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Salzachbrücke

Mentales Training – mit dem Hirn in die Kraftkammer

Wer hat nicht seine verborgenen Träume, Herzenswünsche oder auch einfach aktuelle Ziele im Leben, die sich nicht und nicht erfüllen wollen?! Mag sein, dass wir uns das bisher noch gar nicht so recht bewusstgemacht hatten; wenn uns aber dann jemand so kommt, von wegen „Erfülle dein Leben!“, dann fangen doch langsam die Zweifel zu nagen an. Und je vollkommener und erfolgreicher dieses Leben uns vielleicht auch erscheint, desto schmerzlicher spüren wir dieses Nagen und kommen schließlich – vielleicht auch erst Wochen oder Monate später auf einen unscheinbaren Auslöser hin – zu der vagen Erkenntnis, dass da doch noch irgendetwas war: eine hehre Idee, ein Projekt aus jungen Jahren, ein immer wieder flüchtig auftauchender Gedanke vielleicht oder bloß eine undefinierbare innere Unruhe. Und dann stehen da neben der Aufforderung „Entfalten Sie Ihr Potenzial“ die Kontakt-Daten eines Mentaltrainers…
Mental bedeutet „geistig“. Es geht also offenbar um jene Ebene unserer Persönlichkeit, die hinter der körperlichen und der psychisch-emotionalen heute zusehends zu verkümmern droht – fremdbestimmt und satt, wie uns das digitale Zeitalter herangezogen hat. Warum also nicht mit diesem unserem Denkapparat in die Kraftkammer gehen? Warum nicht erfahren, was für Muster in unserem Kopf das steuern, was wir immer selbst zu entscheiden vermeint hatten? Warum nicht geistige Sit-Ups für unsere grauen Zellen erlernen? Und warum nicht die Landkarte unseres Geistes zu lesen lernen, um irgendwann vielleicht den Weg zum Quell dieser unerklärlichen inneren Unruhe zu finden…
Tiefsitzende Glaubenssätze, die sich über die Zeit scheinbar unveränderlich in unserem Gehirn festgeschrieben haben oder Bilder, die sich aus neuronalen Netzwerken ungefragt in unser Denken drängen, bloß weil sie da sind; Fragen, die wir nie formulieren konnten, Erkenntnisse, die wir nie einordnen konnten, Perspektiven, die einzunehmen wir nie gewagt hatten. – Es steckt doch viel mehr in uns, als wir in unseren eingelernten Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft von uns abverlangen. Warum also nicht danach forschen?
Es müssen ja auch nicht immer offene Fragen sein. Im Gegenteil kann es doch auch gerade umgekehrt darum gehen, dass wir eigentlich ziemlich genaue Vorstellungen von dem haben, was wir erreichen und sein wollen; dass wir aber auf einer gewissen Stufe etwas auf der Stelle treten; dass eine unsichtbare Hürde, eine gläserne Decke oder wiederum ein bestimmtes Muster in unserem Gehirn uns einfach nicht weiterkommen lassen. So wie beim Rauchen das Aufhören mit Hilfe des reinen Willens auf Dauer eine latente Rückfallgefahr birgt, sobald dieser Wille aus welchen Gründen auch immer an Kraft verliert; so kann auch manches Ziel mit dem alltäglichen Handwerkszeug wie Ehrgeiz, Ausdauer und Disziplin allein vielleicht nicht erreicht werden.
Bei vielen Rauchern gibt es im Gehirn einen Glaubenssatz, ein Muster, das sich umprogrammieren lässt – mit der erforderlichen Vertiefung in die eigenen Bewusstseinsebenen. Ebenso gibt es da und dort immer wieder Muster, die uns etwa glauben machen, etwas nicht schaffen zu können oder an einer natürlichen Grenze angekommen zu sein. So manchen Spitzensportlern soll es bereits gelungen sein, durch mentales Training solche Muster in sich zu entdecken und umzuprogrammieren. Weiter gedacht eröffnen sich da ungeahnte Möglichkeiten für die verschiedensten Bereiche unseres Lebens.
Das Ei des Columbus werden wir freilich auch mit dem Mentaltraining nicht finden, ebenso wenig wie den Stein der Weisen – wer solches verspräche, würde sich damit selbst als unseriös entlarven. Aber mit ein wenig Achtsamkeit und ganz unverkrampft sich selbst vielleicht einen Schritt näherzukommen oder im besten Fall jenes entscheidende Quäntchen mehr aus sich herauszuholen – das könnte unter Umständen schon einen Versuch wert sein…
 
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