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Salzachbrücke

Vom „Jahrhundertloch“ zum Lieblingsparkplatz

Jemand von der Stadt Laufen hatte eine gute Idee – und irgendwie fingen die Probleme damit erst richtig an. Ausgangslage: Die zweigeschoßige, 126 Parkplätze fassende Tiefgarage am Briouder Platz war fast immer voll, sehr zum Leidwesen der Salzachhallen-Besucher. Dann bekam die Parkgarage zwei Schranken, eine Ampel und ein Bezahlsystem. Nach einer für alle Beteiligten nicht ganz leichten „Sondierungsphase“ hat sich das System jetzt eingespielt – nur muss man wissen, wie es funktioniert.

Elisabeth Strassert

Nach 18 Uhr im Winter des Jahres 2015 – die Tiefgarage am Briouder Platz ist voll. Jeden Abend. Warum? Weil neben Leuten, die was in der Altstadt zu erledigen haben, private Dauerparker den Parkraum nutzen, als wäre er ihr persönliches Eigentum – denn das Parken unter kommunalem Dach kostet in der Salzachstadt nichts. Noch nicht.
Nun könnte man sich ja freuen, dass das Parken in Laufens Untergrund regen Zuspruch findet, denn dafür wurde die Garage ja gebaut. Freilich waren damals, im Jahr 1980, beileibe nicht alle begeistert davon. Manch einer erinnert sich noch an die Kunstaktion „Jahrhundertloch“ von Heini Linkshänder, als die gigantische Baugrube klaffte.
Einen solchen Aktionskünstler hat Laufen heute nicht mehr zu bieten, trotzdem schaut der Briouder Platz immer wieder nach einer missglückten Kunstaktion zum Thema „Wildparken“ aus.
Jedenfalls ging die Stadt Laufen im Zeitraum von zwei Jahren Schritt für Schritt in die Richtung, das Parken in der Tiefgarage wieder für alle zu ermöglichen, auch wenn man einige Monate lang bezüglich des regelmäßigen Ein- und Auspark-Chaos das Gefühl hatte: „So schlimm war‘s noch nie!“
Inzwischen besitzt die Tiefgarage eine größtenteils richtig anzeigende Zählanlage, eine Ampel mit simplem Rot- oder Grün-Signal, Ein- und Ausfahrtschranken und ein praktikables Bezahlsystem. So ist der Parkraum unter dem Briouder Platz wieder für die Allgemeinheit nutzbar.
Freilich braucht es ein wenig Geschick beim Hineinfahren – Abfahrtradius und Parkzettel-Ausgabe sind aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht ganz ideal angeordnet. Geht aber – siehe Kastentext.

Heimlich gebaut:
Drittes UG in der Tiefgarage?
An wen würden Sie sich wenden, wenn Sie ein Problem hätten, für das die Stadt Laufen zuständig ist? Richtig: An die Face-book-Gruppe „Du kommst aus Laufen, wenn…“, an wen denn sonst. Jedenfalls scheint dies der Gedankengang zu sein, wenn verärgerte Zeitgenossen dort ihrem Frust Luft machen.
Übrigens gibt es bei der Stadt wiederum Menschen, die sich darüber ärgern, wenn Facebook-Gruppen zum Dampfablassen dienen und niemand den Zuständigen der Stadt Laufen direkt Bescheid sagt, welche Probleme auftreten. Für jeden Themenbereich gibt es Ansprechpartner und außerdem den 24/7 erreichbaren Online-Kummerkasten auf der Homepage.
Zurück zur Tiefgarage: Noch vor weniger als einem Jahr zeigte die Zählanlage immer wieder hunderte freie Plätze an. In besagter Facebook-Gruppe mutmaßte daraufhin jemand mit Augenzwinkern, ob die Stadt womöglich heimlich ein drittes und viertes Untergeschoß gebaut habe – eine andere Mitbürgerin stellte trocken fest, „…da wird halt das Zählwerk nicht funktionieren – oder?“
Inzwischen zählt jemand von der Stadt persönlich einmal pro Woche die Autos, um die freie Platzanzeige möglichst korrekt zu halten. Was viele noch nicht wissen: Auch heute ist die Tiefgarage für die allermeisten Erledigungen zu gebrauchen, weil sie einen halben Tag lang nichts kostet. Wer innerhalb dieser Zeit verzweifelt versucht, am Parkscheinautomaten sein Ticket zu entwerten, hat den kleinen Hinweis über der Einfahrt noch nicht entdeckt: „12 Stunden gebührenfrei“.

