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Salzachbrücke

Der Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen nicht nur Temperaturen und Niederschläge, sondern haben auch Folgen für das Ökosystem im Garten. Die Alpen sind nicht mehr die zuverlässige Barriere für einwandernde Insekten aus Südeuropa oder Nordafrika, diese Mauer ist durchlässig geworden. Selbst wenn uns der Winter von 2016/17 daran erinnert hat, dass wir uns nach wie vor nördlich der Alpen befinden, fällt doch auf, dass Pflanzen aus dem mediterranen Raum bei uns Einzug halten.
Das Angebot in den Gartencentern gibt zweifelsfrei darüber Auskunft, das Olivenbäume, Feigen und Lorbeer bei uns in den Gärten immer mehr werden. In vielen Staudengärten kommt der Lavendel vor, der eigentlich eine Pflanze aus Südfrankreich ist. Auch Pflanzen die wir aus den Medien kennen sind unter den Einwanderern. Der Riesenbärenklau, der nach Berührungen Verbrennungen dritten Grades hervorrufen kann oder das Springkraut, das mittlerweile auf allen nicht bewirtschafteten Flächen auftritt, sind Pflanze, die durch den Klimawandel bei uns jetzt heimisch geworden sind.
Das alles sind Pflanzen, die wir auch Neophyten nennen. Zu den Neophyten gehört auch eine Pflanze, die als Blume von Nordamerika zu uns gelangte, die Knolle aber ein kostbares Lebensmittel ist. Gemeint ist damit die beliebte Kartoffel.
Der Garten beheimatet natürlich nicht nur Pflanzen, sondern auch Tiere, vorwiegend Kerbtiere. Diese überwinden die Alpen mittlerweile immer leichter. Das allein ist kein Grund zur Panik, sondern eine Aufforderung, die Pflanzen und ihre Bewohner sehr aufmerksam zu beobachten. Nicht alle unbekannten Insekten schädigen Blatt, Blüte, Wurzel oder Frucht.
Wer erinnert sich nicht an die Invasion asiatischer Marienkäfer, die sich mit ihren variantenreichen Flügelmustern von den heimischen Arten unterscheiden. Auch diese Tiere vertilgen fleißig Blattläuse, sie verursachen aber auch Fraßschäden am Obst und stellen eine starke Konkurrenz für die hier beheimateten Marienkäfer dar.
Leider gilt das auch für Einwanderer, die sich hierzulande sehr wohlfühlen, weil sie mit unseren Pflanzen einen reich gedeckten Tisch vorfinden und kaum oder gar keine Feinde haben. Jeder kennt die spanische Wegschnecke, deren starke Schleimspur den Schneckenjägern wie Igel und Co. so bitter ist, dass sie diese Art nicht so gern fressen. Die Folge sind hohe Verkaufszahlen von Schneckenkorn. Auch wenn die spanische Wegschnecke eher ein Ergebnis von zu wenig Kontrolle bei Pflanzenimporten aus dem Süden war und wenig mit dem Klimawandel zu tun hat, ist sie ein hervorragendes Beispiel dafür, was passiert, wenn neue Organismen keine Gegenspieler haben.
Wir können uns darauf gefasst machen, dass neuartige Insekten oder Spinnentiere sich über kurz oder lang hier etablieren und uns vor neue Probleme stellen werden. Diese Tiere bringen jährlich mehrere Generationen hervor und können sich sehr schnell bei uns anpassen. Aus diesem Grund ist es wichtig, neue Insekten sofort zu bekämpfen. Für Insekten sind trockene, warme niederschlagsarme Jahre ideal für die Verbreitung, nasse Sommer begünstigen die Vermehrung von Schadpilzen und führte z. B. zum derzeitigen Eschensterben.
Der Klimawandel ist auch schuld, dass wir uns von den beliebten Buchsbäumen höchstwahrscheinlich verabschieden müssen. Das Bekämpfen des Buchsbaumzünslers ist sehr aufwendig und teuer, da man mindestens vier- bis fünfmal im Jahr die Pflanzen mit Spritzmittel behandeln muss.
Im warmen Sommer 2018 ist auch der Oleanderschwärmer, der seine Heimat in Nordafrika, Iran, Irak bis nach Pakistan hat, wieder über die Alpen geflogen. Diese Schwärmer legen bevorzugt ihre Eier auf dem Oleander ab. Die geschlüpften Raupen, die bis zu 8 cm lang und einen Durchmesser von 1 cm haben, fressen bis zum Verpuppen vom Oleander die Blätter, sie sterben aber beim Rückflug über die Alpen in ihre Heimat durch die Kälte.
Ich glaube, dass der Klimawandel bei uns nicht mehr aufzuhalten ist, sondern mit großen Bemühungen bestenfalls verlangsamt werden kann.
 
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