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Salzachbrücke

Und der Wolf hustete und pustete… …doch das Haus fiel nicht um!

Achtung: Die Entscheidung für das richtige Baumaterial kann Leben retten! Oder zumindest ein angenehmes Wohl- und Wohngefühl im Eigenheim.

Mag. Thomas Haas

Ach, wie hatten es unsere Altvorderen doch so bequem, sich bloß mit Zugluft, Rinnsalen und allfälligem Ungeziefer beliebiger Größenordnung im Wohnbereich herumschlagen zu müssen. Da stellte sich erst gar nicht die Frage, ob man sich in einem Heuhaufen wohnlich einrichten oder einen Holzstapel aushöhlen sollte; der Wohnraum war klar bestimmt durch gediegenen, gewachsenen Fels drum herum mit einem Loch nach draußen und weitgehend gleichbleibenden Temperaturen drinnen. Wozu sich da noch groß Gedanken über Baumaterial zu machen?!
Heute muss der Häuslbauer nicht bloß grund(stein)legend zwischen Stein- und Holzbau entscheiden. Wobei sich das erst wieder in eine Vielzahl von Materialien und Bauarten verzweigt: Kalksandstein, Ton- oder Betonziegel, Stahl- oder Porenbeton bzw. Holztafel-, Block- oder Holzständerbau, um nur einige zu nennen. Andere Materialien wie Stahl oder Glas drängen an manchen Bauwerken recht augenfällig in den Vordergrund, kommen aber in Summe doch recht selten zum Einsatz.

Wie schon die Alten bauten
Aber blicken wir noch einmal zurück, wenn auch nicht gleich bis in die Steinzeit: Bevor Eisenbahn und Dampfschifffahrt das Transportzeitalter eröffneten, waren kurze Wege ein wesentliches Kriterium für die Wahl der Baumaterialien. Je nach regionaler Verfügbarkeit errichteten unsere Vorfahren mit Holz, Naturstein, Lehm und Kalk stabile, witterungsbeständige und natürlich klimatisierte Häuser in höchster Ökoqualität; beim besten Willen und mit noch so kostspieliger Raffinesse ist dieser „Standard“ heute gar nicht mehr zu erreichen.
Auch die klimatischen Verhältnisse im Großen wie auch im Hinblick auf die konkrete Lage und Ausrichtung des Bauplatzes bestimmten die Auswahl der Baustoffe und deren Verarbeitung. Weder gab es die Technik für vollklimatisierte Häuser, noch hätte man sie dafür entsprechend dicht bekommen. Was nicht heißen soll, dass sich nicht bereits sehr wirksame Techniken etablieren konnten, ein Haus mit den verfügbaren natürlichen Materialien mehr als passabel gedämmt zu bekommen. Aber gegen Grund- und Niederschlagswasser standen einfach noch nicht die hoch entwickelten Planen und Dämmstoffe von heute zur Verfügung, weshalb bei feuchtem Untergrund anstelle der wasserdichten Kellerwanne eben Holzpiloten zum Einsatz kamen.

Was kostet die Welt?
Heute muss alles machbar sein, was der Kunde wünscht und bezahlt, weshalb auch tropische Edelhölzer um die halbe Erdkugel fliegen, wo heimisches Holz in guter Qualität genauso gut taugte. In der Regel greifen die Baufirmen aber jedenfalls auf nahegelegene Ressourcen zurück. Einerseits schwächen hohe Transportkosten im Konkurrenzkampf, andererseits rächen sich lange Wege und Verzögerungen auf denselben oft bei der zeitlichen Disposition der Baustelle. Die gängigen Materialien wie Holz, Tonziegel, Zement, Kies und Stahl sind für das SALZACHbrücken-Land jedenfalls reichlich in erreichbaren Distanzen verfügbar.

