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Salzachbrücke

Sicher unterwegs mit Wohnmobil und Anhänger

Was Sie alles auf Tour brauchen, soll uns hier nicht aufhalten: Dutzende Checklisten mit detaillierten Beschreibungen finden sich online, beim Wohnmobilvermieter, im Wohnwagenhandel oder beim Campingzubehör-Verkäufer. Vielmehr interessiert uns, wie gut Sie Ihr Gefährt beim Fahren beherrschen, vor allem, wenn‘s einmal brenzlig wird.
Schnell und richtig reagieren ist entscheidend, denn die Unfallforschung der deutschen Versicherer (UDV) hat in einer Studie herausgefunden, dass es zwei Hauptgründe für schwere Unfälle mit dem Wohnmobil gibt. Ziel solcher Studien ist, mit Hintergrundforschung Unfälle vermeiden zu helfen.

Was passiert beim Unfall?
Unfälle mit Wohnmobilen und Wohnwägen kommen vergleichsweise selten vor; wenn, sind sie aber schwer. Häufig sind dabei Auffahrunfälle. Was Wohnmobile angeht, so sind sie laut Studie oft überladen, die Gegenstände schlecht gesichert. Was die Fahreigenschaften betrifft, ist das Wohnmobil einem modernen Pkw meist deutlich unterlegen.
Immer noch sind Bremsassistent und weitere Fahrassistenzsysteme nicht in jedem Miet-Wohnmobil Standard; hiermit muss sich der Fahrzeuglenker erst einmal auseinandersetzen. Auch bei den Zulassungszahlen ist eine kontinuierliche Zunahme von Reisemobilen zu verzeichnen.
Die beiden häufigsten Unfallursachen gehen dabei Hand in Hand: Zögerliches Bremsen und Überladung. Richtig „in die Eisen steigen“ traut man sich eben nicht, wenn man gleichzeitig Sorge hat, dass einem die Einrichtungsgegenstände buchstäblich um die Ohren fliegen.
Ein Crashtest der UDV mit 70 km/h hat entlarvt: Zwar verhalten sich Wohnmobile auch im Grenzbereich recht gutmütig, die ungesicherte Ladung allerdings kann zum wild umherfliegenden Geschoss werden und die Insassen schwer verletzen.
Häufig sind auch Schlingerunfälle, das heißt, der Wohnwagen hinter dem Auto fängt unkontrolliert zu schleudern an und reißt das Auto mit sich – YouTube ist voll von solch gruseligen Unfall-Szenarien. Da fliegen schlingernde Wohnwägen plötzlich ab wie Spielzeug, bevor sie in „stabiler Seitenlage“ zum Liegen kommen. Warum? Die Untersuchungen zeigen, dass zuallermeist falsche Beladung und ein zu hoher Schwerpunkt des Anhängers die Ursache sind.

Richtiges Beladen vermeidet Unfälle
„Ich packe mein Wohnmobil und nehme mit...“ – doch Halt, wie erkenne ich beim Einpacken als Fahrer, dass mein Wohnmobil oder Wohnanhänger falsch beladen ist, dass mein zulässiges Gesamtgewicht überschritten ist oder ob ich eine der Achsen überladen habe?
Dies sind wichtige Themen, denn bei Verkehrskontrollen fallen rund die Hälfte aller Campingfahrzeuge mit zu hohem Gewicht auf, rund elf Prozent müssen sogar an Ort und Stelle ihr Gewicht verringern, um überhaupt weiterfahren zu dürfen. Das ist – gerade im zeitlich meist knapp bemessenen Urlaub – bitter.
Eigentlich ist es einfach: Bei Prüforganisationen wie DEKRA, TÜV oder ÖAMTC kann man Wohnmobil und Wohnwagen wiegen lassen, bevor man sich auf weite Fahrt begibt. Genauso geht dies oft beim örtlichen Abfallentsorger oder anderen Firmen, die ihre Lkw wiegen müssen.
Gewogen wird der Anhänger im abgehängten Zustand, das maximal erlaubte Gewicht ist das im Fahrzeugschein eingetragene „zulässige Gesamtgewicht“ unter Ziffer F1. Einfachste Variante, viele Kilo Fahrgewicht zu sparen: Den Wassertank erst am Campingplatz befüllen.
Ob Wohnmobil oder Wohnwagen, die erste Faustregel beim Bepacken lautet: Schweres und Großes nach unten, Leichtes in die oberen und mittleren Staufächer. Zweite Regel: Rechts und links gleichmäßig beladen! Drittens: Alles festzurren, was nicht niet- und nagelfest ist. Staufächer ohne Sicherheitsverschluss für die Fahrt mit Panzertape sichern. Kein Scherz! Kerzenständer oder Geschirrteile fliegen unkontrolliert herum, wenn erst einmal Fliehkräfte wirken. Größere umherrutschende Massen sorgen mit ihrem Gewicht zusätzlich für ein Unfallrisiko, wenn sie sich beim Bremsen oder Ausweichen unkontrolliert bewegen.

