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Salzachbrücke

Was gegen Marderbisse am Auto hilft und was nicht

Er liebt Autos. Sie hören ihn nicht, meist bleibt er auch unsichtbar, denn er kommt nachts. Sein nächstes Opfer könnte Ihr Fahrzeug sein, wenn es im Freien parkt. Wer weiß, von welchem possierlichen Tierchen die Rede ist, kann höchstwahrscheinlich im selben Atemzug seine eigene Marder-Schaden-Story zum Besten geben.
Ob zerbissene Kühlerschläuche, mit messerscharfen Zähnchen durchtrennte Kabel oder völlig zerrupfte Motor-Dämmungen: Der Marder macht vor nichts Halt, wenn er einmal auf den Geschmack gekommen ist. Und noch etwas ist lästig: Er ist ein notorischer Wiederholungstäter.

Die Marderpsyche ähnelt der kleiner Kinder
Weil es zahlreiche Marderarten gibt – vom Hermelin bis zum Dachs, auch die als Haustiere beliebten Frettchen gehören zur Gattung – gilt es klarzustellen: Es ist ausschließlich der Steinmarder, auch Hausmarder genannt, der sich zuweilen an Autos gütlich tut. Erkennbar ist er an halblangem, mittelbraunem Fell mit weißem Brustfleck.
Was nimmt der Steinmarder nun normalerweise zu sich, wenn es gerade keine Autos gibt, an denen er nagen kann? Neben pflanzlicher Nahrung wie Beeren und Früchten frisst er Vogeleier, aber auch lebendige Beute. Darum ist sein Körperbau schlank und athletisch, er folgt Jungvögeln, Mäusen und anderen kleinen Säugetieren leise und flink auf Bäume oder in ihre schmalen Gänge, um sie zu erlegen.
Und da haben wir auch schon einen der Gründe, warum der kleine Räuber so viel Spaß am Autoknabbern hat, denn er ist enorm neugierig und besitzt einen ausgeprägten Spieltrieb. Auch sein Geruchssinn ist sehr fein und ermöglicht ihm, differenziert zu erschnuppern, was er vor sich hat.
So wie ein Kleinkind seine Umwelt entdeckt, macht es auch der Marder: Er steckt interessante Dinge einfach in den Mund und kaut darauf herum. So testet er aus, worum es sich handelt. Dass dabei Kabel und Schläuche Schaden nehmen, könnte man durchaus als unabsichtlichen Kollateralschaden betrachten.

Duftstoffe verleiten den Marder zum Beißen
Nachgesagt wird dem Hausmarder inzwischen so einiges an Schäden; auch auf Dachböden treibt er sein Unwesen. Doch seine erste Motivation, in den Motorraum von Fahrzeugen zu klettern und dort herumzuknabbern, gibt Rätsel auf. Von der anziehenden Restwärme ist oft die Rede, Gummigeruch-Vorliebe soll ein weiterer Grund sein.
Wahrscheinlicher ist, dass seine große Neugier ihn schlicht alles in seinem Revier erkunden lässt, so auch Motorräume mit ihren aus Mardersicht tollen Höhlen und gepolsterten Unterschlupf-Möglichkeiten. Und jetzt kommen wir zum Problem, nämlich dem Markieren. Natürlich sieht der Marder auch das in seinem Revier abgestellte Fahrzeug als sein Eigentum an und markiert es.
Besonders rund um die Paarungszeit von Frühling bis Spätsommer übertreten andere Mardermännchen die Grenze zum Revier der Konkurrenz, und so passiert es: Die „Hausmarke“ macht den Marder-Eindringling aggressiv, er markiert drüber und beißt sich einmal quer durch den Motorraum, um sich abzureagieren. Freilich kann es auch sein, dass das Auto quasi die Reviere wechselt, wenn es an verschiedenen Standorten – sprich, Marderquartieren – nachts im Freien parkt.
Für eine sinnvolle, langfristige Marderabwehr ist also gut zu wissen, dass oft nicht der „eigene“ Hausmarder der Ersttäter ist, sondern höchstwahrscheinlich ein temporär eingewanderter Konkurrent. Das Revierverhalten am Einzelobjekt „Auto“ geht also mit Duftstoffen einher.
Ein Blick unter die Motorhaube bestätigt den Verdacht: Ist es dreckig-verwischt und hängen Verkleidungsfetzen oder Kabelteile unordentlich herum, sollte man zeitnah Schläuche, Manschetten und Zündkabel auf kleine Löchlein prüfen oder prüfen lassen.

Was die Versicherung zahlt
Für Schäden, die der Marder angerichtet hat, können in der Werkstatt Reparaturkosten im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich anfallen: Sind Kabel, Achs- oder Lenkmanschetten, Verkleidungen, Kühlerschläuche und so einiges mehr betroffen, summiert sich der Schaden schnell auf mehrere hundert Euro.
Muss das Auto wegen zerbissener Zündkabel oder Wasserschläuche abgeschleppt werden, so übernehmen dies üblicherweise ADAC oder ÖAMTC, sofern man Mitglied ist. Direkte Schäden zahlt in Deutschland wie Österreich im Normalfall die Teilkasko- sowie die Vollkaskoversicherung je nach Höhe des Selbstbehalts.
Handelt es sich um Folgeschäden nach Marderbiss, sieht es meist düster aus. Übersieht man zum Beispiel die zerbissene Achsmanschette und es entwickelt sich daraus ein Achswellenschaden, zahlt man diesen selbst. Ebenso bei Motorschäden infolge zerbissener Kühlerschläuche, wobei Versicherungen je nach Gesellschaft hier auch Obergrenzen von 1.000 bis 3.000 Euro setzen können. Im Zweifelsfall lohnt Nachfragen und ein eventuelles „Upgrade“ auf einen besseren Schutz.
Besonders Fahrer von Elektroautos sollten bei ihrer Versicherung nachfragen: Ein durchgebissenes Kabel kann nicht nur das komplette Auto lahmlegen, sondern auch sehr teuer werden. Aufgrund der hohen Spannungen können Marderbisse im Extremfall sogar für akute Brandgefahr sorgen.

