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Salzachbrücke

Sauna ohne Aufguss

Wenn man verzweifelt die Haustür aufreißt und auch drinnen anstelle eines frischen Lufthauchs einen Hitzeschwall einfängt, dann scheint die ganze Welt nur noch Sauna zu sein; ohne Aufguss und nicht wirklich knallheiß – also ohne jeden Pep –, aber doch unerträglich drückend. Hat sich die Hitze im Hochsommer einmal im Haus festgesetzt, dann gibt es keine rettende Türe. Dabei ist es bei weitem nicht immer nur die Lufttemperatur, die uns zusetzt. Trockene oder zu feuchte Luft, unangenehme Gerüche und kaum wahrnehmbare Schadstoffe trüben nicht nur unser Wohlbefinden. Über kurz oder lang verursacht schlechte Luft sogar teils massive Gesundheitsschäden.

WENN LUFT ZUR BELASTUNG WIRD
Woran liegt es also, wenn wir die Luft in manchen Räumen kaum aushalten? Im Sommer belasten einerseits überhöhte Temperaturen und oft auch hohe Luftfeuchtigkeit vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen und schwachen Venen. Als ideal wird gemeinhin eine Raumtemperatur zwischen 19 und 23 Grad Celsius bei einer Luftfeuchte von 35 bis 60 Prozent angesehen. Auch zu trockene Luft ist gefährlich, da die Schleimhäute umso widerstandsfähiger sind je besser sie „geschmiert“, also mit Feuchtigkeit versorgt werden. Deshalb sollten nicht nur jene, die bei schwüler Hitze Probleme bekommen, entsprechende Messinstrumente anbringen und beobachten.
Zusätzlich kann die Luft aber auch durch (kalten) Zigarettenrauch, Küchendünste, Körpergeruch oder eindringende Spezial-Aromen der landwirtschaftlichen „Bodenpflege“ belastet sein, was vor allem bei stehender Hitze außerhalb der zu öffnenden Fenster problematisch wird. Gefährlicher sind schließlich jene Schadstoffbelastungen, die kaum bis gar nicht wahrgenommen werden; sei es durch Gewöhnung oder weil sie eben weder zu sehen noch zu riechen sind: Solche meist giftigen Gase oder Partikel können von ausgasenden Kunststoffen in Belägen oder Gebrauchsgegenständen herrühren, von Schimmelbefall an Wänden, Blumenerde oder Lebensmitteln, von Lösungsmitteln in Klebstoffen, Nagellackentfernern oder Reinigungsmitteln und vielen anderen Quellen mehr.

VORBEUGEN UND VERMEIDEN
Für eine wohl temperierte, gut befeuchtete und halbwegs reine Raumluft vorzusorgen, sollte schon beim Hausbau ein wesentliches Planungselement darstellen. In diesem Stadium lassen sich nämlich noch mit vergleichsweise geringem Aufwand Vorkehrungen für den sofortigen oder späteren Einbau verschiedener technischer Anlagen treffen, die rund ums Raumklima eingesetzt werden. Am einfachsten sind passive Lüftungssysteme, die über klappengesteuerte Verbindungen zur Außenluft für einen natürlichen, permanenten Luftaustausch sorgen. Ohne Stromverbrauch und großartigen technischen Aufwand ist dieses System auch sehr günstig.
Schon in der Anschaffung und Installation mehr oder weniger kostenintensiv sind automatische Lüftungsanlagen, je nach Art der Ausführung. Von Abluftanlagen in Sanitärräumen ohne Fenster bis hin zum ausgeklügelten zentralen Lüftungssystem für das ganze Objekt entsorgen diese Anlagen gezielt verbrauchte Luft, wo sie entsteht und führen frische Luft zu. Beim Einfamilienhaus steht den Anschaffungskosten einer zentralen Lüftungsanlage von vier- bis siebentausend Euro zusätzlich zum angenehmen Raumklima eine zu erzielende Heizkostenersparnis von bis zu 30 Prozent gegenüber.
Etwa die doppelten Kosten sind für eine zentrale Klimaanlage zu veranschlagen, die sinnvollerweise auch nur beim Neubau zu installieren ist. Das unangenehm laute Klimagerät mit seinem warmen Motor wird dabei dezent aus dem Wohnbereich ausgelagert. So bequem sich das Raumklima mit einer solchen Anlage auch regeln lässt, es ist nicht jedermanns Sache, die Fenster immer hermetisch geschlossen zu halten. Außerdem sind die Verbrauchskosten durch relativ hohen Strombedarf genau zu kalkulieren, um nicht später böse Überraschungen zu erleben.

