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Salzachbrücke

Kuba - Rum, Zigarren und Musik - eine pulsierende Insel im Aufbruch

Die größte Insel der Karibik bietet auch die größten Kontraste und lässt sich mit anderen Karibikinseln kaum vergleichen. Menschen aller Kulturen und Hautfarben, die trotz harter Zeiten fröhlich und gastfreundlich geblieben sind, laufen durch die pulsierenden Städte, wo sich Musiker und prunkvolle Kolonialgebäude mit zerfallenen Häusern und heruntergekommenen Geschäften mit tristen, leeren Schaufenstern abwechseln. Am Land wird man sofort in die 50er Jahre zurückversetzt und fährt durch schläfrige Dörfer mit ständig wechselnden Landschaften. Die halbleeren Straßen werden von bunten, amerikanischen Oldtimern und Eselskarren geteilt, denn auf Kuba wird nichts gekauft – nur repariert!
Der Sieg der Revolutionäre unter Fidel Castro Anfang 1959 schaffte den einzigen kommunistischen Staat in der westlichen Hemisphäre. Seit ca. 10 Jahren gibt es eine schrittweise Lockerung im Berufsleben und bei den Reisebestimmungen. Anfang 2015 wurden diplomatische Beziehungen mit den USA wiederaufgenommen und man kann jetzt in der Tat von einer „Aufbruchsphase“ sprechen. Allerdings ist die Revolution trotzdem in den Köpfen der Bevölkerung allgegenwärtig und man wird täglich von Monumenten und Parolen an den Brücken und Gebäuden daran erinnert.
 
Havanna und der Westen
Unsere Reise fängt in der faszinierenden Hauptstadt Havanna an, wo es sich lohnt, einige Tage im „kubanischen“ Tempo durch die Gassen und Plätze der Altstadt Habana Vieja zu schlendern. Hier regiert Nostalgie pur und man staunt über die 900 historisch wichtigen Gebäude, die alle architektonischen Stile von Barock bis hin zum Art Deko aufweisen. Auf der Straße herrscht ein reges Treiben mit talentierten Musikern und bunt gekleideten Frauen, die ihre Waren verkaufen und dabei riesige Zigarren rauchen! Um das Havanna-Erlebnis abzurunden, gibt es Pflichtbesuche in einer Zigarrenfabrik und eine Besichtigung bei der Rumproduktion der berühmten Marke Habana Club. Auch hier wird man gleich in die Zeit der Revolution zurückversetzt – Wände voller Parolen und Bilder von Che und Fidel, und Maschinen, die es bei uns nur noch im Museum gibt.
Voller Interesse geht es weiter Richtung Westen durch die malerische, grüne Hügellandschaft des Vinales Tales, einem geografischen Highlight Kubas. Eine Übernachtung auf eine der Cayos (z.B. Levisa) bietet sich an, um am feinen Sandstrand Energie zu tanken, bevor die lange Reise wieder weitergeht.
 
Zentralkuba
Die nächste Anlaufstelle ist Santa Clara, geografischer Mittelpunkt der Insel und ein wichtiger Ort für die „revolucionarios“ (Che Guevara befreite die Stadt im Dezember 1958 und besiegelte so das Ende des Batista Regimes). Ein Teil der Fahrt wird sogar in einer erstaunlich gut erhaltenen Dampflok bewältigt, mit einer kurzen Unterbrechung bei einem frisch gepressten Zuckerrohrsaft. Ein Land ohne Coca Cola hat ja auch seine guten Seiten!
Über Cienfuegos mit ihren großzügig angelegten Plätzen und Avenidas fahren wir nach Trinidad, eine der schönsten Städte Kubas. Hier haben wir das Glück, ein Zimmer mit Balkon im eleganten Gran Hotel zu bekommen und können so dem Treiben am Plaza Mayor stundenlang zuschauen. Die stolzen Kubaner flanieren im besten Gewand und bleiben überall stehen, um mit den Freunden zu plaudern und zu lachen. Rikschas mit einer Abdeckplane dienen als Taxi und teilen die Straßen mit vollbeladenen Fahrrädern und frisch polierten Cadillacs. Den Abend verbringen wir in einer Casa de la Trova, einem Musikhaus, wo wir einen Ohrenschmaus mit typischen Klängen und Rhythmen der kubanischen Musik bekommen. Früher waren diese Häuser für die „Wandermusiker“ gedacht und heute bieten diese in jeder Stadt eine ausgezeichnete Möglichkeit, die temperamentvolle Stimmung der Kubaner und ihre emotionale Musik zu genießen.
Unsere Route führt uns immer weiter östlich zu den interessanten Städten Camaguey und Bayamo. Je weiter ostwärts wir fahren, desto trockener wird es und aus der üppigen, grünen Vegetation im Westen wird eine Landschaft mit weniger Bäumen, hohen Gräsern und Kakteen.

