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Salzachbrücke

Abenteuer mit schwimmenden Schweinen

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen ...(Goethe). Irgendwie kam mir dieser Satz in diesem Urlaub in den Sinn. Und das, obwohl oder vielleicht weil es einer der außergewöhnlichsten und bilderbuchartigsten Urlaube war, an die ich mich erinnern kann.
Wie kam es zu unserem Reiseziel – den Exumas?
Einer Inselkette, die zu den Bahamas gehört.

Julia Lönne

Als Auswanderer, die vor drei Jahren von Deutschland nach Seattle übersiedelt sind, waren wir das Wetter in einer der regenreichsten Stadt Amerikas ja gewöhnt. Doch im März letzten Jahres, nach gefühlten sechs bis sieben Monaten Regen, wolkenverhangenen Wintermonaten bzw. der ganz normalen „Seattle rainy season“, hatte ich in der ZDF-Mediathek eine Reportage über ein junges Pärchen, welches den Atlantik überquerte, entdeckt und es gleich meinem Mann – dem insgeheimen Weltumsegler – erzählt:
SIE – bis dahin kaum segelerfahren, ER – seit Kindheit Segler und Fachjournalist bei der „Yacht“: Cati und Johannes Erdmann. Da die Reportage in Madeira endete, gab es für mich nur zwei Varianten: Entweder sie hatten es nicht über den Atlantik geschafft oder irgendetwas anderes ist beim zweiten Teil der Reise passiert. Wir recherchierten und siehe da, die beiden hatten es tatsächlich geschafft, nur der Sender hatte sie wegen zu geringer Einschaltquoten nicht mehr begleitet.
Da es „meinen beiden Helden“, Cati und Johannes, in der Karibik so sehr gefiel und sich die Gelegenheit bot, einen geräumigen Katamaran zu kaufen, bieten sie nun seit 2016 Segeltörns von New Providence, eine der zahlreichen Inseln der Bahamas, an. „The Bahamas“ sind ja ein beliebtes Winterziel der Nord-Nord Amerikaner und somit dachten wir, warum dort nicht urlauben? Übrigens fliegt man auch aus Deutschland ähnlich lange wie von Seattle. Also buchten wir kurzerhand den ersten Törn (nach der Hurrikan Saison), der genau in unsere Thanksgiving-Ferien im November fiel. Von Juni bis Oktober besteht in der Karibik die Gefahr, dass Hurrikans durchziehen, wie z. B. 2017 Hurrikan „Maria“, der Puerto Rico dem Erdboden gleichmachte. Im Hochsommer gibt es deshalb viele Urlaubs-„Schnäppchen“, aber es ist eben eine Art Russisch-Roulette, in diesem Zeitraum eine Reise dorthin zu buchen und Segeltörns werden da sowieso nicht angeboten.
Wir traten also mit unserem Skipperpärchen in Austausch, die ihren Katamaran erst einmal von Virginia (USA) zu den Bahamas segeln mussten, bevor wir uns in der Marina auf New Providence, der bevölkerungsreichsten Insel der Bahamas, trafen. Die Bahamas Airline, welche Touristen von Miami oder Fort Lauderdale nach Nassau – der Hauptstadt der Bahamas – fliegt, scheint eher die ausrangierten Flugzeuge aus Europa zu übernehmen. Die norwegisch-englischen Hinweise auf den Sitzen beim Hinflug bzw. die französisch-englischen auf dem Rückflug ließen mich zumindest darauf schließen. Dennoch kamen wir sicher an unser Ziel.
