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Salzachbrücke

Treppauf, treppab

Schmökert man im Internet, entdeckt man Treppen im Design-Status, etwa mit mystisch beleuchteten Glastrittflächen, Anordnungen vor kühlem Sichtbeton, meist puristisch reduziert auf das Allernotwendigste.

BELEUCHTETE TREPPEN AUS GLAS
Treppen aus Glas? Für Aleksandar Trajilovic von der Glaserei Rennert, Lamprechtshausen, wäre das kein Problem, auch wenn dieser konkrete Wunsch noch nicht herangetragen wurde. Begehbares Glas lässt sich in der Fläche genauso einsetzen wie für Stufen und Treppen aller Formen und Windungen. Hingegen steigt die Nachfrage nach Geländer mit Glasflächen, wie auch ein Beispiel direkt am Firmengebäude Rennert zeigt.

TREPPEN GELTEN ALS MÖBEL
Vieles ist im privaten Treppenbau möglich, vorausgesetzt, Bestimmungen und Normen werden eingehalten. Die SALZACHbrücke sprach mit Franz Kraller in Petting, der sich als gelernter Zimmermann und Schreinermeister auf Planung und Bau von Treppen spezialisiert hat: „Treppenbau ist immer wieder eine Herausforderung – das hat mich gereizt.“ Denken in 3D-Dimension, Einhalten und Umsetzen von Normen und Vorschriften unter oft schwierigen Bedingungen erfordert gründliche Beschäftigung mit dem Thema. „Früher war Treppenbau Sache der Zimmerer, heute gelten Treppen als ‚Möbel’ und sind nun Aufgabe von Schreinern“, so Kraller. Treppen werden fürs Auge gestaltet, weit über ihren Nutzen hinaus.

BESTIMMUNGEN UND BERECHNUNGEN
Treppenbau für den Privatbereich unterliegt Vorschriften und Berechnungsformeln, die speziell für „Notwendige Treppen“ gelten, die zu einem Wohn- bzw. Aufenthaltsraum führen. Dachboden­treppen oder Zweittreppen können auch mal steiler und schmäler ausfallen.
So etwa dürfen im Regelfall Stufen nicht höher als 20 cm sein, der Auftritt muss mindestens 23 cm in der Tiefe aufweisen und die Treppe selbst muss mindestens 80 cm breit sein. Nach deutschen Bestimmungen reicht eine Geländerhöhe von 90 cm, in Österreich müssen Geländer 100 cm hoch sein.

KOMPLIZIERTE VIELFALT
Die Konstruktion von Treppen richtet sich nach den formalen Gegebenheiten im Haus. Eingestemmte oder aufgesetzte Wangen­treppen („Wange“ heißt das tragende Bauteil, dass die dazwischenliegende Trittstufen trägt), Faltwerktreppen ohne Wangen, die nur auf einer Seite in der Wand befestigt sind und sich selbst tragen, Bolzentreppen, deren Stufen am Handlauf „aufgehängt“ sind, Treppen mit kreisbogenförmigen Stufen, viertelgewendelte, halbgewendelte Treppen, zweimalviertelgewendelte und Podesttreppen, Spindeltreppen ... man ahnt schon, hier gibt es zu jeder Variante eine Vielzahl von Untervarianten.

AUCH TREPPEN UNTERLIEGEN MODESTRÖMUNGEN
Seit 35 Jahren und bald 20 Jahren selbständig baut Kraller Treppen, heute computergesteuert mit Spezialprogramm, direkt von der CAD-Zeichnung zur Fräse in der Werkstatt. Sechs Mann produzieren bis zu 250 Treppen pro Jahr.
Holz ist immer aktuell, jedoch ändert sich die „Treppenmode“ etwa alle zwei Jahre. So ist der Mix von Holz plus Edelstahl zur Zeit rückläufig und Glasgeländerflächen sind „in“. Rustikale, dunklere Hölzer wie Nuss oder Eiche sind im Vormarsch sowohl für die Treppe selbst als auch für die wiederentdeckten klassischen gedrechselten Holzstäbe im Geländer. Ein Hit: Weiße Treppe mit dunklem Handlauf. Gerne werden auch Betontreppen mit Holz verkleidet.
Der Großteil von Krallers Kunden sind „ganz normale Häuslbauer“, das sind ihm auch die liebsten, wie der Chef betont. Doch er hat auch ein paar internationale „Herzeiger“, die anonym bleiben müssen: So arbeitete Kraller für Ölscheichs, stattete eine russische Super-Yacht mit komplizierten Handläufen über mehrere Etagen aus, Kraller-Treppen stehen in Villen und Palais in München und Wien, Rostock, Frankfurt und Düsseldorf. Den Kontakt zur internationalen Klientel stellte meistens Sohn Michael her, der sich verstärkt dem hochgenrigen Möbeldesign widmet.
 
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