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Salzachbrücke

Von Grund auf wohlfühlen

Wer den Austausch von Böden einmal mitgemacht hat, kann so manches Lied von Staub-, Lärm- und Geruchsbelästigungen singen; von der Einschränkung des Lebensraumes und Wohnbereiches ganz zu schweigen. Manche müssen überhaupt in ein Ausweichquartier flüchten, wenn durch das Räumen der betroffenen Zimmer in der restlichen Wohnung kein Platz bleibt. Zwar lässt sich beinahe jeder Boden ohne Eingriff in die Baumasse entfernen – nicht umsonst werden die Böden bei der Errichtung eines Hauses auch so ziemlich am Schluss verlegt. Je nach Material und Verlegeart kann es dabei aber doch vorübergehend zu mehr oder weniger schweren Beeinträchtigungen in der Nutzung kommen.

BÖDEN FÜR GENERATIONEN
Um solche Unannehmlichkeiten tunlichst hintan zu halten, achtet man am besten schon beim Hausbau oder doch zumindest angesichts einer notwendigen Renovierung auf die Lebensdauer und/oder die leichte Austauschbarkeit des Bodens. Diese Kriterien scheiden in aller Regel die massiven Holz-, Fliesen- und Steinböden von den schnell zu verlegenden Bodenbelägen aus den verschiedensten Materialien wie Laminat, Vinyl, Linoleum, Kork oder Teppich. Bei der Lebensdauer haben die erstgenannten Böden ein überzeugendes Argument auf ihrer Seite: Aus historischen Gebäuden wie Kirchen, Schlössern oder Burgen kennen wir Stein-, aber auch Holz- und Fliesenböden, die viele Jahrhunderte überdauert und bis heute ihren Charakter und ihre Funktion erhalten haben.
Zugegeben: Materialien wie Vinyl, Laminat oder Linoleum konnten schwerlich seit dem Mittelalter bestehen, wurde doch der erste Bodenbelag namens Floorcloth erst vor etwa 250 Jahren entwickelt. Hundert Jahre später folgte dann mit ähnlicher Technik das Linoleum, bei dem eine Masse aus Kreide, Holzmehl, Harzen und – wie der Name besagt: – Leinöl auf ein Jutegeflecht aufgebracht wurde bzw. bis heute nahezu unverändert wird. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts drängten synthetisch hergestellte PVC-Beläge von der Rolle auf den Markt. Einfach zu verlegen, pflegeleicht und in nahezu beliebigem Design hielt das Wundermaterial Einzug in Haushalte, Betriebe und öffentliche Gebäude.

GIFTQUELLE BODEN
Was aber das PVC so angenehm weich machte, entpuppte sich mit der Zeit als giftige Zeitbombe, wie die sogenannten Phthalate: In der EU an sich seit Jahren erfolgreich bekämpft, in Deutschland zunächst verboten und nach Klagen ausländischer Hersteller wieder zugelassen, kann man heute sehr schwer feststellen, in welchen Produkten diese Weichmacher und andere schädliche Stoffe enthalten sind. Insbesondere, als die Kennzeichnung und vor allem die Bewerbung von Bodenbelägen oft unvollständig oder schlichtweg falsch sind. Einen Vinyl-Boden zum Beispiel als „PVC-frei“ zu bewerben, ist schon ein recht plumper Versuch, über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass Vinyl nur eine andere Verarbeitungsform – aber immer noch auf Basis des mittlerweile in Verruf gekommenen PVCs – ist.
Auch in Laminat- und Teppichböden können Lösungsmittel, Weichmacher oder Flammschutzmittel enthalten sein, die teilweise bereits bei Zimmertemperatur kräftig ausgasen. Der Körper nimmt diese Schadstoffe über die Atmung (Hausstaub), über Hautkontakte oder über belastete Nahrungsmittel auf. Sie können etwa zu Atemwegserkrankungen und Allergien führen, das Immunsystem schwächen oder langfristig sogar Krebserkrankungen auslösen. Von den Qualitätszeichen aus Industrie und Handel soll hier in Deutschland am ehesten noch der Blaue Engel für die Einhaltung strenger Auflagen stehen; Ähnliches gilt in Österreich für das Hundertwasserumweltzeichen.