Wie lege ich‘s an?
Die Entscheidung über das Material bzw. den Material-Mix, aus dem das Haus errichtet werden soll, muss in einem sehr frühen Stadium der Planungsphase getroffen werden; ebenso wie jene über die Bauweise des Hauses. Dabei sind schon die wichtigsten Rahmenbedingungen abzuklären, von denen etwa das Klima, die topographische Lage, Ortsbildschutz und allfällig vorhandener Altbestand mehr oder weniger von außen vorgegeben sind. Diese Parameter können in extrem kalten Regionen etwa gegen schlecht zu isolierende große Glasflächen sprechen; bei potentiell andrückendem Grundwasser wird man um die wasserdichte Stahlbetonwanne als Fundament nicht herum kommen; und schließlich ist schon manch noch so pfiffiger Architektenplan am Ortsbildschutz gescheitert, was auch schon bei der Wahl der Baustoffe zum Tragen kommen kann – man erinnere sich nur an die Dachflächenfarben-Verordnung in Tamsweg, mit der bestimmte gängige Dachziegel von vornherein nicht zur Auswahl standen.
Darüber hinaus spielen aber auch Überlegungen und Voraussetzungen in diese Entscheidungen hinein, die nahezu ausschließlich in der Person der – männlichen wie weiblichen – Bauherren begründet sind bzw. deren Disposition unterliegen. Die geplante Verwendung hat etwa wesentlichen Einfluss auf die Ausrichtung des Gebäudes, auf die Weite der Lichteinlässe, auf die Entscheidung für die Geschoßanzahl etc. Zur Verwendung gehört irgendwie auch die Überlegung, wie lange die Bauzeit dauern soll oder darf, was sich ganz schnell und unmittelbar auf die Entscheidung für eine Fertigbauweise niederschlagen kann, wenn die Zeit drängt.

Träume sind flüchtig
Die Haltung zur Frage von Energieverbrauch bzw -gewinnung spielt im Zusammenhang mit der Wärmeleitfähigkeit der einzelnen Materialien unmittelbar in die Baustoffentscheidung hinein, natürlich auch in jene der Bauweise, ist aber mittlerweile durch rechtliche Auflagen weitgehend eingeschränkt; das kann sich unter Umständen auch auf die gesamten Vorstellungen zum nachhaltigen bzw. ökologisch ausgewogenen Bauen auswirken. Im Übrigen sind die meisten Träume vom energieneutralen Bio-Lehmhaus, in dem ausschließlich biologisch abbaubare Materialien verarbeitet werden, ähnlich kurzlebig, wie die im Folgenden zu behandelnden.
Geschmacksfragen und persönliche Befindlichkeiten hinsichtlich Bauform, Bauweise und auch Baustoffen, drängen sich in den meisten Planungsvorhaben recht schnell in den Vordergrund, um spätestens bei der finanziellen Kalkulation ihren meist erstaunlich weiten Dispositionsrahmen zu offenbaren. So schön und wünschenswert etwa gewisse Glas-Holzkonstruktionen bei gänzlichem Verzicht auf Stahl und Beton für manche auch zunächst erscheinen mögen: Letztendlich setzt schon im nächsten Punkt der verfügbaren Ressourcen die Finanzkalkulation recht bald und schonungslos den Rotstift bei jenen Vorstellungen an, die mangels allgemeiner Verbreitung oder Akzeptanz als Sonderwünsche abgetan werden. Aber aufgepasst: Nicht selten ist es bloß die Fantasielosigkeit und Bequemlichkeit, die manche Bauberater, Architekten oder Bauunternehmer vorschnell zum Abwinken bewegt. Da sollte man seine eigenen Wünsche vor einer endgültigen Entscheidung jedenfalls nochmal von vertrauenswürdiger dritter Seite her auf ihre Umsetzbarkeit hin abklopfen lassen.
Die Frage nach den individuell verfügbaren Ressourcen beschränkt sich freilich nicht zwingend nur auf vorhandene Geldmittel bzw. verfügbares Eigenkapital oder auf den maximal heraus zu verhandelnden Kreditrahmen. In diesem Punkt scheitern übrigens die allermeisten – zunächst durchaus ernsthaften – Planungsprojekte beim Hausbau. An eigenen Ressourcen kann aber auch der günstige Zugriff auf oder Zugang zu bestimmten Baumaterialien eine Rolle spielen. Das kann zum Beispiel ein eigener Wald sein oder auch ganz aktuell ein Gewinn von 100.000 Ziegeln eines der großen österreichischen Herstellers.
Auch eine Form der eigenen Ressourcen stellen die möglichen Eigenleistungen dar, sowohl im Hinblick auf die Fertigkeiten und zeitlichen Fähigkeiten in der Person des Bauherrn selbst, als auch hinsichtlich der mobilisierbaren Helfer und deren potentiell einzubringenden Stunden:
Bei einem hohen Ausmaß möglicher Eigenleistung wird etwa ein massiver Ziegelbau oder auch bestimmte Holzbauweisen kalkulatorisch interessant, im umgekehrten Fall empfiehlt sich vielleicht eine Fertigbauweise.

