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Salzachbrücke

Wohin mit den Wintersachen?

Wenn die Garderobe von den dicken Jacken und Mänteln befreit und im Kleiderschrank plötzlich alles viel leichter und luftiger wird, wenn der Osterschmuck hervorgeholt und wieder sorgsam verstaut wird, und wenn die Blumentöpfe und -kästen gesichtet und pflanzbereit gemacht werden, dann erfreuen wir uns alle unserer wohl durchdachten Ordnung im Haushalt. Kein langes Suchen oder Stöbern, kein unnötiges Umschichten und eventuell auch Öffnen von fünf Kartons, bis der richtige dabei ist, reichlich Platz im „Winterschrank“ und überhaupt ist alles griffbereit und übersichtlich. Wer diese Freude ehrlich teilen kann, darf getrost zum nächsten Artikel weiterblättern. Jene aber, die vielleicht schon lange eine Idee von solcherart unbeschwertem Ordnunghalten verfolgen, sie aber bislang nicht wirklich zum Greifen bekommen oder auch nur schlicht irgendwo verlegt haben, jene anonyme Mehrheit ganz normaler Menschen möge sich hier unter Gleichgesinnten wiederfinden und einige Anregungen zum ewigen Thema Ordnung und Stauraum mitnehmen.
Es bedürfte eines separaten Beitrags zum Räumen an sich im Sinne von Ausmisten, um erst einmal die wichtigste Voraussetzung für ein Ordnungssystem herzuleiten, das eine Chance auf Bestand hätte; da müsste sich zunächst jedes Ding ob seiner Daseinsberechtigung in diesem Haushalt rechtfertigen; da gälte es zu entsorgen, zu verkaufen oder zu verschenken, was nicht benutzt wird und auch sonst nicht zur Lebensfreude der Bewohner beiträgt; und da ginge es schließlich ans große Sortieren nach der Häufigkeit der Nutzung, um danach jedem Ding den idealen Platz zuweisen zu können, an dem es übersichtlich untergebracht und je nach Bedarf auch nahe seinem Einsatzort griffbereit verfügbar ist.

WOHIN MIT DEM REST?
Wenn nun also alles draußen ist, was wir loswerden konnten und die verbliebenen Dinge sich in die Grobstruktur „Alltägliches“, „Sporadisches“, „Saisonales“ und „Erinnerungen“ einordnen lassen, dann – aber sinnvollerweise wirklich erst dann! – stellt sich die konkrete Frage nach dem jeweils geeigneten Unterbringungsort. Zunächst werden wohl am besten die Dinge des alltäglichen und sporadischen Gebrauchs in den bestehenden oder allenfalls noch zu ergänzenden Schränken, Regalen und Kommoden im Wohnbereich und teils auch im Keller so Platz finden, dass jedes einzelne möglichst ohne große Umschlichtungen greifbar ist. Sind dann noch Kapazitäten im Keller oder Abstellraum frei, dann freuen sich Winter- oder Sommergewand, Faschingskostüme, Oster- und Weihnachtsschmuck etc. natürlich auch über einen Platz, wo sie bei Bedarf schnell entnommen und dann auch wieder geordnet verräumt werden können, ohne dass es gröberer Umbauaktionen bedarf.
Was wirklich in den schwerer zugänglichen Winkeln und irgendwo in der letzten Reihe versteckt werden kann, sind jene Erinnerungen und Kindersachen, von denen wir uns beim besten Willen (noch) nicht trennen konnten, die aber aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren ebenso wenig hervorgeholt werden dürften, wie in den vergangenen. Für all die Schul- und Spielsachen, ausgesuchte Babywäsche und, nicht zu vergessen, fünf zerknitterte Martins-Laternen bieten sich etwa verborgene Kellerwinkel oder – feuerpolizeiliche Eignung vorausgesetzt – jene Dachschrägen an, zu denen man ohnehin nur gebückt durch halbhohe Türchen vordringen kann. Eine Aufbewahrung in dicht verschlossenen Kunststoffboxen empfiehlt sich dabei unbedingt: weder Staub oder allfällige Feuchtigkeit noch Ungeziefer sollen den wertvollen Artefakten unserer Familiengeschichte etwas anhaben, bevor sie dereinst von unseren dann volljährigen Kindern ohne auch nur die Spur eines Wimpernzuckens ewigem Vergessen anheim gegeben und entsorgt werden…