GEFÄHRLICHE ALTLASTEN
Aber auch bei Holz- oder Steinböden können vor allem ältere Lacke oder Kleber bedenklich sein. So wurden in der Nachkriegszeit Holzböden mit Klebstoffen verlegt, die polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthielten. Diese Verbindungen gelten als krebserregend und können sich hormonell negativ auf das Erbgut und die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken. Gut versiegelte Parkettböden aus jener Zeit bannen diese Gifte erfolgreich, während PAK-belastete Holzböden mit losen Teilen und durchlässigen Klunsen jedenfalls ausgetauscht werden sollten – und zwar nur von Unternehmen mit einschlägigem Fachpersonal und entsprechender technischer Ausstattung.
Inzwischen liegt man allerdings bei Holz-, Fliesen- oder Natursteinböden vom gesundheitlichen Aspekt her eher auf der sicheren Seite. Das heißt freilich nicht, dass es bei den anderen Böden nur schwarze Schafe gäbe. Je nach Nutzungsart, -intensität und -dauer, nach individueller Vorliebe oder Anforderung, oder auch schlicht auf Grund des akuten wirtschaftlichen Rahmens kann die Entscheidung für einen bestimmten Boden deshalb durchaus wohl begründet sehr unterschiedlich ausfallen. Vielfältig können die Gründe sein, die im Einzelfall für oder gegen einen der gängigen Böden sprechen.

HOL DIE NATUR INS HAUS!
Die eigene Umwelt holt man sich zunächst einmal mit Holz ins Haus – ob Diele oder Parkett ist dann eine Frage des Stils. Es hat schon etwas, den Wald im Zimmer liegen zu haben, in dem man vielleicht schon spazieren gegangen ist; das ermöglicht ein großer, regionaler Parketthersteller, wenn er seine Rohstoffe aus nachhaltiger Holzwirtschaft in Österreich oder Deutschland bezieht. Wer tiefer in die Tasche zu greifen bereit ist, kann sich von einem deutschen Anbieter sogar einen maßgefertigten Dielenboden verlegen lassen, dessen Bretter nicht gerade, sondern nach dem natürlichen Wuchs geschnitten und wie ein Puzzle aneinander angepasst sind. Auch Kork stellt einen sehr unmittelbaren Bezug zur lebenden Natur her; Naturstein immerhin zur leblosen, wenn auch wiederum oft regionalen Umwelt.
Geht es bei der Auswahl des Bodens ausschließlich um die Optik, so droht die wahrscheinlich größte Qual der Wahl: Gibt es doch beinahe schon von jeder verfügbaren Bodenart Ausführungen zum Beispiel im Holz- oder auch Stein-Look. Umgekehrt fächern auch die Originale je nach Holz- bzw. Steinart und unterschiedlicher Oberflächenbearbeitung mittlerweile in einer beachtlichen Palette an Abstufungen in Farbe und Helligkeit auf. Vom Laminat über Vinyl und Linoleum bis hin zu Fliesenböden lässt sich heute beinahe jeder künstlich erstellte Boden in allen denkbaren Designs beziehen oder bei Bedarf nach eigener Vorlage bestellen. Vor allem Bodenbeläge wie Linoleum oder Vinyl/PVC eignen sich hervorragend für die graphische Gestaltung nach Foto- oder anderen Bildvorlagen. Stilvoll macht sich demgegenüber das eigene Familienwappen als Intarsienarbeit im Parkettboden des Foyers; nach geeigneten Vorlagen am Computer errechnet und mit Laser geschnitten ist ein solch exklusives Entreé beim regionalen Spezialisten sogar für einen erstaunlicherweise gerade mal gut vierstelligen Euro-Betrag zu bekommen.

