. .
Salzachbrücke

Norwegen in einer Nussschale

Kaum ein Einwohner von Bergen ist für gewöhnlich ohne Schirm unterwegs, gilt doch Bergen als „Die Stadt im Regen“ als einer der regenreichsten Orte Norwegens. 2000 mm Niederschlag pro Jahr ist Landesrekord. Nicht so bei unserem Aufenthalt im Juni dieses Jahres, als nicht nur im Norden Deutschlands Hitze und Dürre zum Problem wurden, auch in Südnorwegen kletterten die Temperaturen auf knapp 30°C – und das über mehrere Wochen.

Wasser, Grün und Stein
Der große Dreiklang von Wasser, Grün und Stein prägt ganz Norwegen. Wer von Bergen nur wenige Kilometer landeinwärts fährt, wird Zeuge dieser einzigartigen Kombination aus Fjorden zwischen steil aufragender Granitfelsen, endloser Kiefernwälder mit Heidelbeeren in Massen und gigantischer Wasserfälle, gespeist von Gletscherseen. Im Bezirk Fjordland, dessen Hauptstadt Bergen von sieben Fjorden und sieben Bergzügen umrahmt ist, wird man diesem landschaftlichen Eindruck besonders gewahr. Entlang der bewaldeten Hügel reihen sich noble Villen an gewundenen Wegen mit Kopfsteinpflaster bis hinauf zum Fløyen, einem der schönsten Aussichtspunkte über der Stadt, den wir mit der Standseilbahn in wenigen Minuten erreichen. Die Aussicht auf die 320 Meter unter uns liegende Hafenstadt ist beeindruckend (Titelbild). Hier wird klar, warum nicht nur die 270.000 Einwohner diese Stadt als schönste Metropole des Königreiches sehen. Kulturelles Zentrum des Landes ist Bergen neben Oslo bereits seit 2000.
Zu Fuß gehen wir entlang gepflegter Wege und Gärten hinunter in die Stadt, der Weg mündet direkt am Hafen, wo zur Rechten die alten bunten Holzhäuser der Hansestadt die Hauptattraktion für Besucher sind. Gleich daneben, am Ende des Hafenbeckens befindet sich der Torget (Marktplatz), Zentrum des Treibens in der Bucht. Hauptattraktion des Torgets ist der Fischmarkt, der sich über die Stirn- und Längsseite des Hafens zieht. Hier kann man Fisch und Meeresfrüchte nicht nur frisch kaufen, sondern auch gleich samt Zuspeisen zubereiten lassen und in windgeschützten Abteilen verspeisen. Die schöne Aussicht und der kulinarische Genuss wird lediglich durch die selbst für Norwegen stattlichen Preise getrübt. Die Preise für eine Fischplatte gehen knapp an die 80-Euro Grenze. Pro Person und ohne Getränke!
Neben dem Hanseviertel Brygge, welches man sich unbedingt auch „von hinten“ einmal ansehen sollte, bietet die Stadt eine Fülle an Sehenswürdigkeiten und Museen, die aufzuzählen hier nicht angedacht ist. Das große Tourismusbüro direkt am Torget hat in allen Sprachen umfangreiches Informationsmaterial parat.
Dort kann man auch eine Reihe von Ausflügen buchen, die unter dem Begriff „Norwegen in einer Nussschale“ vermarktet werden. Mit – für norwegische Verhältnisse – relativ geringem Budget werden Tages- oder Mehrtagesausflüge mit Bahn, Bus und Schiff angeboten. Hauptattraktion dabei ist die Bergen-Bahn, die von hier aus bis Oslo fährt und dabei rund 200 Tunnel und 300 Brücken passiert! Die Eröffnung der Zugstrecke im Jahr 1909 war ein nationales Fest. Ein Fest der Sinne ist es auch, sich auf diese Fahrt einzulassen. Alle Landschaftsformen ziehen auf der 526 km langen Strecke an den Panoramafenstern des modernen Zuges vorbei. Zuerst Fjorde und Wasserfälle bis in die Gegend um Voss, dann geht es hinauf in die Berge, wo bei Myrdal zur Flambahn umgestiegen werden kann. Die Hardangervidda, Norwegens größter Nationalpark, gleicht um diese Jahreszeit einer arktischen Wüste, in schneereichen Jahren sind die Straßen bis Anfang Juni gesperrt. Hier erreicht man auch den mit 1.237 m höchsten Streckenabschnitt bei Fagernut. Durch einsame Berglandschaften fährt man schließlich durch hügeliges Wald- und Wiesenland und nach rund sieben Stunden Fahrzeit erreicht man Oslo.
Natürlich ist auch Oslo – wie Bergen – einen längeren Aufenthalt wert. In einer Woche lässt sich somit ein Kurzurlaub mit KLM-Flug nach Bergen via Amsterdam, der Fahrt mit der Bergen-Bahn nach Oslo und Retourflug gut bewerkstelligen. Jeweils drei Tage Aufenthalt in Bergen und in Oslo sollten für Besichtigungen ausreichen.

Mit der Flambahn zu den schönsten Fjorden
Wer allerdings – wie wir – mit dem Camper unterwegs ist und somit wieder an den gleichen Ausgangspunkt zurück muss, für den empfiehlt sich Norwegen in der Nussschale „light“. Mit dem Bus fahren wir zeitig in der Früh zum Bahnhof Bergen, wo um 7.58 Uhr die Tour startet. Mit der Bergenbahn geht es die nächsten zwei Stunden entlang des Veafjordes durch herrliche abwechslungsreiche Landschaft hinauf in die Hardangervidda auf knapp 900 m Höhe. Einige Seen sind hier noch zugefroren, als wir in Myrdal in die Flambahn umsteigen. Die Fahrt nach Flåm ist an Panoramen kaum zu überbieten. Am Aurlandsfjord haben wir dann drei Stunden Zeit, besuchen das Flåmsbahn-Museum, schlendern durch den Ort, genießen einen Burger mit einem kleinen Bier und gehen um 13.20 Uhr aufs Schiff.
Der Aurlandsfjord ist ein südlicher Ausläufer des 200 km langen Sognefjordes, das Schiff zweigt aber nach ca. 20 km hinein in den Nærøyfjord, dem schmalsten Fjord Norwegens, bis nach Gud­vangen. Ein paar Häuser, ein Gasthaus mit Souvenirshop und der Schiffsanlegesteg ist alles, eingebettet zwischen senkrecht emporragenden Felswänden, von denen mehrere Wasserfälle in die Tiefe stürzen.
Mit dem Bus geht es schließlich nach Voss, wieder durch atemberaubende Landschaft, wo wir am Abend nun in die westwärts fahrende Bergenbahn einsteigen. Kurz vor 20 Uhr sind wir wieder in der Hansestadt angelangt.
Zurück in unserem Camper brauchen wir noch einige Zeit, um die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.
 
Werbung