WENN ALLES ÜBERQUILLT
Zurück zu den Dingen, die wir tatsächlich in Verwendung haben: Ob Alltagsgegenstände oder Saisonales, es gibt wohl kaum einen Haushalt, wo wirklich alles so griffbereit und übersichtlich Platz findet, dass nicht doch noch etwas planlos im Wege steht, sich Dinge lästig stapeln oder mancher Aufwand unnötig groß ist, um häufiger Benutztes hervorzuholen. Oft erschlägt uns bereits im Vorraum eine überquellende Garderobe, oder Schuhe für jeden nur denkbaren Einsatz drohen Reihe um Reihe den ganzen Fußboden einzunehmen.
Bei nüchterner Betrachtung reduzieren sich die Jacken und Schuhe des täglichen Bedarfs schnell auf einen Bruchteil dessen, was hier im eiligen Aufbruch oft hektisch von einem Haken zum anderen geschlichtet oder zur Bodenreinigung mühsam beseitigt werden muss. Das verbleibende Schuhwerk ließe sich dann auch dezent im schmalen Schuhschrank unterbringen – verfügbar in allen Designs und Größen, mit oder ohne Spiegeltür. Schuhe und Bekleidung für draußen, die nur fallweise benutzt werden, können in eben diesen Fällen auch ohne weiteres aus einem Schrank oder Regal im Flur oder Halbstock oder vielleicht sogar aus dem Keller geholt werden. Ein immer aufgeräumt wirkender und leicht rein zu haltender Vorraum sollte uns diese seltenen zusätzlichen Wege wert sein.
Das Gleiche gilt übrigens für so manche Sport-, Spiel- und Freizeitgegenstände, aber auch Schul- oder andere Taschen, die sich durch Bequemlichkeit mit der Zeit scheinbar einen Stammplatz im Vorraum, Stiegenhaus oder gar im Wohnzimmer erschlichen haben. Schultaschen mögen ja durchaus täglich zum Einsatz kommen, vielleicht wird auch die Sporttasche mehrmals wöchentlich ins Fitnesscenter etc. ausgeführt; das rechtfertigt aber noch lange nicht, dass ein Durchgangsbereich verengt oder einem Wohnraum der flüchtige Charme eines Bahnsteigs verpasst wird und schon gar nicht, dass die Mitbewohner tagein, tagaus nicht bloß optisch über diese Fremdkörper stolpern; mitunter sogar noch begleitet vom herben Duft verschwitzter Sportkleidung und -schuhe. Hier lohnt es jedenfalls, eine Unterbringung in der Garage, im Keller oder eben in den Zimmern der jeweiligen Benutzer klar zuzuordnen und einzuhalten.