Wer gut wiegt, der gut fährt
Einfach mit der eigenen Personenwaage testen lässt sich die sogenannte Stützlast, wenn Sie einen Wohnanhänger an den Haken nehmen. Den Stützlast-Aufkleber finden Sie in der Nähe der Anhängerkupplung, notfalls in den Fahrzeugpapieren nachlesen. Hier findet sich der Hinweis, etwa auf „max. 75 kg“.
Eine Überladung ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern kann letztlich auch saftig bestraft werden. In Deutschland lassen sich die Strafen noch aus der Urlaubskasse zahlen, denn hier werden bei 5 % Überladung etwa 50 Euro fällig.
In Österreich dürfen Sie mit deutlich mehr rechnen: Hier wiegt die Verkehrskontrolle vor allem auf Autobahnen häufig und eine Überladung kostet schnell bis zu 2.000 Euro. Auch in Italien und der Schweiz kann zuviel Gewicht empfindlich teuer werden.
Last, not least: Auch wenn Sie das Ding bis obenhin vollgestopft haben und niemand Sie erwischt hat, bringt ein Unfall oft böses Erwachen – im doppelten Sinn. Denn bevor die Versicherung zahlt, wird sie Ihre Fahrzeuge prüfen; es wird alles gewogen, was man am Unfallort findet. Überladung kann zu einer Teilschuld führen, wenn es gutgeht. Wenn nicht, verlieren Sie den Versicherungsschutz und müssen für den eigenen Schaden und womöglich für den des Unfallgegners selbst aufkommen.
Sachschäden mögen hier das geringste Übel sein, denn falls eine Person dauerhaft zu Schaden gekommen ist, hilft auch kein Heulen und Zähneklappern mehr. So mancher ging aufgrund solch unglücklicher Ereignisse schon in Privatinsolvenz.

Häufigste Unfallursache Nr. 2
Worauf hätten Sie getippt – auf überhöhte Geschwindigkeit, auf besonders waghalsiges Fahren oder auf zu langsame Überholmanöver? Nichts davon ist laut Unfallforschung der zweite Hauptgrund für schwere Unfälle mit dem Wohnmobil bzw. Wohnanhänger.
Zu zögerliches Bremsen lautet die richtige Antwort, auch wenn es vielleicht zunächst seltsam klingt. Aber der Hintergrund ist psychologischer Natur und Sie sollten es vor dem Urlaub unbedingt ausprobieren: auf einem großen, leeren Parkplatz auf 50 km/h beschleunigen und dann voll in die Eisen steigen.
Mit Wohnwagen spüren Sie das hohe Gewicht am Fahrzeugheck, das Sie weiterschiebt, dann greift die Auflaufbremse und zieht ihrerseits „am Haken“, sprich, der Wohnwagen bremst mit! Das kann bis zum Blockieren der Räder gehen. Darüber erschrecken viele ungeübte Fahrer derart, dass sie wieder von der Bremse gehen – keine gute Idee.
Stehen Sie noch vor dem Kauf bzw. Ausleihen, so sei Ihnen ans Herz gelegt: Bescheidenheit ist Trumpf, das protzige Riesending hinter dem Auto ist womöglich optisch hammermäßig, aber beim Fahren hinderlich und muss je nach Route auch über enge Passstraßen bewegt werden.