SCHICK ABER GEMÜTLICH…
Weniger dem Auge, denn dem Fuße schmeichelt ein wohl temperierter und nicht allzu harter Boden – zumindest trifft das in unseren Breiten auf die große Mehrheit zu. Heißsporne können am besten auf Marmor und anderen Naturstein- oder Fliesenböden abkühlen. Chronisch verfrorene Gemüter werden sich demgegenüber auf Kork oder Teppich wohl fühlen. Die große Mehrheit dazwischen ist im Wohnbereich mit Holz, aber auch mit Laminat oder einem der Beläge gut beraten; wobei ein Massivholzboden generell nie wirklich kalt ist, während sowohl Laminat als auch die mittelharten Vinylplatten durchaus an der Oberfläche deutlich abkühlen können. Nicht bloß in Celsius-Graden gemessen sondern vor allem auch atmosphärisch tendenziell unterkühlt wirkt der Sicht-Estrich, welcher neuerdings als Retro-Mode oder bewusster Reduktionismus vor allem in extravaganten Life Style-Wohnungen oder Event-Locations anzutreffen ist.
Die extreme Nachgiebigkeit eines ultraweichen PVC- oder gar Hochflor-Teppichbodens muss man mögen; Stein, Fließen oder Estrich sind demgegenüber im wahrsten Sinn des Wortes die Härte – nicht zuletzt auch als Trittschallüberträger. Im Mittelfeld der Elastizität bewegen sich Laminat, Vinylplatten und Holz; Parkett und Dielen mit einer entsprechenden Vollholzstärke bieten eine nahezu ideale Balance aus Halt und Federung, die dem natürlich gewachsenen Material innewohnt. Auch die Oberflächenstruktur, die sogenannte Haptik, spielt eine nicht unbedeutende Rolle bei der Auswahl des passenden Bodens. So haben sich PVC-Böden unter anderem wegen ihrer markanten Griffigkeit stark verbreitet, nachdem man zuvor insbesondere mit versiegeltem Parkett und Linoleum vor allem extrem rutschige Böden gewohnt war. Parkett gibt es heute wie damals aber auch gebürstet, wodurch eine leicht gerillte Holzstruktur hervortritt. Einen vergleichbaren Eindruck des Gewachsenen vermitteln bestimmte Naturstein- oder auch Korkböden. Vinyl, Laminat, Linoleum und natürlich auch Fliesen werden ebenfalls mit freilich künstlich strukturierter Oberfläche angeboten. Ein ganz eigenes Trittgefühl vermitteln neben textilen Teppichböden solche aus Sisal oder Kokosfaser, die vor allem auf stark frequentierten Flächen zum Einsatz kommen.

…UND PRAKTISCH SOLL ER SEIN
Dichte und Wärmeleitfähigkeit des Bodens sind auch für den Wirkungsgrad einer Fußbodenheizung ausschlaggebend. Naturstein, Fliese und Sicht-Estrich geben die Wärme aus dem Boden ideal an den Wohnraum weiter. Auch Holzböden sind prinzipiell sehr gute Wärmeleiter; hierbei ist allerdings zu beachten, dass einerseits zu dicke Brettstärken die Wärme eher zurückhalten und außerdem schichtverleimtes Material dem Wechsel von Temperatur und Feuchtigkeit generell besser standhalten als Massivholz. Laminat ist grundsätzlich geeignet, eine Abklärung im Einzelfall aber sinnvoll. Ebenso gilt es bei den Bodenbelägen auf eine allfällige Temperaturbegrenzung zu achten, die für Vinyl etwa bei 27° Celsius liegt. Tendenziell geben Holz bzw. Laminat und dünnere Bodenbeläge die Wärme zwar schneller weiter, speichern diese aber nicht so gut wie Stein oder Vinyl.
Für die Nutzung im Alltag nicht unwesentlich sind schließlich Pflegeaufwand und Anfälligkeit des Bodens für Verunreinigungen und Beschädigungen. Gegen Schmutz relativ unempfindliche Oberflächen weisen Fliese, Laminat, PVC/Vinyl, Linoleum und Sicht-Estrich sowie gut versiegelte Holz- und Korkböden auf. Allerdings kann Nässe bei Parkett, Laminat und Kork leicht zu Schäden führen. Wahre Gehege für Hausstaubmilben sind Teppichböden, die sich – einmal verlegt – kaum je wirklich gründlich reinigen lassen; noch schwieriger ist dies bloß noch bei Sisal und Kokosfaser. Teppiche sind außerdem eher anfällig für Flecken, so wie manche Naturstein- und Fliesenböden, sofern die Oberfläche nicht versiegelt oder glasiert ist. Die Empfindlichkeit gegenüber herabfallenden Gegenständen und anderen mechanischen Einwirkungen beschränkt sich bei Naturstein auf härtere Materialien ab einer gewissen Kraft. Auch Laminat hat in der Regel eine recht robuste Oberfläche. Stich- und schnittgefährdet sind vor allem PVC/Vinyl, Linoleum und Kork, während sich kleinere Verletzungen im Holz relativ leicht mit Lack verschließen lassen.
Aus der hier nicht abschließend aufgelisteten Zusammenschau unterschiedlichster Kriterien der Bodenauswahl geht der Holzboden entsprechend seiner tatsächlichen Verbreitung als jene Variante hervor, die langlebig und ein für unsere Breiten stimmiges Wohnklima zu entfalten besonders geeignet ist und deren Rohstoff überdies regional nachwächst.
 
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