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Salzachbrücke

Singend besser älter werden

Sie können sich doch sicher an das Singbuch „Komm sing mit“ erinnern. Genauso geht es Frau B. (79), bereits als Mädchen hatte sie gerne gesungen. Ihr Schulweg sei ein weiter gewesen, aber ein fixes Ritual habe sie mit ihren Geschwistern dabei immer gehabt, erzählt sie. Sie meisterten diesen Weg singend. Dementsprechend viele Lieder kommen ihr in den Sinn, denkt sie an diese Zeit und dabei strahlt sie und beginnt zu singen. Seit der Pension habe sie endlich wieder Zeit dafür. Wöchentlich singe sie in einem Kirchenchor. „Es beflügelt mich“, sagt sie voller Freude. „Das Singen tut mir einfach gut und meine Stimme wurde sogar kräftiger.“
Ebenso berichtet Herr R. (81), dass er am liebsten gemeinsam mit seiner Frau im Radio „Pirnis Plattenkiste“ höre. Jeden Sonntag und an Feiertagen, jeweils um 17 Uhr, würden sie mit einer Schale Tee beisammensitzen und Radio hören und bei vielen Liedern aus ihrer Jugendzeit mitsingen und dann und wann ein kleines Tänzchen wagen. Die Lieder seien „wie Balsam auf der Seele“. Die Zeit vergehe wie im Flug, sagt er: „... wenn man in Erinnerungen schwelgt, über Textpassagen herzlich lacht und, ja, die Sorgen verblassen“.
Ja, aber was vermag nun das Singen insbesondere für Ältere alles? Singen wirkt biopsychosozial auf verschiedenen Ebenen, die wiederum untereinander interagieren.

Singen ist körperliches Training
Zuallererst wäre einmal der körperliche Effekt zu nennen. Durch das Singen werden Lunge und Atmung gefordert, da man beim Singen tiefer, bewusster atmet. Die (Bauch)Atmung wird dadurch geübt und die Sauerstoffversorgung wird besser. Sogar lungenkranke Menschen profitieren vom Singen.
Mit zunehmendem Alter verändert sich auch die Stimme. Sie verliert an Kraft und Ausdauer, kann brüchig werden. Mit dem Singen kann man dem entgegenwirken. Und mit der Übung kommt das Vertrauen in die eigene Stimme. Nicht zu vergessen, dass die Stimme Ausdruck ermöglicht, wir uns damit vermitteln. Wir sprechen leise, laut, unterdrückt, flüstern, erheben die Stimme bei Aufregung und Ärger. Und manchmal singen wir. Unsere Stimme ist ein wichtiges Instrument. Also gilt es zu singen, damit die Stimme stark bleibt und selbst dann oder eben gerade dann, wenn jemand zum Reden fehlt. Ebenso aktiviert das Singen die kognitiven Fähigkeiten. Dem Gehirn werden dabei Koordinationsleistungen abverlangt. Man muss sich den Text behalten, auf den Rhythmus achten und man muss sich mit anderen, mit der gehörten Musik oder einem Instrument in der Tonlage, im Einsatz abstimmen. Also eine mehrfache Leistung.

Singen weckt Erinnerungen
Singen beinhaltet aber einen weit größeren Effekt als nur den körperlichen, da Singen Erinnerungen mobilisiert, aber auch neue schafft. Jeder kennt dieses Phänomen, das uns mit einem speziellen Lied ein Erinnerungsschwall überfluten kann. Singen ist mit unseren Gefühlen verknüpft. Dieses Wecken von Erinnerung wird z.B. auch in der Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen genützt. Gerade wenn Worte fehlen, gelingt über Musik und Singen ein Zugang und dabei werden tiefliegende Erinnerungen und Texte wachgerufen. So erreicht das Singen immer wieder erstaunliche und sehr berührende Phänomene, wenn z.B. Frau A. (86) einen Refrain von einem Schlager mitsingt, obwohl sie kaum mehr spricht.

Stimmung heben
Wer singt, kennt die stimmungsaufhellende, ja fast antidepressive Wirkung, die dabei entsteht. Als würde man bei manchen Liedern von der Musik getragen werden und in eine Art Selbstvergessenheit geraten. Singen reduziert Angst, Stress, das Gefühl von Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und lässt Kummer, so wie Herr R. sagt, verblassen. Singen vermag Erfüllung zu schenken, berührt unsere Herzen, schafft Zugang zu unseren Gefühlen und gibt uns die Möglichkeit, Emotionen zu leben. Durch Singen verbessern wir unsere Vitalität, Resilienz, stärken Selbstbewusstsein, das Gefühl etwas bewirken zu können und dienen damit auch der seelischen Gesundheit.

Verbindung schaffen
Singen hat nun auch noch einen sozialen Aspekt, denn Singen schafft Verbindung, bringt Menschen, jung und alt zusammen und hilft Kontakte zu knüpfen und zu vereinen. In der Regel singt man ja nicht alleine, sondern mit anderen gemeinsam. Man lernt neue Menschen kennen und kann Beziehungen pflegen. So hat sich Frau B. im Kirchenchor über die Jahre z.B. einen kleinen Freundeskreis aufgebaut. Singen schafft aber darüberhinaus auch das Gefühl von Verbundenheit im spirituellen Sinne.
Singen stellt letztlich eine sinnvolle, sinnstiftende Beschäftigung dar und eignet sich ideal für Ältere, weil man das Nötige immer mit dabei hat. Die Stimme. Singen stärkt also in jeder Hinsicht und verbessert die Lebensqualität.
Also singen Sie, – ob alleine unter der Dusche, beim Kochen oder wenn Sie selbstvergessen aus dem Fenster blickend eine Melodie summen. Und wenn kein Chor in der Nähe ist, gründen Sie einen Singkreis, singen Sie mit. Singen fordert, fördert, bildet und verbindet. Vertrauen wir unseren Stimmen und erheben wir sie!
 
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