei ihm an vorderer Stelle: „Wie ist die Lichtsituation, wo steht der PC, wo der Drucker. Regale werden meist in Reichhöhe über dem Schreibtisch montiert, auch Kabelschächte und Schubladen für Bürokrimskrams sind notwendig. Meist werden Flächen-LEDs eingebaut, die warmes Licht abgeben.“ Dazu der Platz für Bügeltisch und Ablage je nach Bedarf, Spiegel, Kleiderlüfter – individuelle Funktionszimmer sind Sache der Planung.

NICHT ZU NAH VOR EINER WAND Etwas anders geht Architekt DI Dr. Helmut Seidl aus Zell am Moos an die Planung von Home Offices heran. Als Experte für Architekturpsychologie sieht er einen weitverbreiteten und „gravierenden“ Planungsfehler darin, Schreibtisch und PC vor eine Wand zu stellen: „Damit haben wir den ‚Brettl-vorm-Kopf-Effekt’. Der Abstand zur gegenüberliegenden Wand sollte mindestens zwei Meter betragen. „Fehlt die Weite, werden Konzentration und Kreativität eingeschränkt.“ Da auf dem Schreibtisch auch oft die Kinder ihre Schulaufgaben zu erledigen haben?– und Kinder noch „Gespür“ für Raumsituationen besitzen – führten falsche Plätze nicht selten zu „Arbeitsplatzverweigerung“, so Seidl. Seine Empfehlung für die richtige Situation für ein Heimbüro aus raum- und arbeitspsychologischer Sicht: „Schreibtisch im rechten Winkel zur Wand und seitlich ein Fenster, durch das man in die Ferne schauen kann. Die Wandfläche gegenüber soll störungsfrei sein, ohne ablenkende Fotos oder Ordner.“ Wichtig ist auch die Farbe: „Intensive Farben lassen einen Raum enger und kleiner wirken. Ruhige Farben sind gut zum Arbeiten, sehr gut ist Weiß.“

FENG SHUI UND RASCHE LIEFERUNG Dies sei ein Phänomen, ist in der Büromöbelabteilung eines Möbelhauses zu hören: „Kunden von Heimbüros bestehen meist auf rascher Lieferung.“ Also mache man sich sofort an die Arbeit, wenn der Kunde mit seinem Plan erscheint. Erst werde der Plan kontrolliert, indem im Gespräch mit dem Kunden etwaige Umbauten etc. eruiert werden. Nun folgen etliche Fragen. Welche Vorstellungen hat der Kunde? Welche Tätigkeit führt er im Heimbüro aus? Braucht er viel Platz für seine Arbeit oder genügt ihm ein kleiner Laptop? Braucht er ein Archiv? Wie ist sein Arbeitsablauf? Wo ist das Fenster, ist die Beleuchtung bereits ausreichend vorhanden? Meist wird ein großer Schreibtisch gewählt, verschließbare Schränke und offene Regalordner sowie Schränke mit Schiebetüren, etwa in satiniertem Glas. Wie sind die Arbeitsschritte, wie viel Zeit verbringt der Kunde im Büro? Danach richtet sich der Typ des Arbeitssessels, seine Qualität und ergonomische Form und Funktionen, mit oder ohne Armlehnen ... Eigene Konstruktionen sind für Frauen geschaffen, etwa mit eingebautem Gymnastikball. Interessant: „Manche Kunden verlangen es und wir berücksichtigen es sowieso: Eine Planung laut Feng Shui. Das Wesentliche dabei: Man darf nie mit dem Rücken zur Türe sitzen und muss den Raum überblicken.“ Eine weitere Frage betrifft Boden- und Wandfarbe, welche Möbel passen dazu? Zur Zeit sei helles Ahornholz für Heimbüros sehr beliebt. „Ist alles besprochen, werden mindestens drei Planvarianten angefertigt. Maximal eine Woche reicht, um auch bei Herstellern etwaige Sonderanfertigungen abzuklären, nun kann der Kunde Pläne und Kostenvoranschlag in Empfang nehmen“, so wird der Ablauf zusammengefasst.

Sylvia Nachtmann

 
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