LÜFTEN NACH NORM
Bei noch so guten Lüftungs- und Klimaanlagen, erst recht aber ohne eine solche, ist es immer noch am besten, eine Belastung der Raumluft erst gar nicht entstehen zu lassen. Die sommerliche Hitze etwa lässt sich mit verschiedensten und vergleichsweise einfachen Mitteln außen vor halten. In erster Linie gilt es beim Lüften jene Zeiten zu wählen, da die Außenluft kühl bzw. zumindest nicht heiß ist; Wer frühmorgens, spätabends und in der Nacht lüftet und tagsüber die Fenster geschlossen hält, hat schon viel gewonnen. Folgende Tipps beschleunigen den Luftaustausch: Die Fenster sollten etwa eine halbe Stunde möglichst weit und nach möglichst vielen Seiten des Hauses hin offen stehen; gleichzeitig natürlich die Innentüren öffnen und gegen Zugluft fixieren.
In Deutschland empfiehlt sogar eine eigene Norm (DIN 1946-6) bestimmte Kriterien bei der Raumlüftung zu beachten: So sollten die Fenster im Sommer viermal täglich jeweils eine halbe Stunde lang geöffnet sein, im Winter jeweils fünf Minuten und in der Übergangszeit entsprechend abgestuft. Was allerdings auch ohne Norm jedem einleuchten sollte, ist die Sinnlosigkeit, Fenster dauernd gekippt zu halten, wenn man die Hitze draußen lassen will.
Nicht zu vergessen ist auch die Pflicht von Mietern, für ausreichende Lüftung Sorge zu tragen.

DIE HITZE BLEIBT DRAUSSEN
Eine weitere sehr wirkungsvolle Maßnahme zum Aussperren der heißen Sonneneinstrahlung ist das Beschatten. Mit natürlichen Schattenspendern wie Bäumen und Sträuchern über Sonnensegel bis hin zu Fensterläden oder Außenjalousien ist die externe Beschattung am effizientesten. Innenjalousien sollten jedenfalls nach außen eine helle, nach Möglichkeit zusätzlich reflektierende Oberfläche aufweisen, um immer noch bis zu 75 Prozent der Sonneneinstrahlung abzuhalten. Eine ähnliche Wirkung erzielen transparente und nach oben spezial beschichtete Sonnenschutzfolien, die speziell für Dachflächenfenster ohne Jalousie eine einfache Lösung darstellen. Bastler können sich ihre Dachfenster auch mit minimalem Aufwand bei hoher Effizienz selbst „dicht“ machen: Ein knapp zugeschnittener Karton, der an der Oberseite mit Alufolie bespannt ist, lässt sich bequem in den Fensterschacht klemmen.
Eine weitere Gruppe von Maßnahmen zur Eindämmung der Sommerhitze im Wohnbereich betrifft die Reduktion von Wärmequellen im Haus. Dazu zählen sämtliche Elektrogeräte wie Fernseher oder Computer, die auch im Stand-by-Modus Wärme abgeben. Das ungenutzte Stehenlassen eines eingeschalteten Bügeleisens etwa während eines Telefongespräches, das späte Abschalten der Herdplatte anstatt die Restwärme zu nützen und natürlich der halbvoll laufende Wäschetrockner oder Geschirrspüler, ganz zu schweigen von unnötig leuchtenden alten Glühbirnen oder 300 Watt-Deckenstrahlern – bei aufmerksamer Betrachtung fällt eine ungeahnte Anzahl nicht unerheblicher aber vermeidbarer Wärmequellen auf.