Schritt eins: Duftmarken entfernen
Mottenkugeln, WC-Steine, Säckchen mit Hundehaaren oder stark riechende Seifen findet die Werkstatt des öfteren in marderbewohnten Motorräumen. Mit diesen Utensilien versucht der eigentliche Besitzer des Wagens ihn vor Verbiss zu schützen.
Sinnvoll? Jein: Kurzfristig hilft es tatsächlich. Der Nachteil ist: Hundehaare und Co. „stinken“ dem Marder nur einige Tage lang, er gewöhnt sich mit der Zeit an die seltsamen Gerüche und bei der nächsten Regendusche sind sie ohnehin Geschichte.
Für welche Methode der Marderabwehr man sich auch entscheidet, der erste und wichtigste Schritt ist eine gründliche Unterboden- und Motorwäsche mit Spezialreiniger, die Ihre Werkstatt anbietet. So bekommt man die Markier- und Duftstoffe der Marder aus dem Motorraum.
Gern als einfaches Allheilmittel angepriesen werden Marder-Abwehr-Sprays, die einige Wochen für Ruhe sorgen sollen, den Marder oft aber überhaupt nicht stören. Paradoxerweise können die Sprays aber für empfindliche Menschennasen extrem unangenehm sein. Der Geruch des eingesprühten Motorraums kann per Lüftung in den Fahrzeug-Innenraum dringen. Und nach einer Regenfahrt ist auch das Spray wieder weggewaschen.

Schritt zwei: Mechanischer Schutz
Geruchssperren oder Anti-Duftmarken synthetischen Ursprungs sind sicher der unsicherste Lösungsansatz zur Marderabwehr.
Schritt zwei sollte deshalb sein, alle gefährdeten Leitungen, Spritzwasserschläuche und freiliegenden Zündkabel mit bissfester Plastik-Wellrohr-Meterware zu ummanteln. Wer geschickt ist, kann dies problemlos für ein paar Euro Materialkosten selbst erledigen. Auch Unterdruckschläuche werden gern zerbissen und sollten deshalb denselben Schutz erhalten.
Weil Marder angeblich nicht gern auf Drahtgeflecht treten, legt so mancher ein Stück Maschendrahtzaun unter den Motor. Der Marder freilich steigt dann einfach geschmeidig übers Vorderrad ein und grinst sich (wahrscheinlich) eins.
In den Weiten des Internet tauchte kürzlich eine ebenso belächelte wie bewunderte Idee samt Foto auf: ein komplett „eingezäunter“ Motorraum, bei dem der Besitzer Motor, Schläuche und Kabel großräumig mit Maschendrahtzaun umwickelt hatte – eine gute Idee. Nachteil: Die Achs- und Lenkmanschetten liegen dennoch frei.
Weitere mechanische Schutzvorrichtungen in Form von Borstenvorhängen und Lochblech bieten manche Autohersteller inzwischen sogar als passende Nachrüstsätze an, um den Motorraum mechanisch abzuschotten und „einstiegssicher“ zu machen.

Jetzt stromt es: Ultraschall und Elektroschock
„Für den Menschen unhörbar erzeugt das Ultraschallgerät Töne, die den Marder abschrecken.“ Soweit die Gerätebeschreibung des „Marderschrecks“. Was das Unhörbare angeht, so gibt es leider tatsächlich Menschen, die diese Töne wahrnehmen können, und zwar nicht nur das knirschende oder knackende Geräusch, das die Geräte erzeugen, sondern auch die hochfrequenten Pfeiftöne.
Dank ihres feinen Gehörs wäre Ihre SALZACHbrücken-Redakteurin regelmäßig gern nach Marderart auf- und davongelaufen, wenn ein Auto mit Marderschreck in der Werkstatt zum Reparieren parkte: Ohne den hochfrequenten Pfeifton von der Batterie abzuklemmen, war normales Arbeiten unmöglich. Ähnlich geht es dem neugierigen Nagerchen, und trotzdem gibt es auch hier schmerzfreie Exemplare, die sich an die Geräusche gewöhnen und „ihren“ Motorraum munter weiter nutzen.

Vorbeugen statt reparieren
Mit etwa 80 bis 120 Euro nicht ganz billig sind Elektroschock-Geräte, die nach dem Weidezaun-Prinzip arbeiten. Daran gewöhnt sich auch der abgebrühteste Steinmarder garantiert nie. Will er es sich etwa mit einer Beute im Motorraum gemütlich machen, bekommt er an seinen üblichen Einstiegsstellen einen heftigen, aber ungefährlichen Stromschlag: Das verzeiht er Ihrem Auto nicht und wird es fortan meiden.
Auch Marderforschung gibt es inzwischen, und es sind keine Biologen, sondern Mitarbeiter von Autokonzernen, die hier Tests durchführen. Im „Marderlabor“ unter Freiluftbedingungen dürfen Steinmarder das tun, was sie lieben: Ungestört an unterschiedlichsten Materialien herumbeißen.
So finden die Forscher heraus, was für Steinmarder spannend ist und was nicht, was den spitzen Zähnen standhält und was leicht zu zerbeißen ist. Ziel dieser Marderforschung: Im Idealfall schmeckt die nächste Neuwagengeneration unserem Hausmarder ganz einfach nicht mehr.
 
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