. .
Salzachbrücke

Villa "Töff töff" - Die Garage, mehr als ein Abstellplatz

Natürlich gibt es auch Carports. Manche begnügen sich gar mit einer Plane. Andere wiederum gönnen ihrem vierrädrigen Begleiter gar keinen Schutz vor den Unbillen der Witterung. Wer aber über ausreichend Platz und Mittel verfügt, errichtet dem teuersten Familienmitglied tunlichst auch ein eigenes Heim – landläufig als „Garage“ bekannt.

„Hier regiert das Chaos!“
Nun ist es nicht selten zu beobachten, dass die Karossen vor den Garagen ausharren müssen, während darin ein buntes Sammelsurium aus Reifen, Fahrrädern und Skiern, Gelben Säcken, leeren Kartons und Altpapier, Blumentöpfen, kaputten Möbelstücken und anderem Allerlei zu einem schier undurchdringlichen Dschungel verwuchert. Allzu schnell verkommt die Garage zu einer nebulosen Übergangswelt zwischen Sein und Nicht-Sein, zwischen Rodel- und Gartensaison, zwischen Wegwerfen und Entsorgung, zwischen unbrauchbar und Reparatur, zwischen Durst und Leergut.
Ist es erst einmal so weit gekommen, dann hat nicht bloß die Familienkutsche das (f)rostige Nachsehen. Auch der geplante Heimwerkereinsatz scheitert am Arbeitsplatz; das Pickzeug fürs Fahrrad erreicht man nur durch Umschlichten von Blumentöpfen oder Reifenstapeln; beim Recycling-Termin wird die Hälfte des Mülls übersehen und jeder Schritt durch das Chaos erfordert artistische Körperbeherrschung. Dem Befreiungsschlag zum Sommerbeginn folgt eine Woche heißer Tischfußballkämpfe der Kinder, bevor mit Grill, Schlauchboot und Partyzelt die nächste Phase steten Zuwachsens eröffnet wird.

Ordnung geht auch im Altbau
Weil die geschilderten Zustände – wenn überhaupt – natürlich höchstens bei Nachbarn der geneigten Leserschaft vorkommen, richten sich die folgenden Ideen und Tipps für eine zweckorientierte Garagenorganisation auch in erster Linie an diese. Schließlich ist gerade die Garage ein Raum, der nicht bloß beim Neubau, sondern auch im Altbestand jederzeit funktionell und benutzerfreundlich aus- oder eben umgestaltet werden kann. Wenn auch einige Grundüberlegungen tunlichst schon bei der Planung der Garage Berücksichtigung finden sollten.
Ob es um Menge und Einfallswinkel von Tageslicht, um den Abfluss für Schmelzwasser oder die Art und Größe des Tores geht: Viele Entscheidungen sind zu treffen, die sich auf die spätere Nutzung dieses Zweckbaues auswirken. Schon bei der Positionierung der Garage im Bauplatz sind wegen der Abstände zu angrenzenden Grundstücken die Bauvorschriften des jeweiligen Landes zu beachten.

Lage und Größe der Garage
Je nach Größe und Lage des Grundes kann eine freistehende Garage dem Wohnhaus zusätzliche Fensterflächen bescheren und die KFZ-Emissionen aus dem unmittelbaren Lebensbereich verbannen. Nicht umsonst lagen bei herrschaftlichen Anwesen die Garagen bzw. Remisen in aller Regel deutlich abseits der Villa. Allerdings führte dazumal ein Chauffeur die Motorkutsche für die Ausfahrt vor das Haus und nach dem Aussteigen wieder in ihren Unterstand zurück. Auch heute steht die Bequemlichkeit – gerne mit „Effizienz“ umschrieben – im Vordergrund. Der Weg zwischen Auto und Haustür sollte möglichst schnell und im Idealfall trockenen Fußes zu bewältigen sein.
Der Motorisierungsgrad der Hausgemeinschaft wird meist die Größe der Garage bestimmen. Für die einfache Garage sollte man zumindest fünfeinhalb bis sechs Meter Länge und um die drei Meter Breite rechnen. Was immer sonst noch Platz finden soll, muss bei diesen Maßen schon in der Planung Berücksichtigung finden. Wo es irgend machbar ist, zahlt es sich aber in jedem Fall aus, eine Doppelgarage mit ausreichender Länge zu errichten, um auch Fahrräder und andere einspurige Fahrzeuge bequem ins Trockene zu bringen. Eine besondere Art der Platznutzung sind Doppelparker; dabei handelt es sich um ein System aus zwei kippbaren Stahlebenen, auf denen sich samt Versenkung unter Niveau auf knapp fünf Metern Höhe zwei Autos übereinander stapeln lassen.