DIE GRÜNE LUNGE
Trockener Luft beugen zwei ebenso wirkungsvolle wie dekorative Helferlein vor: In erster Linie sorgen bestimmte Zimmerpflanzen für die ausreichende Versorgung der Luft mit Feuchtigkeit. Die Grün- oder Wasserlilie gibt bis zu 97 Prozent des Wassers, das sie durch die Wurzeln aufnimmt, über die Blätter wieder an die Luft ab. Zusätzlich kann mit einem Zimmerbrunnen die Luftfeuchtigkeit sogar ein wenig gesteuert werden, da dieser deutlich mehr Wasser verdunstet, wenn er in Betrieb ist.
Welche Quellen unangenehmer Gerüche vermieden oder deren Auswirkungen reduziert werden können, hängt von der jeweiligen Wohnsituation ab. In jedem Fall kann aber festgehalten werden, dass Zigarettenrauch im Wohnraum erfahrungsgemäß nur während der kurzen Minuten des Rauchens nicht stört – was zumeist auch nur auf die Raucher selbst zutrifft. Den Gestank, der vom erkalteten Rauch und den Kippen vor allem in Textilien (Vorhänge, Teppiche etc.) hängen bleibt, bekommt man jedenfalls schwer genug wieder raus, um ihn lieber von vornherein zu vermeiden. Gerade im Sommer bieten sich Balkon und Terrasse geradezu an für den unvermeidlichen Zug am Glimmstengel.
Schließlich bleiben noch Schadstoffe wie Schimmel oder Lösungsmittel, welche es zu vermeiden gilt. Der Schimmelbildung kann man am besten dadurch vorbeugen, möglichst wenig Staunässe entstehen zu lassen. Wäsche trocknet im Sommer ohnehin besser im Freien, und nach Bad oder Dusche sollte die feuchte Luft möglichst schnell nach außen abgeleitet werden. Der Kardinalfehler in Bezug auf Schimmel – vor allem im Keller – ist das Lüften kühler Räume bei großer Hitze. Das dabei entstehende Kondenswasser ist in der heißen Zeit schwer wieder loszuwerden.

SANIEREN IST IMMER SCHWIERIGER
Um gleich bei den Schadstoffen zu bleiben: Wenn sich der Schimmel einmal gebildet hat, sollte man ihn schnellstmöglich beseitigen. Die Sporen werden eingeatmet und können die Entwicklung von Krebs fördern. Außerdem ist mit richtigem Lüften eine Austrocknung der Wände anzustreben. Auch bei anderen Schadstoffen oder auch unangenehmen Gerüchen in der Raumluft hilft in erster Linie der Luftaustausch. Die jeweiligen Quellen zu neutralisieren – etwa durch luftdichtes Isolieren von Wattepads voll Nagellackentferner – kann spät aber doch ein wenig helfen. Störende Küchen- und andere Gerüche im Wohnbereich beseitigen kurzfristig auch zwei alte Hausmittel: In einer offenen Schale aufgestelltes Kaffeepulver oder eine aufgeschnittene Wacholderbeere auf der heißen Herdplatte.
Hat man es nicht geschafft, die Luftfeuchtigkeit im Rahmen zu halten, so lässt sich trockene Luft zunächst am einfachs­ten mit einem gründlichen Luftaustausch beheben. An heißen Sommertagen mit geschlossenen Fenstern können verschiedene Methoden der Luftbefeuchtung im Raum helfen, vom elektrischen Zerstäubungsgerät bis zu feuchten Tüchern, die vielleicht noch ein paar Tröpfchen eines anregenden ätherischen Öls abbekommen.
Hat die heiße Luft erst mal den Weg ins Haus gefunden, kann man mit mobilen Kompakt-Klimaanlagen kurzfristig Abhilfe schaffen; das kostet freilich ordentlich Strom und ist meist unangenehm laut. Billigere „Luftkühler“ nach dem Prinzip der Verdunstungskälte in Verbindung mit Ventilation bringen kaum mehr Abkühlung als vor einem Ventilator aufgehängte feuchte Tücher. Bleibt der gute alte Standventilator, der die Luft allerdings nicht kühlt sondern bloß bewegt; das können allerdings Deckenventilatoren besser und vor allem verträglicher. Und schließlich wird nichts helfen, als ausgiebig zu lüften, sobald draußen die erste Abkühlung eingetreten ist. Wenn sich die Hitze nicht und nicht vertreiben lässt, können einige Kniffe – siehe Kasten! – das Leben immerhin halbwegs erträglich machen. Und schließlich – vielen eine Drohung, einigen aber ein Trost – heißt es ohnehin bald wieder: Da Summa is uma!

Mag. Thomas Haas
 
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