Fahren mit „Ding am Haken“
Bevor man mehrere hundert oder tausend Kilometer mit Anhänger am Haken abspult, müssen Vorgänge wie Lenken, Ausweichen und Bremsen in Fleisch und Blut übergegangen sein. Auch, wenn Sie in der Fahrschule den Anhängerführerschein gemacht haben, ist ein Gefahrentraining mit dem eigenen Gespann Gold wert.
Sie ahnen es schon: ADAC und ÖAMTC bieten solche Trainings an, aber auch der ARBÖ, etwa im Fahrsicherheitszentrum Straßwalchen. In kleinen Gruppen lernt man das Rangieren, Kurvenfahren und natürlich Bremsen. Weil man mit dem Campingfahrzeug meistens nur im Urlaub unterwegs ist, lohnt ein Auffrischen immer.
So mancher Camping- und Reisemobilvermieter bietet übrigens auch ein Fahrtraining an. Einfach nachfragen. Denn mit dem Ding am Haken fährt es sich deutlich anders als ohne. Auf Brücken etwa muss man damit rechnen, dass der Wohnanhänger empfindlich auf Seitenwind reagiert. Dafür heißt es, vorher entsprechend das Tempo zu drosseln und die Fuhre im Griff zu behalten.
Auch Bodenwellen oder ein kleiner Ausweich-Schlenker können – vor allem bei langen Wohnanhängern – zum Schlingern führen. Bricht der Anhänger aus, ist beim „Einfangen“ Fingerspitzengefühl gefragt! Übrigens hilft auch Ihr Auto dabei mit, sofern es ein elektronisches Stabilitätsprogramm besitzt (ESP).

Gelernt ist gelernt
Im Fahrtraining lernen Sie auch, ein Gefühl für die Fahrzeug-Abmessungen zu bekommen, das heißt, Rangieren mit Hilfe der Spiegel sowie Rückwärtsfahren mit und ohne Einweisehilfe einer zweiten Person.
Spannend wird es zum ersten Mal meist dann, wenn breite und enge Kurven gefahren werden sollen, und zwar im Pylonen-Parcours. Mit etwas Übung macht das richtig Spaß. Ebenso bremst man die Fuhre voll und kontrolliert ab, gefahrloses Ausweichen wird ebenfalls ausgiebig geübt. Beim Fahrtraining gibt´s dann auch gleich die Spielregeln für den Verkehr mitgeliefert.
Fürs Wohnmobil nämlich gelten ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht in Deutschland die Lkw-Verkehrszeichen. Besteht auf der Autobahn per Verkehrszeichen das Lkw-Überholverbot, haben Sie sich mit dem Reisemobil ebenfalls daran zu halten!
In Österreich allerdings gilt das runde, rot umrandete Schild mit dem Lkw wiederum nur für Gütertransporte, nicht aber für Wohnmobile.
Erlaubte Maximalgeschwindigkeit für 3,5- bis 7,5-Tonner sind auf Landstraßen 80, auf der Autobahn 100 km/h. Mit Wohnanhänger darf ich auf der Autobahn nur dann 100 km/h schnell unterwegs sein, wenn ich mit meinem Gespann die 100-km/h-Vorgaben erfülle und am Wohnwagen ein entsprechender Aufkleber dies bescheinigt. Die Strecke kann sich also auch ohne Stau zeitlich in die Länge ziehen. Aber für viele Menschen ist im Urlaub ohnehin „Entschleunigen“ angesagt – die Reise mit Wohnmobil oder Wohnwagen hilft eben schon am Weg zum Urlaubsort dabei, mit der Entschleunigung anzufangen.
 
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