. .
Salzachbrücke

Hilfe, mein Haus steht unter Denkmalschutz!

Man darf nicht alles glauben, was man hört. So auch bei denkmalgeschützten Häusern. Eine Zumutung sei das, was vom Denkmalamt alles vorgeschrieben wird, behaupten die einen. Die anderen nehmen Kompromisse in Kauf, bekommen für denkmalgerechtes Restaurieren Zuschüsse und dürfen am Ende eine ganz besondere Immobilie ihr Eigen nennen.

Um Missverständnisse im Vorfeld auszuschließen: Es kommt beim Schutz von Baudenkmälern, mit denen wir uns heute befassen wollen, immer auf den Einzelfall an. Dass man wen kennt, der jemanden kennt, der den Auflagen-Horror erlebt hat, darf kein Maßstab sein. Denkmalgeschützte Gebäude sind immer eine Herausforderung, aber eine, die es sich Hand in Hand mit dem zuständigen Denkmalschutz-Beauftragten zu meistern lohnt. Nicht zuletzt gibt es verschiedene Fördermittel.
Dorothee Ott vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erläutert: „Was die Förderung betrifft, so gibt es keine festgelegten Fördersummen für bestimmte Maßnahmen, wie z. B. Betrag X für den Austausch eines Fensters. Vielmehr ist es so, dass für jedes Denkmal individuell ein Konzept erstellt wird und die Kosten ermittelt werden. Die Fördersumme wird dann auch auf Grundlage der Belastbarkeit des Bauherrn bemessen.“
Dabei ist auch vom Hauseigentümer ein Entgegenkommen gefragt, denn wer mit dem Kopf durch die Wand will und diese dabei niederreißt, macht sich im Denkmalpfleger keinen Freund. Das Bewusstsein dafür, dass die Struktur und Integrität des Hauses im Vordergrund stehen, hilft enorm beim Umsetzen von Restaurierungen, beim Renovieren oder auch bei – zu genehmigenden – Umbauideen.

Respekt vor dem, was früher war
„Wie die Jungfrau zum Kinde“ werden die wenigsten Menschen zu einem Denkmal kommen. Meist bewundert man schon jahre- oder jahrzehntelang architektonische und bauliche Besonderheiten, meist hat es einem eine bestimmte Bauepoche oder Bauform besonders angetan, seien es Jugendstilbauten, 200-jährige Bauernhäuser oder Stadthäuser der für unsere Region typischen Inn-Salzach-Bauweise.
Dabei ist es auch direkt vom zuständigen Mitarbeiter abhängig, inwieweit Umbauten genehmigt werden. Denn wie Denkmalschutz umzusetzen sei, ist durchaus bis zu einem gewissen Grad Ermessenssache. Praxis-Beispiel aus dem Rupertiwinkel: Der Bauherr erhält die historische Haustüre im Originalzustand und darf aber den Dachstuhl isolieren, um einen modernen Dämmungsgrad im Wohnraum zu erreichen.
Denn Ziel einer Sanierung wird fast immer sein, das Haus anschließend in einen nutz- bzw. bewohnbaren Zustand zu versetzen. Oft ist dafür ein Spagat nötig zwischen modernen Anforderungen und dem Erhalt der historischen Substanz.
Vor das „ich will“ sollte jeder, der mit dem Erwerb eines denkmalgeschützten Objekts liebäugelt, erst einmal den Respekt setzen davor, was ihm vorausging, was viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überdauert hat. Wir, die ein solches Gebäude nutzen wollen, sind eigentlich nur ein kleiner Teil seines Lebens, nicht umgekehrt.
Nicht zuletzt deshalb reizt viele Menschen ja ein altes Haus: Es besitzt diese gewisse Ausstrahlung, die ein langes Verweilen am selben Ort mit sich bringt. Wer sich darauf einlässt, kann das spüren, auch im größeren Maßstab: Ganze Altstädte oder Straßenzüge, die von den beiden Weltkriegen verschont geblieben sind, strahlen ebenfalls diese einladende Ruhe aus.

Verstehen, finanzieren und sanieren
Bevor man sich ins „Abenteuer Denkmal“ stürzt und ein sanierungsbedürftiges Häuschen für einen womöglich sehr niedrigen Kaufpreis erwirbt, ist wirklich wichtig zu wissen, was man tut. Dabei hilft ein Sachverständiger oder ein Architekt mit viel Erfahrung im Bereich Denkmalschutz und natürlich auch Ihr Denkmalschutz-Beauftragter. Die Einschätzung solcher Experten kann verhüten, dass man sich verkalkuliert.
Dann kümmert man sich um eine gesicherte Finanzierung des Ganzen, die für Unwägbarkeiten Luft nach oben hat. Denn unverhofft kommt bei alten Gebäuden besonders oft. Beispielsweise taucht unter dem Haus oder im Garten etwas auf, was für Archäologen interessant wird – schon verzögert sich der Baufortschritt bzw. die Sanierung, bis die Funde ausgehoben, gesichert und katalogisiert sind.
Möchte man eine Sanierungsmaßnahme durchführen, ist zunächst ein schriftlicher Antrag zu stellen, und zwar bei der Unteren Denkmalschutzbehörde am zuständigen Landratsamt bzw. bei der jeweils zuständigen Stadt in Deutschland oder der örtlich maßgebenden Abteilung des Bundesdenkmalamts in Österreich. Beiliegen sollten dem Antrag bereits ein Lageplan, die Beschreibung der Baumaßnahme, Fotos und eventuell weitere Unterlagen.
Vorschreiben kann das Amt dann etwa gewisse Baumaterialien und eine bestimmte handwerkliche Vorgehensweise beim Umbau: Diese für den Eigentümer manchmal durchaus lästigen Auflagen sollen dafür Sorge tragen, dass das Gebäude keinen Schaden nimmt. „Pfusch am Altbau“ wäre hier nicht nur schade, sondern fatal für den ideellen und faktischen Wert des zu erhaltenden Denkmals.
Wer nicht ganz nachvollziehen kann, warum von Amts wegen diese oder jene Auflage für Mehrkosten sorgt, sollte einfach nachfragen. Das Gespräch mit Fachkundigen erhöht das Verständnis für die Historie des eigenen Hauses und für die Hintergründe von Lehm- statt Betonbauweise, von denkmalgerechten, atmungsaktiven Dämmungen mit Strohmatten statt Styroporplatten.