TOTE RÄUME ERWECKEN
Die Bereinigung der zuvor genannten Missstände fällt freilich umso leichter, je günstiger sich ein Stauraum im Nahebereich des Vorraums anbietet. Das kann bei großzügiger Bauweise durchaus auch eine Schrankwand im Gang oder Vorhaus sein, wenn der Durchgangsbereich dadurch nicht übermäßig beengt wird. Eine grifflose Ausführung mit der sogenannten „push to open“-Technik weitet den Raum auch optisch. Manchmal eröffnen sich lange übersehene Räume unter einer Treppe oder in Mauernischen und Winkeln, wo bisher nur Omas alter Rumtopf oder die „geschmackvolle Bodenvase“ vom Diskonter mit einem Schüppel verstaubter Schilfgräser als dekorative Platzhalter dienten. Mit passenden Einbaumöbeln, einem maßgefertigten Schrank oder in der Sparvariante einem Regal mit Vorhang werden solche bislang toten Winkel der Wohnung massiv aufgewertet; vor allem dann, wenn jene Gegenstände darin Platz finden, die – wie eben beschrieben – sonst unschön in der nächstbesten Ecke landen.
So ein Einbauschrank im Flur oder Stiegenhaus ist gleichzeitig der ideale Ort für Reinigungsgeräte und -mittel, die im gesamten Wohnbereich Verwendung finden, so kein eigener Wirtschaftsraum vorhanden ist. Bei sehr beengten Raumverhältnissen lassen sich Kehr- und Wischgeräte und sogar der Staubsauger an die Wand hinter der Tür zur Speisekammer oder zum Keller hängen. In einem an die Tür zu hängenden Ordnungssystem etwa für Schuhe lassen sich auch Reinigungsmittel, -tücher usw. übersichtlich und griffbereit verstauen. Auch schmale, hohe Schränke in Bad oder WC können diesen Zweck erfüllen.
Putzmittel samt Zubehör für Küche und Bad finden gerne im Unterbauschrank unter dem Waschbecken oder der Abwasch Platz. Vereinzelt werden sogar U-förmige Laden angeboten, um auch den Raum vor und neben dem Becken für Kleinteile zu nutzen. Nach dem gleichen Prinzip lassen sich Regale für Badeutensilien unter dem Rand einer frei stehenden, unverschalten Badewanne anbringen. Um sich den Umbau zu ersparen, kann man sich mit Hängeregalen behelfen, die unter Umständen sogar ohne eigene Haken an der Duschwand Platz finden. Auch Innenflächen von Schranktüren werden gerne genutzt, um in flachen Hängesystemen Kleinigkeiten griffbereit zu verstauen.
In der Küche ist praktisch nie genug Platz. Umso wichtiger ist einerseits die klare Einordnung der Geräte und des Geschirrs nach der Frequenz der Nutzung. Auch hier gilt, dass spezielles Weihnachtsgeschirr oder Sommergläser, Toaster oder Fritteuse, und vor allem auch die Essensvorräte zumindest in einer Speisekammer, wenn nicht gleich im Keller besser aufgehoben sind, als zwischen all den täglich benutzten Dingen im Arbeitsbereich Küche. Bei deren Einrichtung ist allerdings meist noch Optimierung möglich: das Ringelspiel im Eckschrank zählt zwar schon zum Standard, aber wer hat etwa schon Sockelschubladen?
Der zwölf bis zwanzig Zentimeter hohe Freiraum zwischen Fußboden und der Bodenplatte des Küchenschranks ist in der Regel ordentlich verblendet, beherbergt dahinter aber nichts als muffigen Lurch mit Bröseln garniert. Intelligente und stabile Ladensysteme anstelle der nutzlosen Blenden schaffen nicht bloß ungeahnten Stauraum – sei es für Kuchenbleche oder die Trittleiter –, sie helfen auch als Stufe beim Erreichen höhergelegener Fächer; denn nicht bloß über dem Fußboden, auch unter dem Plafond fassen – diesfalls nach oben – erweiterte Hängeschränke einiges an seltener benötigtem Kochgeschirr etc., das hier jedenfalls rascher zugänglich ist als im Keller.

UND DIE WINTERSACHEN?
Bettzeug, Kleidung und Accessoires, die jeweils nur in der kalten oder warmen Jahreshälfte zum Einsatz kommen, teilen sich sinnvollerweise die gleiche Unterbringung. Die oberste Reihe Fächer im Schlafzimmer-Wandschrank hat oft genug Platz für das saisonal nicht benötigte Gewand oder auch für dicke bzw. leichte Decken. In hinreichend großen Räumen oder gegebenenfalls im Gästezimmer kommt unter Umständen ein eigener Winter-/Sommer-Schrank unter, eventuell auch im Keller. Ein wirklicher Zugewinn an Raum ist aber unter den Betten zu lukrieren. Und dabei muss es nicht immer gleich das Tischler-Bett sein mit etwas erhöhter Liegefläche und darunter optimal verbauten, leicht gängigen Laden in mehreren Etagen und nach mindestens zwei Richtungen zu öffnen. Bis das Sparschwein dafür genug abwirft, tun es auch Kunststoffboxen oder Bettladen aus Holz, die sich unter das Bett rollen lassen. Darin können nun Wintersachen und Bettwäsche – bei offenen Laden am besten im Vakuumbeutel –, im Kinderzimmer aber auch Spielsachen und die Rennbahn verräumt werden.
Im besten Fall muss freilich nicht auch der letzte freie Winkel noch genutzt werden, um jedem Ding im Haus einen ordentlichen Platz zu geben. Die saisonalen Situationen des Räumens und Verräumens bieten sich gerade dazu an, zwischenzeitlich wieder einmal etwas Ballast loszuwerden und das Gedränge in Schränken und Regalen auszulichten.
 
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