Die drei Bau-Weisen
Nachdem nun schon so oft von den verschiedenen Bauweisen die Rede war, kann es nicht schaden, diese ihrem Wesen nach kurz vorzustellen: Die traditionell in unseren Breiten gern eingesetzte Massivbauweise zeichnet sich dadurch aus, dass die raumabschließenden Elemente wie Wände und Decken selbst auch eine tragende Funktion erfüllen, also Teile des so genannten Tragwerks sind. Im Massivbau kommen vorrangig Stein-/Ziegel-/Beton-Baustoffe zum Einsatz, was ein hohes Maß an Eigenleistung ermöglicht; es sei denn, der Massivbau wird unter dem Einsatz von vorgefertigten Elementen als Fertigbau errichtet.
Einem massiven Ziegelbau wird gemeinhin besondere Langlebigkeit und Wertbeständigkeit, eine hohe Wohnqualität und vergleichsweise niedriger Energieverbrauch attestiert.
Im Leichtbau kommt nahezu ausschließlich Holz zum Einsatz, wobei auch hier besonders gerne witterungsunabhängig vorgefertigte Elemente verwendet werden. Das Besondere am Holz-Leichtbau liegt in der Baukonstruktion, die als Holzträgerbau oder überhaupt als Skelettbau ausgeführt werden kann. Tragende Teile sind dabei nur noch jene des Holzgerüstes bzw. -skeletts, während dazwischen die Fassade aufgezogen oder im Skelett- oder Fachwerkbau mit nahezu beliebigem Material aufgefüllt werden kann. Der hölzerne Leichtbau eröffnet einen breiten Gestaltungsspielraum und wird im Allgemeinen mit einem angenehmen Wohnklima verbunden. Die Wärmedämmung sollte im Vorfeld genau beleuchtet werden.
Vom Fertigbau wurde bereits erwähnt, dass er sowohl als Massiv- als auch als Leichtbau vorkommt. Der unschlagbare Vorteil der Fertigbauweise ist die Geschwindigkeit. Sobald eine eingegossene Stahlbeton-Bodenplatte in der Baugrube durchgetrocknet ist, lässt sich mit Fertigteilen der komplette Rohbau in ein bis zwei Tagen errichten. Auch eine mögliche Festpreisgarantie des Lieferanten und die Minimierung der Gefahr von Verzögerungen und anderen Problemen während der Bauzeit können für die Entscheidung zum Fertigteilhaus sprechen. Die vormals der Massivbauweise zugesprochene größere Gestaltungsfreiheit muss angesichts neuer Produktionstechniken und elektronischer Konstruktionshilfen schon sehr stark zu Gunsten des Fertigbaus relativiert werden.

Der Stoff, aus dem die Häuser sind
Zum Schluss noch in aller Kürze ein Überblick über drei in unseren Breiten traditionell verwendeten Baustoffe:
Unter Ziegeln versteht man traditionell gebrannte Tonziegel, wie sie schon vor mehr als 8.000 Jahren in Mesopotamien verwendet wurden. Tonziegel haben eine optimale Wärmedämmung, können Feuchtigkeit und Wärme speichern und wieder an die Raumluft abgeben (verhindert Schimmelbildung), was im Sommer für angenehm frische Räume und für wohlige Wärme im Winter sorgt. Der Tonziegel ist druckresistent und schalldämmend. Nicht zuletzt liegt der Tonziegel auch preislich eindeutig auf der günstigeren Seite.
Beton ist sehr vielfältig einsetzbar, erfüllt jedenfalls die statischen und bauphysikalischen Anforderungen; Beton speichert Wärme und gibt Kälte ab, was im Sommer gut für das Raumklima ist; entscheidende Vorzüge bietet Beton durch seine hohe Materialdichte mit guter Brand- und Strahlenschutzwirkung, einem hohen Verschleißwiderstand und verlässlichem Schutz vor Feuchtigkeit – so er gut austrocknen konnte und sich keine destabilisierenden Elemente eingeschlichen haben. Die optische und Formgestaltung des Betons ist sehr weit reichend.
Holz hat – als meist im räumlichen Nahebereich nachwachsender Baustoff –  ökologisch klar die Nase vorne, wenn nicht in der Trocknung und Konservierung fragwürdige Chemikalien eingesetzt werden. Durch die besonders gute Wärmedämmung sorgt Holz im Sommer für ein angenehmes Raumklima. Die oft ins Treffen geführte Brandgefahr ist im Blockbau nicht gegeben, da die erste Kohlenschicht die weitere Sauerstoffzufuhr unterbindet.
Wer sich frühzeitig über die eigenen realistischen Vorstellungen klar wird und gute Beratung in Anspruch nimmt, bevor die erste endgültige Entscheidung fällt, der hat schon nicht auf Sand gebaut!
 
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