Der Osten Kubas
An der Südostküste endlich angelangt, kommen wir zum nächsten Highlight – Santiago de Kuba. Es empfiehlt sich, zuerst auf die 10 km südlich des Hafens gelegene Festung Castillo de San Pedro zu fahren, um die schöne Aussicht auf die Bucht zu genießen. Von hier aus versteht man gleichzeitig die strategische Relevanz der Stadt. Im Zentrum gibt es unzählige kulturelle und architektonische Gustostücke, aber neben der Kathedrale soll man unbedingt das Haus von Diego Velasquez aus dem Jahr 1522 besichtigen (das älteste Gebäude Kubas und Residenz des ersten Gouverneurs).
Auf dem Weg nach Guantanamo fahren wir hoch hinauf ins imposante Gebirge Sierra Maestra, und bleiben schließlich bei dem kleinen Bauernhof Granjita Siboney stehen. Von hier aus fuhr Fidel Castro am 26. Juli 1953 in einer geheimen Nacht und Nebel Aktion mit 26 Autos los, um die Kaserne in Santiago anzugreifen. Das Haus ist mit vielen ursprünglichen Gegenständen noch ausgerüstet, aber am allergrößten ist natürlich der symbolische Wert. Nach einer interessanten Führung geht es dann in die östliche Stadt Bayamo, die letzte Station unserer Rundreise – einer Gegend, wo die drei Buchstaben KKK regieren: Kokos, Kakao und Kaffee. Diese Kleinstadt, die noch nicht vom Tourismus entdeckt wurde und teilweise nur noch über Schlammstraßen erreichbar ist, ist zwar etwas heruntergekommen, aber in vielerlei Hinsicht auch der Inbegriff vom heutigen Kuba und zeigt auch deutlich, dass dieses fröhliche Volk doch noch einen langen Weg vor sich hat.



REISETIPPS:
Bei einer Länge von 1.200 km und einer Küste mit 300 Stränden und zahlreichen vorgelagerten Cayos (Kleinstinseln), ist eine Rundreise unbedingt zu empfehlen. Die Reise lässt sich sehr effizient gestalten, wenn man Varadero oder Havanna im Westen anfliegt und von Holguin im Osten die Heimreise wieder antritt. Die Zeit, die sonst bei der langen Rückreise geopfert werden müsste, kann stattdessen an einem der wunderschönen Sandstrände an der Nordküste verbracht werden. Die beste Reisezeit ist die trockene Periode zwischen November und April.
Es gibt zwei Parallelwährungen: die Landeswährung ist der kubanische Peso, allerdings ist die Ein- und Ausfuhr dieser Währung nicht gestattet. Als Tourist kann man mit dem Peso Convertible bezahlen (entspricht ca. 1 USD), und gewechselt wird überall zu denselben Kursen.
Man kann in günstigen Privatunterkünften übernachten (casas particulares), aber unbedingt empfehlenswert sind die alten historischen Hotels, die sich seit Hemingways Zeiten kaum verändert haben und einen einzigarten Charme vermitteln.
 
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