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Salzachbrücke

Alleine alt werden

Es gibt sie. Die Älteren über 65, die keinen Partner und keine Kinder haben. Und sie werden mehr. Wie sie ihr Alter verbringen werden, muss anders, vorausschauender geplant werden.

Mag. Andrea Weilguni

Es gibt eigentlich keine Bezeichnung für Ältere, die alleine leben und niemanden an ihrer Seite haben. Sie sind nämlich mehr als nur Singles. Sie sind ohne Lebenspartner und kinderlos und haben keine Familie oder es besteht, warum auch immer, kein Kontakt mehr zur Familie oder den Kindern. In den USA bezeichnet man diese Gruppe der Älteren auch als „elder orphans“ – als ältere Menschen, die sozusagen verwaist sind. Sie können nicht auf familiäre Unterstützung – und sei es nur für den Notfall – bauen. Diese Gruppe wird in den nächsten Jahren zunehmen. Was ist also, wenn sie krank werden, Unterstützung benötigen? Wer hilft?

Wenn man alleine ist
Woran fällt Ihnen eigentlich Ihr eigenes Älterwerden auf? Die Einkaufstaschen scheinen schwerer zu werden? Man überlegt sich, was man, wo einkauft, um sein Kreuz zu schonen? Man zieht den Kauf eines Einkaufstrolleys in Erwägung. Ach nein, dafür fühlt man sich doch „noch“ zu jung. Oder neulich im vollen Bus wurde einem ein Sitzplatz angeboten und man war sichtlich irritiert. Was ist eigentlich, wenn man die Treppe im Haus nicht mehr hochkommt, denn Lift gibt es keinen? Wer bringt dann den Einkauf?
Frau B. (72) erging es ähnlich. Sie hatte das Pech beim Einkaufen am Trottoir zu stürzen und sich einen Unterarm gebrochen. Sie lebt alleine und hat keine Kinder. Mit den Nachbarn hat sie kaum Kontakt. Ihre beste Freundin lebt in der nächsten Stadt. Nun kommt sie vom Krankenhaus mit Gips in die Wohnung im zweiten Stock ohne Lift zurück. Wer hilft ihr im Alltag?
Diese Fragen beantwortet man wohl etwas abgesicherter, wenn man im Alter einen Partner an der Seite oder Kinder in der Nähe hat. Sicher sucht man die Abhängigkeit auch von ihnen nicht, aber man hätte zumindest die Wahl, man wüsste, wen man sofort fragen kann. Ein kinderloser Single hat diese Möglichkeit nicht.
Frau B. bekam im Krankenhaus eine Telefonnummer von einem ambulanten Verein in die Hand gedrückt, aber so schnell kommen die ja nicht. Zu Hause fasste sie sich dann ein Herz und klopfte dann doch bei den Nachbarn an. Sie halfen beim Einkauf überbrückend.
Hm? Man schaut nicht gerne in diese Richtung, stimmt’s. Es sind so viele Überlegungen und Entscheidungen, die da anstehen. Und man verbindet damit natürlich auch Befürchtungen. Wer gibt schon gerne etwas ab. Und das gilt vermutlich besonders für Personen, die es gewohnt sind, immer alles alleine zu meistern und auf niemanden angewiesen zu sein.

Selbstverantwortlich planen
Grundsätzlich wird oft geraten, dass man sich so in etwa ab 50 langsam damit auseinandersetzen sollte, von wem man im Alter Hilfe bekommen könnte und welche Wohnvarianten es im Alter gäbe. Diese Fragen bekommen natürlich als kinderloser Single eine andere Dringlichkeit. Allerdings sind Kinder und ein Ehepartner keine Garanten für Betreuung oder Pflege. Also Vorsicht mit Erwartungen und Ansprüchen.
Da zwischen „keine Hilfe benötigen“ und „plötzlich Unterstützung brauchen“ oft nur ein ganz schmaler Grat liegt, ist in jedem Fall eine Auseinandersetzung bedeutsam. Sinnlos ist es allerdings, Ängste und Sorgen vorwegzunehmen und Panik zu schieben. Denn dann ist selbstverantwortliches Handeln und Planen schwer möglich.
Also, was ist zu tun? So wie man eine Reise plant, sollte man auch diese Lebensphase aktiv handelnd angehen und schauen, was man berücksichtigen muss.

Auf sich gut schauen
Achten Sie auf die üblichen Dinge, die immer angepriesen werden, d.h. bleiben Sie physisch, kognitiv aktiv, ernähren Sie sich gesund. Alles mit dem Ziel selbstbestimmt und unabhängig zu leben.
Ebenso wichtig sind die sozialen Kontakte. Einsamkeit und Isolation sind im Alter ein Risiko für Depression, Herzbeschwerden, Gedächtnisprobleme, erhöhten Blutdruck, ein erhöhtes Schlaganfallrisiko und begünstigen Bewegungsmangel, Schlafprobleme, schwächen das Immunsystem. Der alleinlebende und alleinstehende ältere Mensch steht dadurch in einem größeren Spannungsfeld, weil die sozialen Korrektive vermutlich mehr fehlen.

Bleiben Sie in Verbindung
Diese sozialen Korrektive, die wir alle so dringlich benötigen, müssen aufgebaut werden. Einsamkeit ist dabei nicht nur etwas, das einem widerfährt. Wie wäre es damit Gleichgesinnte, Verbündete zu suchen, eine Art Selbsthilferunde zu gründen oder eine Telefonkette zu initiieren? Nützen Sie auch die neuen Medien dafür. Über den zwischenmenschlichen Austausch bekommt man Verständnis, Anteilnahme, soziale Unterstützung. Man stellt fest, dass man ähnliche Probleme hat, findet vielleicht kreative Lösungen und kann bestenfalls gemeinsam herzlich Lachen, selbst wenn’s manchmal vielleicht auch schwer sein mag. Sich anzuvertrauen tut einfach gut.
Man könnte aber auch, wenn man keine eigene Familie hat, sich als möglicher Großelternteil anbieten, damit Familie für jemanden anderen sein und selber wieder Teil einer werden. Parallel dazu sollte man sich natürlich über die örtlichen Angebote von z. B. ambulanten Entlastungsmöglichkeiten erkundigen. Manchmal mag auch psychologische, psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein.
Wir alle sind in jedem Fall darin gefordert, aufmerksamer in der Nachbarschaft oder im täglichen Leben um uns zu blicken. Wenn wir selber jetzt auch niemanden brauchen, es tut vielleicht ein anderer. Solidarität ist ein Gut, das wir untereinander und füreinander wieder stärken müssen. Schauen wir hin – auf das eigene Alter. Und letztlich: zusammen ist man weniger allein.
 
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