. .
Salzachbrücke

Verunsicherung bei Dieselfahrzeugbesitzern!

60 % sind Dieselautos
Was bedeutet das nun für die Besitzer von Dieselfahrzeugen, die in Städten wohnen, wo Einschränkungen vorgeschrieben werden? Immerhin sind sechs von zehn Autos Dieselfahrzeuge und die Bestellungen sind nach wie vor gut. In Hamburg möchte man ja bereits in wenigen Wochen Teile der Innenstadt für Dieselfahrzeuge sperren.
Angeblich bereiten sich auch andere deutsche Großstädte bereits entsprechend vor und planen Fahrverbote, wenn auch wesentlich später wie die Hamburger. Aber der Druck, der von Seiten der Politik auf Verbesserung der Luftgüte ausgeübt wird, lässt Ballungszentren mit Grenzwertüberschreitungen wahrscheinlich keine andere Wahl. Laut Simon Wollenberg, Fachanwalt für Verwaltungsrecht bei KPMG Law werden Städte mit Grenzwertüberschreitungen um dieses Thema nicht mehr herumkommen. Man hört, dass in einigen Kommunen bereits entsprechende Verbotsschilder geprägt werden.
So heiß gegessen wie gekocht wird zwar (noch) nicht – denn das Verbot soll in Hamburg vorerst nur auf zwei Straßen mit einer Gesamtlänge von 2,3 Kilometern gelten. Wie das allerdings mit den dort fahrenden Zulieferern, Handwerkern, Postfahrzeugen, öffentlichen Verkehrsmittel etc. funktionieren soll – und vor allem, wie und von wem das ganze überwacht werden soll, steht noch nicht fest.

Doppelte Grenzwerte in Großstädten
Da der in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter auch in anderen Städten wie München, Stuttgart und Köln um fast den doppelten Wert überschritten wird, werden auch dort Fahrverbote unausbleiblich werden.
Und diese Verbote werden die allermeisten Dieselfahrer betreffen, denn lediglich Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6 sind von Fahrverboten ausgenommen. Die Euro 6-Norm ist seit September 2014 gültig und definiert erstmals Grenzwerte für die Anzahl der Partikel im Abgas. Die meisten Fahrzeuge haben spätestens seit diesem Datum einen eingebauten Partikelfilter, aber auch viele Dieselfahrzeuge, die vor 2014 zugelassen wurden, haben diesen Filter schon eingebaut. Der Filter muss übrigens nach ca. 200.000 km ausgetauscht werden und es gibt tatsächlich unseriöse Anbieter, welche aus diesem Grund den Partikelfilter einfach ausbauen. Das ist nicht nur illegal, sondern sowohl vom Anbieter als auch vom Auftraggeber skandalöses Umweltbewusstsein, denn ein Fahrzeug mit ausgebautem Partikelfilter schleudert ein Vielfaches an Dreck in die Atmosphäre!

Auch Benziner werden fällig
Die Euro 6-Norm ist ohne Partikelfilter praktisch nicht zu unterbieten. Ab September 2018 benötigen übrigens nicht nur Dieselfahrzeuge einen Partikelfilter zur Zulassung, sondern auch die meisten Benziner.
Wer also stolzer Besitzer eines Dieselfahrzeuges ist, welches vor 2014 zugelassen wurde, muss leider davon ausgehen, dass sein Fahrzeug nicht der Euro 6-Norm entspricht. Dazu gehört leider auch der Autor dieses Artikels, der bei seinem Hersteller zwecks einer Nachrüstung zur Erreichung der erforderlichen Normen nachgefragt hat. Die Auskunft beim Hersteller verlief unbefriedigend bis niederschmetternd: Weder eine Software- noch eine Hardwarelösung, welche ein Euro 5-Fahrzeug in die nächste Stufe hebt, ist vorgesehen. Wenn überhaupt möglich, dann nur mit (vom ÖAMTC ermittelten) kostspieligen Hardware-Umbauten, die der Konsument zu tragen hat. Allerdings wird laut Audi-Chef Rupert Stadler an einer Software gearbeitet, welche bei Euro 5-Motoren eine 20 bis 30 Prozent Reduktion der Stickoxid-Emissionen bringen soll. Wann diese einsatzbereit ist, steht noch nicht fest.  
Der Volkswagenkonzern sieht im übrigen keine Grundlage für Schadenersatzansprüche seiner Kunden wegen der massiven Wertverluste der Fahrzeuge. Es gibt in Österreich kein rechtskräftiges Urteil im Zusammenhang mit der Abgasthematik EA189, in dem Ansprüche betroffener Fahrzeugeigentümer gegen die Volkswagen AG als bestehend erkannt wurden. Ebenso sieht der Konzern keine gesetzliche Grundlage für ein Umtausch-/Wandlungsrecht für Fahrzeuge, die nicht der Euro 6-Norm entsprechen.
Ob das eigene Fahrzeug nun der Euro 6-Norm entspricht, kann man auch anhand des Fahrzeugbriefes feststellen, ein Anruf bei der eigenen Werkstatt schafft aber verlässlich Sicherheit.

Österreich: IGL reicht!
In Österreich sind sich die Regierungsverantwortlichen von Gesundheitsministerin Elisabeth Köstinger bis Bundeskanzler Kurz einig, keine Fahrverbote auszusprechen. Dort, wo Schadstoffe Grenzwerte überschreiten – vorwiegend im Raum Graz, im Inntal und rund um Salzburg – gibt es die IGL-Regelung (Immissionsgesetz Luft), welche bei entsprechender Luftbelastung automatisch die Geschwindigkeitsvorschreibung auf 100 oder 80 km/h reduziert. Ein System, welches in Deutschland kein Thema ist. Dort dürfen auf Autobahnen Dieselfahrzeuge jeglicher Art Vollgas geben, auch wenn der Abgas- und Feinstaubwert dadurch in die Höhe schnellt. Geschwindigkeitsbeschränkungen wie im Rest Europas bzw. der Welt sind hier immer noch ein Tabu!

Autoindustrie ist gefordert!
Fakt bleibt: Zahllose Autobesitzer wurden durch Abgasmanipulationen, erreicht durch Schummelsoftware oder technische Tricks, beim Kauf ihrer Fahrzeuge betrogen und müssen nach Auffliegen des Skandals massive Wertverluste ihrer Fahrzeuge hinnehmen. Schlimmer noch: In absehbarer Zeit sind diese Fahrzeuge in Ballungszentren nicht mehr einsetzbar und sehr wahrscheinlich auch nicht mehr veräußerbar. Dass die Autokonzerne, allen voran VW und Audi, trotz horrender Kosten für Umrüstung und Strafzahlungen in den USA immer noch Gewinne schreiben, zeigt, wie prächtig diese in den vergangenen Jahren an ihren Kunden verdient haben müssen.
Zu guter Letzt bleibt somit den Dieselfahrzeugbesitzern nur die Hoffnung auf Software-Nachrüstungen durch die Hersteller oder der Umstieg auf Autos mit gesetzeskonformen Abgaswerten.
 
Werbung