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Salzachbrücke

Geschlechtskrankheiten

Mit dem Umsichgreifen der in den 1980er Jahren neuen Krankheit „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, besser bekannt unter AIDS, rückte nach Jahren rückläufiger Tendenzen wieder das Thema Geschlechtskrankheit ins allgemeine Bewusstsein.

Sexuell übertragbar
Sexuell übertragbare Krankheiten oder Venerische Krankheiten sind nichts Neues in der Menschheitsgeschichte – übrigens auch in der Tierheilkunde, dort bekannt unter „tiermedizinische Deckseuchen“. Doch bleiben wir beim Menschen.
STI oder STD sind gängige internationale Abkürzungen für „sexually transmitted infections“ oder „sexually transmitted deseases“. Manche dieser speziellen Krankheiten werden mitunter über Geschlechtsverkehr, andere (ziemlich) ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Es soll etwa 30 verschiedene Krankheiten dieser Kategorie geben, hervorgerufen durch Bakterien, Viren oder Pilze.

Syphilis, Tripper, AIDS
Zu den „Klassikern“ zählen Syphilis und Tripper, die über Jahrhunderte ihre verheerenden Spuren gezogen haben. Nachdem Entwicklungen der Medizin, vorwiegend die Entdeckung des Penicillins im Jahre 1929, auch bedrohliche Geschlechtskrankheiten behandelbar machten, schienen nach dem 2. Weltkrieg derartige „Lustseuchen“ besiegt zu sein. Doch inzwischen verbreiten sie sich aufs Neue, und zwar weltweit. Tripper gilt jetzt in manchen Berichten als eine der verbreitetsten Infektionskrankheiten.
Infektionen mit Chlamydien rangieren in Deutschland und Österreich unter den häufigsten Infektionskrankheiten. Mit Hepatitis B und C, Herpes Genitalis, Papillomviren (von denen einige zu Gebärmutterhalskrebs führen können) sowie bis hin zu Krätze und Filzlausbefall spannt sich ein breites Spektrum.
Im Vertrauen auf die Heilbarkeit von Krankheiten aller Arten macht(e) sich eine gewisse Sorglosigkeit breit, kombiniert mit teils erstaunlicher Unwissenheit.

Unwissenheit ist kein Argument
Heute kann sich jede Person selbstständig und dezent ausführliche Grundinformationen zum Thema Geschlechtskrankheiten übers Internet holen, kann sich bei Ärzten erkundigen oder Beratungsstellen kontaktieren. Vor allem junge Leute, die dem „www“ ohnehin aufs Engste verbunden sind, können und sollen die Chance der anonymen Info nützen. Unwissenheit und damit verbundene Sorglosigkeit sind nicht angebracht.
Anders sieht es aus mit Scheu oder sogar Angst, die diesen heiklen und intimen Bereich begleiten – trotzdem heißt es: Augen auf, sich vorab informieren, hinschauen und im Zweifelsfall den Weg zur Untersuchung antreten.
Hundertprozentigen Schutz vor Geschlechtskrankheiten gibt es nicht, es sei denn, totaler Verzicht auf Sex. Das Infektionsrisiko kann durch Monogamie, Gebrauch von Kondomen, Impfungen gegen gewisse Arten von STIs, Hygienebewusstsein, Information und offener Kommunikation reduziert werden – alles zusammen: Safer Sex.

Mit oder ohne Symptome
Auftretende Beschwerden treiben Patienten zum Arzt. Jedoch, aufgepasst, manche Infektionen erfolgen ohne Symptome oder die Symptome sind schwach ausgeprägt und werden zu Beginn übersehen. Dann setzen Behandlungen erst in vorgerückten Stadien ein, etwa bei starken Entzündungsschmerzen. Zu spätes Erkennen und späte Behandlung kann fatale Folgen nach sich ziehen.
Worauf soll man achten? Wer denkt bei Fieber über mehrere Tage, Schlappheit, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen gleich an eine Ansteckung mit dem „Humanen Immundefizienz-Virus“, der gefürchteten HIV-Infektion, die zum Ausbruch von AIDS führen kann?
Jucken, Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen, Ausfluss, Blutungen können auf eine STI hinweisen. Bei etlichen derartigen Infektionen treten Hautveränderungen wie Bläschen, Wucherungen, kleine Knoten und Geschwüre auf, an den Stellen der stattgefundenen Infektion.

Aufforderung zum HIV-Test
Nochmals sei hingewiesen auf Infektionen ohne erkennbare Symptome. Ansteckungen mit Chlamydien werden zum Großteil anfangs nicht erkannt, die Krankheit ist jedoch schon in dieser Zeit übertragbar – auf Sexualpartner oder auf ungeborene Kinder. Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit können Folgen sein. Auch HIV-Infektionen bleiben über Jahre symptomfrei, Hepatitis C und B über Monate.
Deshalb werden Tests empfohlen; zu den Untersuchungen im Rahmen des Österreichischen Mutter-Kind-Passes zählt auch ein HIV-Test. Es ist angedacht, in allen Vorsorgeuntersuchungen einen freiwilligen HIV-Test einzubauen. Wichtig wäre, laut HIV-Ambulanz am AKH Wien eine durchgehende Testung von homosexuellen Männern (die erhöhtes HIV-Risiko tragen) sowie von Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern mit hoher HIV-Rate.

Geschichte und Opfer von „Lustseuchen“
Wie im Vorspann erwähnt, machen Krankheiten vor Prominenz nicht halt. Freddie Mercury, Anthony Perkins, Rudolf Nurejew, David Bowie sind berühmte AIDS-Opfer. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens outeten sich über ihre HIV-Infektion: Conchita Wurst und Gery Keszler.
Eine weit verbreitete „Seuche“ war Syphilis (lat. Lues): Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Oscar Wilde, Katharina die Große waren Opfer dieser tabuisierten Krankheit. Auch Benito Mussolini und vermuteter Weise auch Adolf Hitler sollen infiziert gewesen sein.

Syphilis-Epidemie über Jahrhunderte
Die lange Zeit verbreitete Annahme, Syphilis wurde durch die spanischen Eroberer aus Südamerika erst 1492 in Europa eingeführt, scheint durch Skelettfunde aus früheren Jahrhunderten in England widerlegt. Wohl aber scheint die verheerende Ausformung der Syphilis erst nach Columbus in Europa erfolgt zu sein.
Verzweifelte Theorien zur Entstehung der Syphilis-Epidemie reichten bis in die Astrologie, wonach seltene Planeten-Konjugationen diese Epidemie im Mittelalter hervorgerufen hätten.
Ebenso verzweifelt waren die Versuche, die Krankheit zu heilen und reichten bis zum tödlichen Selbstversuch eines schottischen Arztes.
1905 wurde Treponema pallidum als Erreger erkannt. Behandlungen mit Quecksilber und Arsen führten zu schweren Vergiftungen und Penicillin brachte berechtigte Hoffnungen auf Heilung, wurde allerdings erst nach dem 2. Weltkrieg mit Erfolg eingesetzt.
Syphilis verläuft in mehreren Stadien. Beginnend mit teils unscheinbaren Symptomen wird, bei Nichtbehandlung, im letzten Stadium das zentrale Nervensystem angegriffen.
Diese „Geisel der Menschheit“ fand ihren Niederschlag in der Literatur, von Grimmelshausens Simplicissimus über Voltaires Candide bis zu Thomas Mann mit seinem Doktor Faustus.
Und nach wie vor lässt es sich Liebesgott Amor nicht nehmen, unangenehme und schwere bis tödliche Krankheiten zu verbreiten.
 
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