Was darf ich, was nicht?
Wer sich nicht damit anfreunden mag, nur zu einem gewissen Teil „Herr im eigenen Hause“ zu sein, wird mit einem denkmalgeschützten Bau nicht dauerhaft glücklich werden. Denn für viele Maßnahmen muss ich als Eigentümer bei der Behörde schriftlich um Genehmigung ansuchen; egal, ob mein Denkmal links oder rechts der Salzach steht.
Will ich etwa an der Optik meines Hauses etwas ändern oder an der Substanz – ganz gleich, zu welchem Zweck – muss ich dem Denkmalschutzbeauftragten vorher die Möglichkeit zur Begutachtung der Maßnahme geben. Das muss nicht gleich ein Abreißen von ganzen Gebäudeteilen sein, das selbstredend genehmigt werden muss.
Solch eine Baumaßnahme kann auch das Entkernen eines Raums bzw. des ganzen Hauses sein: Türen, Türstöcke, Böden – sie sind Bestandteil des Hauses und stehen damit ebenfalls unter Schutz! Auch eine Außentreppe, ein Anbau, ein Aufzug oder Treppenlift muss vorher genehmigt werden.
Womöglich stehen Vorgarten, Mäuerchen und gusseiserner Gartenzaun mit unter Ensembleschutz – Umbauten oder weggerissene Teile müssen dann aufwendig rückgebaut werden. Vielleicht denkt man als Eigentümer beim Streichen oder Verputzen der Fassade gar nicht daran, dass diese selbstverständlichen Arbeiten genehmigungspflichtig wären – so ist es aber.
Ebenso ist für eine energetische Sanierung, die seit etlichen Jahren groß in Mode ist, erstmal eine Anfrage an die Untere Denkmalschutzbehörde bzw. das Bundesdenkmalamt nötig. Gleiches gilt bei Reparaturen von Fenstern und Türen, oder wenn ich beides komplett erneuern will. Auch Eingriffe in die Statik oder ein ausgebautes Dachgeschoß gehören dazu.
Will man beispielsweise neue Holzfenster mit gutem Wärmedämmwert einbauen, gilt es eine spezialisierte Schreinerei zu finden, die diese in teurer Einzelanfertigung herstellt – die Optik muss erhalten bleiben. Setzt man stattdessen ein Dämmfenster innen hinter das historisch wertvolle Bleiglas- oder Jugendstilfenster, ist dies nicht nur gut gegen Kälte, sondern zuallermeist auch genehmigungsfähig.
Logisch klingt wohl für die meisten, dass große Schaufenster nicht ohne das „Okay“ vom Amt ins Gebäude gebrochen werden dürfen. Aber: Die neue Garage oder der topmoderne Carport direkt am denkmalgeschützten Haus könnte genauso zum Problem werden. Denn auch diese Baumaßnahmen sind im Umkreis des denkmalgeschützten Gebäudes von Amts wegen genehmigungspflichtig.

Steuervorteile und Zuschüsse für‘s Kleinod
Neben steuerlichen Vorteilen beim Erwerb und Erhalt eines denkmalgeschützten Gebäudes gibt es von unterschiedlichen Seiten her Fördermittel und Zuschüsse. Auch hier lautet die Devise: Erst überlegen, dann durchrechnen, dann beantragen, und mit der Genehmigung in der Hand loslegen. Nur die Genehmigung berechtigt nämlich zum steuerlichen Anrechnen.
Fördertöpfe gibt es verschiedene – hier lohnt die Anfrage bei Stadt oder Gemeinde ebenso wie beim zuständigen Denkmalamt bzw. der österreichischen Bundesländerabteilung. Pauschal lässt sich auch hier nichts sagen, denn die Anfragen werden individuell geprüft und entschieden. Zudem gibt es Investitionszuschüsse für energieeffiziente Sanierung, zum Beispiel bei der KfW-Bank.
Auch die Öffentliche Hand beteiligt sich durch Zuschüsse an den Kosten von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Denn natürlich ist es im öffentlichen Interesse, historisch Wertvolles für die Nachwelt zu erhalten und erlebbar zu machen.
Broschüren für detaillierte Informationen gibt es direkt bei den zuständigen Denkmalämtern und auch im Internet zum Download. So sind beispielsweise Faltblätter über Solarenergie und Denkmalpflege erhältlich, energetische Modernisierungs-Informationen oder generelle Infos zum optimalen Ablauf von Baumaßnahmen.
Lohn der ganzen Mühe ist für den Eigentümer nicht zuletzt eine sehr wertbeständige Immobilie, die man nicht nur selbst nutzen, sondern auch zu guten Tarifen vermieten kann. Und wem die Begeisterung für Baudenkmäler in die Wiege gelegt ist, der freut sich ohnehin jeden Tag an seinem selbst renovierten, alte Geschichten erzählenden Kleinod. ♦
 
Werbung