Auf Stein gebaut
Ob freistehend oder angebaut, die nächste Entscheidung über die Bauart der Garage ist in beiden Fällen zu treffen. Stahl-, Blech-, Holz- oder Aluminiumgaragen werden meist freistehend errichtet. Aber auch solche vergleichsweise Leichtbauvarianten benötigen ein stabiles Ring-, Streifen- oder zumindest Punkt-Fundament. Von der bloßen Errichtung eines geschlossenen Raumes über dem Erdboden oder auf Rasenziegeln ist dringend abzuraten. Die aufsteigende Feuchtigkeit bei Erwärmung des Innenraumes durch Motorwärme oder Sonneneinstrahlung kriecht von unten in all jene Öffnungen von Fahrgestell und Karosserie, die eigentlich zum Abfließen von Regen- oder Kondenswasser gedacht sind. Auch gegen die vier- bis achtbeinige Fauna des Erdreiches schützt am besten eine durchgehende Bodenplatte. Darunter sollte eine zumindest 80 Zentimeter tiefe Gründung Frostschäden verhindern.
Mit dem Verlegen der Bodenplatte sollte auch schon für den Abfluss von stehendem Wasser in der Garage vorgesorgt werden, wie es sich etwa durch abschmelzende Schneeriegel hinter den Laufrädern ansammeln kann. Gleichzeitig ist aber auch die Gefahr einer Verunreinigung durch Treibstoff oder Schmier- und Hydrauliköle zu bedenken. Ölabscheider sind zwar in den meisten Ländern für private Hausgaragen nicht vorgeschrieben. Ungeachtet dessen ist ein zentraler Abfluss in den Oberflächenwasserkanal mit integriertem Abscheider die sauberste Lösung. Günstiger kommt Auskehren oder Abziehen, am besten mit einer leichten Neigung des Bodens zur Einfahrt hin. Eine leichte Schwelle von etwa zwei Zentimetern an der Einfahrtskante verhindert das selbständige Austreten umweltgefährdender Flüssigkeiten. Um den Garagenboden rein zu halten, bietet eine oberösterreichische Firma Garagenmatten in Wagengröße an, die Flüssigkeiten und Schmutz auffangen und nötigenfalls mittels Nassstaubsauger entleert werden.

Stein auf Stein oder am Stück?
Im SALZACHbrücken-Land erfreut sich die gemauerte Anbaugarage größter Verbreitung. Die optimale Ausgestaltung hinsichtlich Raumaufteilung in der Ebene wie auch bis unters Dach und die freie Wahl der Fenster- und Türöffnungen gehören zu den Vorzügen der Ziegelbauweise. Hinter einheitlichem Putz und gleicher Farbe wie beim Wohnhaus kann sich aber auch eine Fertiggarage verbergen. Bis zu einem Drittel günstiger als der Massivbau haben die deutlich schmäleren Betonwände den Vorteil, weniger Stellplatz zu verbrauchen als die Ziegelmauer. Außerdem gibt es bereits attraktive Fertigsysteme, die sich nach Bedarf als Garage mit Abstellraum, Rad-Unterstand oder Gerätehütte zusammenstellen lassen. Der Wegfall aufwändiger Planungen, die Materialvielfalt von verschiedenen Betonarten über Stahl, Kunststoff, Aluminium bis zum Holz und die kurze Bauzeit sprechen gerade bei nachträglicher, vor allem freistehender Errichtung für eine Fertiggarage.

Aus den Augen – aus dem Sinn
Von außen fallen bei gelungenen Garagen meist das Giebeldach, Fenster und zusätzliche Zugänge ins Auge. Freilich kann im Anbau auch das Flachdach eine gemütliche Terrasse abgeben. Andererseits findet sich kaum ein ähnlich geeigneter Raum zur Unterbringung von saisonal nicht benötigten, sperrigen Gegenständen, wie ihn eine Zwischendecke in der Garage eröffnet. Wintersportgeräte, Pool und Trampolin, Gartenmöbel und natürlich Autoreifen sind hier oben aus den Augen und doch jederzeit griffbereit. Über eine platzsparende Klapptreppe und durch eine ausreichend große Deckenöffnung werden mittels einer einfachen Seilwinde auch schwere Gegenstände mühelos nach oben oder unten bewegt. Mit einem Fenster zum Lüften als Lichtquelle an der Stirnwand fühlen sich auch Oleander und Co. den Winter über wohl.
Fenster sind auch im eigentlichen Garagenraum eine dankbare Quelle natürlichen Lichts. Nicht bloß für Heimwerker, auch zum Be- und Entladen des Autos oder für die Innenreinigung in kalten und regnerischen Zeiten schaffen schon niedrige Öffnungen an der oberen Kante der Wände eine freundliche Atmosphäre. Wer regelmäßig längere Zeit in der Garage werkt, repariert oder bastelt, wird sich dabei weniger eingesperrt fühlen, wenn ein Fenster in normaler Höhe den Blick nach draußen erlaubt. Als Mindestanforderung schreibt das Baurecht für jede Garage eine Abluftöffnung von etwa 20 mal 20 Zentimetern vor. Solche Sicherheitsbestimmungen des jeweiligen Landesrechts, wie auch jene über das Erfordernis eines Feuerlöschers, sollten übrigens nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Als zusätzliche künstliche Beleuchtung sind Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen wegen der meist kurzen Brenndauer eher unwirtschaftlich. Ideal sind wohl platzierte LED-Spots mit Bewegungssensor, die sich bei Bedarf – vielleicht auch bloß teilweise – auf Dauer schalten lassen.