„Dauerparken“: Kein Kavaliersdelikt
Heute ist die Tiefgarage sogar zu Veranstaltungen in der Salzachhalle nicht annähernd voll, obwohl es immer noch ein paar wenige gibt, die ihre Autos offensichtlich permanent unten parken – monatelang, denn: Der „Ticketverlust“ kostet maximal 20 Euro. Ein guter Preis für einen Winterparkplatz unter Dach, mag mancher sich überlegt haben.
Zu diesem Thema sagt Laufens Geschäftsleiter Christian Reiter: „Die Massen-Dauerparker haben wir nicht mehr, das ist schon ein Teilerfolg. Die Schlupflöcher werden wir Zug um Zug zumachen. Fakt ist, krimineller Energie können wir keinen Riegel vorschieben, aber wir werden dieser mit allen uns zur Verfügung stehenden legalen Mitteln entgegentreten.“
Bevor sie gebührenpflichtig war, wurde die vollgeparkte Tiefgarage ganz besonders dann zum echten Problem, wenn mehr als eine Handvoll Besucher eine Veranstaltung in der Salzachhalle erleben wollten, aber keinen Parkplatz finden konnten.
Resultat: Verkehrschaos zwischen Einfahrt, Ausfahrt, Briouder Platz und B20.

„P Briouder Platz: 000 freie Plätze“
Denn natürlich kommen zu einer Veranstaltung auch Besucher von weiter her mit dem eigenen Pkw und wollen diesen verständlicherweise nicht mit ins Kabarett nehmen. Doch nicht nur ihr Auto hatte nichts zu lachen: Wer nicht parken kann, kann keinen Kunstgenuss erleben.
Man konnte höchstens den Briouder Platz blockieren, die Tiefgaragenabfahrt hinunterfahren, sich in der Einfahrt stauen oder rückwärts wieder hinauffahren. So manche haarsträubende Szene spielte sich hier ab.
Christian Reiter resümiert die schwierige Übergangszeit: „Als wir die Schrankenanlage mit Karten und Zählanlage in Betrieb genommen haben, hatten wir Fehlzählungen um 300 Stück, so viele Plätze sind gar nicht drin. Aber die zuständige Firma war sehr kooperativ und wir haben es geschafft, dass wir nur noch eine geringe Abweichung haben.“
Das Zählsystem registriert via Lichtschranke die Bewegung der beiden Schranken und ob ein Auto ein- oder ausfährt. Zusätzlich erkennt das System via Induktionsschleife im Boden die Anwesenheit eines Fahrzeugs vor der jeweiligen Schranke – drum gibt der Automat bei Zwei- und Vierbeinern auch kein Ticket aus.

„Göttin“ am Frauenparkplatz
Über das Parkverhalten der Tiefgaragenbenutzer wird viel diskutiert, im sozialen Netzwerk, im Geschäft oder im Lokal – es gibt eigentlich täglich eine Anekdote. Wenn es also mal wieder fad ist, kann man durch die Tiefgarage schlendern und schauen: wer zwei Parkplätze braucht, ob die „Göttin“ noch auf einem der Frauenparkplätze steht oder die hübsche „Giulia“ im Eck, man kann zählen, ob noch alle dauerparkenden Audis im U2 stehen und ob die Zählanlage insgesamt stimmt.
Eines ist jedenfalls klar: Parken im absoluten Halteverbot am Briouder Platz müsste nicht sein. Es gibt genügend Parkplätze unter Dach, wenn man in der Salzachstadt einkaufen möchte, einen netten Abend in einem Lokal oder in der Salzachhalle verbringen will.
Zum guten Schluss möchten wir für Menschen mit Humor und Kunstbewusstsein noch ein neues Thema für die nächste Facebook-Diskussion vorschlagen: „Du kommst aus Laufen, wenn… du gerne im Jahrhundertloch von Heini Linkshänder parkst!“



Tipps zum Parken

So geht’s: Parken in der Laufener Tiefgarage
  1. Is’ was frei? Blick auf die Stellplatzanzeige am Briouder Platz und auf die Ampel oberhalb der Einfahrt.
  2. Schee staad obi: Wenn von unten keiner kommt, im letzten Drittel auf die linke Spur hinüberfahren.
  3. Jetzert ummi: Kurz vor der Parkscheinausgabe so weit nötig nach rechts einlenken, Stopp vor der Schranke: Jetzt lässt sich der Parkschein vom offenen Autofenster ausziehen.
  4. Ned glotschert parken: Jedes Auto nur einen Parkplatz.
  5. 12 Stunden kost’s nix: Den Parkschein am besten griffbereit im Auto lassen, wenn man weniger als 12 Stunden parken wird. Ein Entwerten am Automaten ist bis dahin nicht notwendig.
  6. Falls was is‘: An der Ausfahrt-Schranke gibt’s eine Notfallrufnummer.
 
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