Beim Aussteigen aus dem kühlen, trockenen Flugzeug bekamen wir einen feuchtwarmen Umschlag in Form heißer tropischer Luft, der uns für die Zeit des gesamten Aufenthalts umschlang – angenehm nach den vielen Regentagen daheim, zunächst einmal. Die ersten Nächte verbrachten wir in Bob Marleys ehemaliger Villa, dann in einem gemütlichen Hotel mit morbidem Charme. Schließlich ging es dann auf den Katamaran, wo wir erst einmal unser Gepäck verstauten und uns an die schaukelnde Unterkunft gewöhnen mussten. Am nächsten Tag stachen wir endlich bei Sonne und mäßigem Wind in See, um auf eine der nördlichen Exuma Inseln zuzusteuern. Dort wollten wir unseren ersten Ankerplatz finden. Diese Inseln mit weißen, atemberaubenden Stränden, Palmen und den unglaublichen Farben des Wassers sind bekannt für ihre Schönheit. Von türkis, blau, helltürkis mit Sonnenstreifen durchflutet, bis mittel- und dunkelblau, ein herrliches Naturschauspiel ist hier zu erleben. Exuma ist übrigens der Name eines Distrikts der Bahamas, welcher aus über 360 Inseln besteht. Die meisten davon sind unbewohnt, andere im Privatbesitz reicher Prominenter wie z. B. Johnny Depp oder David Copperfield, wieder andere sind Drehorte diverser Filme (Thunderball, Casino Royale) mit entsprechender Geschichte und touristischen Anlaufpunkten.
In einem „Exuma Marine Park“ gibt es die Möglichkeit an kleinen Riffen zu schnorcheln und kleine bunte Fische zu beobachten, die man sonst nur in Aquarien bestaunen kann. Wasserschildkröten, Conchs (große Meeresschnecken), Barracudas und Haie gibt es dort ebenso wie überall rund um die Bahamas im karibischen Meer.
Eine dieser über 300 Inseln wird von Iguanas – einer Echsenart, die zu den grünen Leguanen gehört – und eine zweite von den berühmten schwimmenden Schweinen bewohnt. Die Schweine wurden irgendwann vor vielleicht hunderten Jahren von Seefahrern dort abgesetzt, quasi als lebende Speisekammer und dann vergessen bzw. zurückgelassen. Vielleicht haben die „Schnuckis“ auch ein Schiffsunglück überlebt. Seitdem sind sie die Touristenattraktion, werden regelmäßig gefüttert und mit Süßwasser versorgt. Da sie gelernt haben, dass Boot gleich Futter bedeutet, kommen sie eilig angeschwommen, was bei dieser Umgebung tatsächlich etwas surreal ist. Die kleinen Schweinchen sind wirklich schnuckelig, die großen haben einen eher strengen Körpergeruch, um die Wahrheit zu sagen, sie stinken ganz schön – ebenso ihre Hinterlassenschaft…
Die Iguanas fressen am liebsten Weintrauben am Spieß. Diese Reptilien, die auf einer Nachbarinsel anzutreffen sind, werden – inklusive ihres Schwanzes – bis zu zwei Meter lang.
In die Thunderball Grotte, in die James Bond alias Sean Connery in orangem Taucher-Outfit getaucht ist und dort die atomaren Sprengkörper sichergestellt hat, konnten wir bei Niedrigwasser mit zahlreichen Touristen ebenfalls schnorcheln. Die Nurse-Sharks (atlantische Ammenhaie) – scheinbar harmlose, welsartige Haie – hatten wir auf Staniel Cay für uns alleine. Touristen lassen sich für gewöhnlich gerne mit ihnen fotografieren, wir lieber nicht.
In der Annahme, es mit besagten Ammenhaien zu tun zu haben, gingen unsere Männer eines Morgens mutig in unserer einsamen Bucht schwimmen. Nach Auswertung ihrer Unterwasserbilder hatten sie jedoch erkannt, dass es Riff-Haie waren, mit denen sie sich tummelten. Riff-Haie sind nicht ganz so ungefährlich wie Ammenhaie und ab und an kommt es zu Zwischenfällen oder Angriffen auf Menschen. Also – nochmal gut gegangen…
Die weiteren Tage verbrachten wir in einsamen Buchten, im unglaublich klaren und farbenprächtigen Wasser, mit zahlreichen Mückenstichen der „Noseeum‘s“ (man sieht sie wirklich nicht) unter der karibischen Sonne und an weißen Stränden. Die Conch-Muschel genossen wir sowohl optisch als auch kulinarisch, ja – und die Wärme! Wie wird sich der nächste Regen im Seattler Herbst wieder gut anfühlen.    
Jedenfalls wird uns dieser Urlaub mit diesen unvergesslichen Bildern immer in Erinnerung bleiben.
 
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