Sesam öffne dich!
Zusätzliche Türöffnungen richten sich ebenfalls nach der beabsichtigten Nutzung. Eine seitliche Tür zum Hauseingang hin oder direkt in einen Windfang mündend ist die zuvor erwähnte ideale Verbindung zwischen Wohnbereich und Auto. Bei komprimierter Verbauung kann der Zugang zum Garten auch schon mal durch die Garage führen. Während die Fenster und zusätzlichen Türen je nach Geschmack, Brandschutzvorschriften und Zweckmäßigkeit schnell gewählt sein dürften, will das Garagentor mit seinem Schließmechanismus besonders sorgfältig geprüft und ausgesucht sein.
Doppelschwingtore kommen schon aus Platzgründen nur noch selten zum Einsatz. Abgesehen davon zählen sie samt dem allfälligen elektrischen Türöffner zu den teuersten Lösungen. Am günstigsten sind die weit verbreiteten Deckenschwingtore, welche in einem Bogen an die Innendecke aufschwingen. Weniger platzgreifend schließen Sektionaltore, wobei sich auch hier das nach oben aufrollende Decken-Sektionaltor größter Beliebtheit erfreut. Dem Höhenverlust durch das geöffnete Deckentor und potentiellen Problemen bei Innen-Dachschrägen oder überbreiten Einfahrtsöffnungen begegnet man am besten mit dem Seiten-Sektionaltor. Dieses öffnet, gleich einem Schiebetor, seitlich in ein Rolldepot oder flach an der Seitenwand entlang. Mittels Schlupftürfunktion gibt dieses Tor den Zutritt zur Garage frei, ohne zur Gänze geöffnet werden zu müssen. Für die Kaufentscheidung sind vor allem eine gute Abdichtung, ruhiger Lauf, Sicherheitsschranken wie Abschaltautomatik und eine hohe Bedienungsfreundlichkeit ausschlaggebend.

Mehrfach-Nutzung mit optimaler Ausstattung  
Wenn nun die selbst geplante Garage einmal steht, wird es ein Vergnügen sein all das darin unterzubringen, wofür sie errichtet wurde. Die Werkzeugwand hinter der Werkbank wird optimal unter die Fensterschlitze passen, die getrennte Müllsammlung ihre eigene Mauernische und der Kompressor seine lärmdämmende Umhausung haben. Aber was tun, wenn die kleine Garage schon da war, wenn man keine Ausbaumöglichkeit hat und doch gerne so manches über das Auto hinaus da drinnen unterbringen will? Für diesen gar nicht so seltenen  Fall gibt es eine reiche Auswahl an Regal-, Stapel- und Hakensystemen, speziellen Hängevorrichtungen und Hochlagern unter der Decke, mit deren Hilfe zumindest das nötigste Auto-Zubehör, ein oder zwei Fahrräder und vielleicht sogar eine kleine Heimwerkstatt in der Garage Platz finden. Auf benutzerfreundliche Details wie Wandfolien gegen anschlagende Türen, eine Batterieladestation für harte Winter oder eine Garagenampel, die beim Einfahren den Abstand zur Wand signalisiert, muss auch in kleinen Garagen nicht verzichtet werden.
Die Garage ist nun mal ein potentiell großer freier Raum, der in besonderen Fällen auch als solcher sinnvoll nutzbar sein sollte. Eine durchdachte Garagenorganisation verschafft nicht bloß dem Auto einen geschützten Stellplatz. Sie ermöglicht auch eine Vielzahl von Zusatznutzungen dieses Raumes, welche im Wohnbereich meist nicht viel verloren haben.
 
Werbung