. .
Salzachbrücke

Wintersuppen und Eintöpfe

Wie schon in der SALZACHbrücke 5/17 geschildert, können wir uns „von innen“ aufheizen und warmhalten. Ging es dabei um wärmende Gewürze im Allgemeinen, so stehen heute deftige Suppen und Eintöpfe auf dem Speisezettel – Gewürze gehören dazu.

Sylvia Nachtmann

Winter hat an Schrecken verloren, verglichen mit früheren Zeiten. Nicht nur wegen des Klimawandels, der für manchen „milden“ Winter verantwortlich scheint. Ob milde oder streng, Väterchen Frost kommt näher. Und wenn sich die Quecksilbersäule nicht mehr wesentlich über null Grad oder darunter bewegt, muss sich der Mensch rüsten, ganz selbstverständlich. Dass wir uns entsprechend anziehen und die Heizung hochschrauben, ist allen klar. Weniger bekannt ist die „kältegerechte“ Ernährung.

Heißer Tipp: heiße Suppe
Wer als Kind zum Suppe-Essen gezwungen wurde, entwickelte sich leicht zum Suppenkaspar. All diesen sei gesagt: Vergesst die Suppen von dazumal, viel köstlichere Kreationen erwarten euch!
Nur heiß zu sein, ist für eine wärmende Wintersuppe, die so nebenbei auch unser Immunsystem stärken soll, allerdings zu wenig. Auf die Zutaten kommt es an!
Da bieten sich unsere Gemüsesorten an, die im Winter geerntet werden beziehungsweise über die Wintermonate lagerfähig sind.
Hierzu gehören alle Kohlsorten mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und die tollen Wurzelgemüse von Karotten über rote Rüben, Sellerie & Konsorten. Da brauchen wir nichts Extravagantes, die Natur sorgt vor, regional für uns bedacht. Gemüsespeisen sind preisgünstig, aber längst keine Arme-Leute-Menüs mehr. Vor allem, wenn man auf Qualität bedacht ist.

Auf die Zutaten kommt es an
Wie in der vorigen SALZACHbrücke aufgezählt, spielen aufwärmende, gefäßerweiternde und durchblutungsfördernde Gewürze eine große Rolle für unser „inneres Stövchen“. Diese Gewürze kann man sich sehr effektvoll bei Suppen zunutze machen. Kochrezepte für Wintersuppen gibt es en masse – ob man sie exakt befolgt oder, mit etwas Erfahrung und Experimentierfreude, immer wieder leckerste Süppchen kreiert, wenn man sich „traut“, nebst Salz und Pfeffer (gemahlen oder als Körner) auch Ingwer, Chili, Muskat oder Kardamom beizurühren. Egal, ob man auf vegetarische Wintersuppen setzt oder lieber mit Rinder- oder Hühnersuppe aufgießen oder Fleischstücke oder diverse Würstel „einbauen“ möchte. 

Ideen reichen für den ganzen Winter
Von der Gemüsesuppe in klarer Brühe oder einer cremigen Variante mit püriertem Gemüse über Innviertler Kartoffelsuppe und Ungarische Gulaschsuppe bis zur Eigenkreation – da gehen die Ideen nicht aus.
Der klassischen Wiener Rindsuppe aus gekochtem Fleisch, Suppenknochen, Suppengemüse, Zwiebel, Liebstöckel und einer Prise Muskat wird neben Gourmet-Freuden auch eine Stärkung gegen Kälte und Grippe nachgesagt.
Noch „heilsamer“ als eine Rindsuppe oder -eintopf soll eine inhaltsreiche Hühnersuppe sein. Viele schwören auf Hühnersuppe als DAS Anti-Grippe-Rezept und bereiten sie spätestens dann zu, wenn es im Hals zu kratzen beginnt.
Linsen- und Bohneneintöpfe, kombiniert mit Kartoffeln und Wurzelgemüse, vielleicht noch ein Würstel oder kleine Speckwürfel dazu – das macht satt und zufrieden. Fleisch „heizt ein“. Suppe mit Fleisch – welch herrliche Eintöpfe entstehen!

Deftig, würzig, fett und nicht für jeden Tag
Winterzeit ist seit jeher Schlachtzeit. Da musste das Hausschwein dran glauben. Nicht jedermanns Geschmack, aber auch aus Schweinefleisch und Schweineknochen und aus einem Saukopf könnten Suppen zubereitet werden, eventuell verwendbar zum Aufgießen von Gemüsesuppen. Überaus deftig sind Selchsuppen – Rollschinken oder Kasseler mit Wasser bedecken, ausreichend Suppengrün und Lorbeerblatt dazu, eine Stunde dahinköcheln lassen. Ergibt eine geschmacksintensive Suppe – nicht für alle Tage.
Geselchtes rangiert wegen schädlicher Substanzen, die durch Feuer und Rauch entstehen, generell nicht oben auf der Liste der allergesündesten Lebensmittel und sollte nicht allzu oft verzehrt werden. Solchen Traditionssuppen haften mehr nostalgische Erinnerungen als heutige Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften an.

Zu Weihnachten: mal eine Karpfensuppe?
In unseren Breiten weniger vertreten aber durchaus nachahmenswert sind Fischsuppen. Etwa eine Karpfensuppe, wie sie in manchen Gegenden zu Weihnachten aufgetischt wird. Die Zubereitung klingt – wie alles, was aus toten Tieren gemacht wird – etwas makaber: Karpfenköpfe vom Körper trennen und mit Lorbeerblättern, Salz, Wacholder und Pfeffer eine Viertelstunde köcheln lassen; inzwischen Karotten, Sellerie und Petersilknolle klein würfeln und in Butter anschwitzen, dann mit Mehl bestäuben, den heißen Fischfond durch ein Sieb drübergießen – einige Minuten kochen lassen, würzen, Sahne dazu. Und natürlich auch Karpfenstückchen und Karpfenrogen einlegen und mit gehackter Petersilie bestreut servieren. ❄
 
Werbung